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Freitag, 18. November 2005

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nhs1

Ich war ja eigentlich immer Punkrock. Mehr oder weniger. Okay, heute heißt das Ganze "Funpunk" (und ehrlich gesagt hieß es das vor 10 jahren wahrscheinlich auch schon) und riecht miefig. Vor allem weil einige der Bands von damals auch heute noch Platten veröffentlichen that sound so 1995! Verdammt, waren wir früher einfallslos! Man hätte es merken müssen, dass dieses vermeintlich authentische Punk-Gefühl natürlich nicht authentisch sein konnte, kam dieser "Punk" doch von denselben Skater-Kids, denen man selbst angehörte.

nhs2

Früher war man formbarer. Vielleicht ähnlich formbar wie heutzutage, wo man Band um Band weitergereicht bekommt. Nur damals, als ich noch auf der Suche nach der passenden Schublade in einer gutaussehenden Kommode war, versuchte ich immer gleich die gesamte Kommode, statt kleiner gestaffelt anzufangen. Also kam es wie es kommen musste: Im Jahr 1997/98 begann ich, HipHop zu hören. Und zwar deutschen HipHop! Rückblickend war diese Zeit musikalischer Sozialisation wohl eine der schlimmsten, andererseits aber auch der bedeutensten! Ohne diese Phase - seien wir ehrlich, mehr war es nicht - hätte ich niemals zu ehrlicher Gitarrenmusik ohne Funpunk-Überbau gefunden, hätte ich Elektronik nicht zu schätzen gelernt und HipHop in seinem Facettenreichtum auch nicht. Kurzum: Ich wäre nicht der, der ich bin und musikalisch ähnlich festgefahren wie meine Erfahrung mit Wacken-Besuchern.

nhs3

Mit HipHop verhält es sich vermutlich wie mit jeder anderen Stilrichtung: Einige erfolgreiche Acts für den Mainstream, ein "Untergrund" und dann noch ganz viel schlechtes. Richtig interessant wird es erst dann, wenn man entweder die richtigen Stilmittel verwendet oder ein erfolgreiches mediales Diktat erzeugen kann. Oder wenn man Genreübergreifend punkten kann. Und letzteres ist mir normalerweise das Liebste!

nhs4

Ich kann mich noch lebhaft an diesen Nachmittag in unserem Musikarchiv erinnern. Pascal war gerade mit der Rotation beschäftigt, ich mit einem enormen Schlafdefizit und damit verbundenem Aufmerksamkeitsmangel. Jedenfalls hielt Pascal eine CD hoch: "Die ist enorm gut, diese Platte. Die wird Dir sicherlich gefallen!"
Ich habe keine Ahnung warum - vielleicht wegen des dilletantisch wirkenden Covers - aber aus irgendeinem Grund quittierte ich Pascals Empfehlung mit einem "Mmmhmm!"
Ich könnte mich immer noch totärgern, übver diese Arroganz und Nichtbeachtung, die mich so tief in meine Teenager- und Ein-Kommoden-Denkweise zurückwarf.

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Ninja High School sind die unehelichen Kinder von HipHop, Punk und Comedy! Eine Kaugummiblase, kurz vor dem Platzen. Eine gelebte Haus-Party wie aus einem schlechten Road-Movie: Angetrunkene, verkleidete Gäste mit überschwänglicher Gestik die einfach nur Spaß haben und die Party leben. Die Beastie Boys zu "No Sleep Til Brooklyn"-Zeiten. Eine Charikatur aus Public Enemy und Freejazz. Cousins dritten Grades von The Go!Team und Hawnay Troof. Das überzeichnete Bild der Souls Of Mischief und Unkle. Kurzum all das, was HipHop immer sein wollte, in seiner Reinform aber nur manchmal erreichte: Partytaugliche Kritikfläche zu sein, die sowohl Klischees bedient als auch vernichtet, nur um anders als punk zu sein. Greift das? Ja!

"Young Adults Against Suicide" ist das Album, das gefehlt hat um dieses Jahr rund zu machen. Mir jedenfalls. Denn ich mag Genre-Hopping. Lieber als jede Maximo/The Franzs-Platte! Dieses Album verkörpert all die Eigenschaften, die mir der deutsche HipHop nie geben konnte. Für deren Wurzeln ich bei Entstehung noch zu jung (oder ungeboren) war. Oder die ich mir früher nicht so vorstellen konnte. oder wollte. Was weiß ich?! Ich meine, die Selbstauskunft sagt doch schon alles: "Ninja High School is a positive hardcore dance-rap band from Toronto!" Wie viel mehr Information braucht man noch? Ich brauche da nichts mehr. Entschuldigen Sie bitte: Ich muss das jetzt sofort auf die Tanzfläche bringen...


tracklisting:
01 good morning
02 jam band death cult
03 it´s all right to fight
04 feverish dream
05 positive laser [mp3-file/2,8 mb]
nhs6 06 nap
07 shake it off [mp3-file/6,0 mb]
08 by purpose not by plan
09 catholic fashion
10 we finish third
11 film-video
12 invasion party

more info:
4 out of 5>> ninja high school
>> tomlab records
>> blocks recording club
>> ninja high school - young adults against suicide [flash/album stream]
>> ninja high school - by purpose not by plan (sex nerds mix) [mp3-file/5,0 mb]
>> deerhoof - rrrrrrrright (ninja high school remix) [mp3-file/3,6 mb]
>> ninja high school - lyrics
>> bei amazon einkaufen

Freitag, 16. September 2005

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dungen4

Manchmal bin ich einer dieser Sorte Mensch, der beim ersten Mal weghört. Ganz ehrlich und ohn Übertreibung: Mein Input ist momentan gigantisch und deswegen schiebe ich manches von Zeit zu Zeit auch mal auf die lange Bank. Wer mal mit mir in Email-Kontakt stand hat das sicherlich auch festgestellt. Aber hier soll es sich ja jetzt nicht um meine Kommunikationsgepflogenheiten drehen, sondern um Musik, beziehungsweise meine Läuterung was das auf die lange Bank schieben angeht.

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Ich weiß gar nicht mehr wo - ich tippe aber mal auf Stereogum; jedenfalls stolperte ich im Laufe des letzten Jahres über Dungen, ohne so recht zu wissen, was ich damit anfangen sollte. Berührungsängste und so, you knows it! Größtenteils wegen des Album Artworks, das kam mir sehr düster und wasweißichwie rüber, jedenfalls nicht so griffig und gefällig um stehen zu bleiben. Fehler! (Großer!)

Zum Glück lerne ich auch manchmal aus meinen Fehlern, besser spät als nie und so. Das Lernen hat aber auch einen Grund: In diesem Fall einen audiovisuellen. Und seitdem liege ich so ziemlich jedem mit Dungen in den Ohren: Freunden, (Chef)Redakteuren von Popkulturmagazinen, Bookern, Kollegen, DJs. Immer in der Hoffnung, jemand würde anspringen und sagen: Großartig, meine Gefühle gegenüber dieser Band entsprechen genau den Deinigen und Du hast Recht! Die Hoffnung zerschlägt sich dann zwar meist, aber wenigstens weckt man Interesse. Apropos Interesse wecken: Ich hatte da doch was vor... Genau!

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Dungen sind nämlich der einzige Grund - und da widerspreche ich mal der Ansage von Thees Uhlmann im Rahmen des Monsters of Spex - warum es sich heutzutage noch lohnt, Gitarrenmusik zu machen. Ganz tief in der Prärie (stimmt das so? ja, stimmt so) Schwedens kramte Gustav Ejstes vor einigen Jahren tief in der musikalischen Landeshistorie. Kratzte alte 7"-Platten zusammen, auf denen sich obskurer Psychedelic Pop und Folk aus Schweden bekannt. Längst im Orkus des Zeitgeist untergegangen, von ihm reanimiert und eigenhändig eingespielt. Handmade Rockmusic from outer space, was natürlich Dank des "space" ausgesprochen abgefahren und futuristisch klingen mag, in Wahrheit aber verspielte Gitarrenmusik mit Störungen und etwas sehr gutem Dudel bedeutet.

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Dungen sind der Stachel in der momentan allgemeingültigen britischen Hipness. Und ohne es zu hippiesque klingen lassen zu wollen: Der Wind über den schroffen Küsten und Landschaften. Habe ich eigentlich erwähnt, dass neben Gustav zwar auch noch drei bis mitunter sieben andere Musiker Dungens Konturen schärfen? Nein? Oder dass die Texte und überhaupt alles auf schwedisch sind? Auch nicht? Was ist mit der Tatsache, dass "Ta Det Lugnt" - so lautet der Albumtitel - ein garantierter Top-10-Kandidat dieses Jahres ist?

Keine Ahnung wie Gustav mit seinen 25 Jahren eine so erstaunlich reife Platte produzieren konnte, vor der bestimmt sowohl The Who, Hendrix, The Doors als auch die Beach Boys die Köpfe verneigen würden. Das ist der wirklich gigantisch große Wurf, ganz ehrlich! Falls sich tatsächlich jemand die mühe gemacht haben sollte, bis hierhin weiterzulesen, dann gehört derjenige bestimmt nicht zu der Sorte Mensch, die ich Eingangs erwähnt habe. Wäre auch zu schade. Denn Dungen - padon, "Dune-Yen" - könnten das Beste sein, dass einem in diesem Jahr passieren könnte!


tracklisting:
01 panda [mp3-file/5,8 mb]
02 gjort bort sig
03 festival [wma/stream]
04 du är för fin för mig [flash/stream]
05 ta det lugnt
06 det du tänker idag är du i morgon
dungen - ta det lugnt07 lejonet och kulan
08 bortglömd
09 glömd konst kommer stundom ånyo till heders
10 lipsill [mp3-file/3,8 mb]
11 om du vore en vakthund
12 tack ska ni ha
13 sluta följa efter

more info:
5 out of 5dungen - ta det lugnt VÖ: 27.06.2005 (broken silence)
>> dungen
>> subliminal sounds
>> kemado records
>> broken silence
>> bei finetunes einkaufen
>> bei amazon einkaufen
>> dungen - panda [quicktime-file/flash/video]
>> dungen - tyst minut [mp3-file/5,3 mb]

Samstag, 2. Juli 2005

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schw1

Es soll ja nie zu spät sein für Musik, vor allem für die gute. Auch wenn das hier oft den Anschein hat, sich vor allem auf den neuesten Gitarrenscheiß oder Synthie-Zeug zu konzentrieren: Das experimentelle, andere liegt mir auch und das schätze ich! Deswegen war ich doch sehr froh, mich bei der Vorbereitung auf die letzte Sendung auch durch die CDs durchgewühlt zu haben, die wir nun schon eine Weile im Archiv stehen haben. Denn sonst wäre ich nicht nur mir selbst, sondern vor allem dem Hörer das Album des Schwabinggrad Ballett schuldig geblieben. Und ja: Ich habe den Namen falsch gephotoshopped. Aber was sind schon Namen...

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Im Fall des Schwabinggrad Balletts steht wohl eindeutig die Musik im Vordergrund, weniger die Musiker selbst. Und daneben der künstleriche Aspekt, das zitieren gesellschaftlicher Normen und Gesellschaftsformen. Vom griechischen Sklavenhandel zum Hamburger Schlachtvieh: Gesellschaftliche Misstände werden aufgegriffen, persifliert und im öffentlichen Raum inszeniert. Die Bühne wird auf die Straße verlagert und Protest wird so formuliert, dass die Grenzen zwischen Zustimmung und Ablehnung nur schwer erkennbar sind. Das Ballett existiert als Kollektiv mit wechselnder Besetzung, als nicht auf wenige Köpfe reduzierbares Projekt, das durch seine Vielschichtigkeit Genres wild mischt und seine Einzigartigkeit ausmacht.

schw3

Im ganzen erscheint das Schwabinggrad Ballett mehr als Marschkappelle, das nicht nur durch die Musik, sondern auch und vor allem durch das bunte (und damit einhergehend laute) Erscheinungsbild für Fragezeichen über dem Kopf des Betrachters sorgt.

Wofür steht ein monoton-deprimierendes "Herdentrieb & Hospitalismus". Vom kollektiven Verzweifeln? "Wenn's anfängt durch die Decke zu regnen", das ist schon eher ein Bild, mit dem man etwas anfangen kann. Dann ist's feucht. Dann beginnen die Decken zu schimmeln. Dann wird man krank. und dann muss man entweder in diesen Verhältnissen leben oder man leistet sich den Umzug. Oder man muss ihn sich leisten. Aus dieser "Quadratmühle" kommt man nur schwer heraus.
"65 Sekunden Hauptbahnhof", eine wilde Freejazz-Nummer mit Realitätsbezug. Wer einmal selbst in Hamburg war bzw. dort lebt, der könnte über die folgende Einleitung jenes Stücks vermutlich sein ganz eigenes Liedchen singen: "Die folgenden 65 Sekunden sind dem Hamburger Hauptbahnhof und der dortigen Verwendung von Musik als Mittel zur Vertreibung unerwünschter Menschen gewidmet."
Und darauf folgt "Trauma Troopers", eine 17-sekündige Reminiszenz an Marschkapellen, die ja auch schnell das Bild von Militärkapellen bzw. folkloristisch-traditionellem Treiben bemühen. Und dann das Polka-lastige "Lied der Baumwollpflücker", das in unserem heutigen gesellschaftlichen Kontext eigentlich nur an Hartz IV und die damit verbundenen Schicksale erinnern kann.

schw4

Und zischen dem verqueren, dem schwer zugänglichen finden sich Stücke, die erst wirklich zum Nachdenken anregen: "ICE Bertold Brecht", mit der "Überführung der Gebeine". Im direkten Zusammenhang der Begriffe "ICE" und "Gebeine" erscheinen sofort Bilder von langen Eisenbahnwaggons und Deportation, deutscher Geschichte und der Verantwortung der deutschen Gesellschaft heutzutage. Auch wenn dies nicht die Aussage des Stücks ist, erinnern muss man sich denoch. Oder "Under Control": "I'm under control of a mighty force"... Das ist doch Standortbeschreibung pur! Dann das "Lied über den Selbstmord" und das "fortwerfen des unerträglichen Lebens", welche Umstände könnten dazu zwingen. Und dann ist das noch "Moderne Welt", ein Cover der Freiwilligen Selbstkontrolle, das Dank seiner Hintergründigkeit bei einer Performance des Schwabinggrad Ballett bei einem antirassistischen No-Border-Camps in Hamburg für Unruhe gesorgt hat. Denn unter den "Wursthaaren" versteht man keine Ironie und schon gar keinen Spaß, wenn es um die eigenen Inhalte geht. Dann versteht man nicht einmal die eigenen Sympathisanten. Das ewige Problem der Linken.

Das Schwabinggrad Ballett tanzt auf dem dünnen Seil zwischen Inszenierung und Wirklichkeit, zwischen Satire und Ernst, sowie Dilletantismus und Professionalität. Die Namen hinter dem Ballett sorgen dafür. Und diese Namen nachlesen, das sollte man an anderer Stelle. Denn das offensichtliche auseinanderdividieren, das sollen die anderen.


tracklisting:
01. Under Control
02. Herdentrieb & Hospitalismus
03. Trashcan
04. ICE Bertold Brecht (AB)
05. Tryptichon Mitte
06. Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen
07. Geliebte Viecher In The Night
08. Quadratmühle
09. Lied über den Selbstmord
10. So sehr der Gedanke auch schmerzt....
schw5 11. 65 Sekunden Hauptbahnhof
12. Trauma Troopers
13. Moderne Welt
14. Zara
15. Lied der Baumwollpflücker
16. Arme Banausin,Sie will nicht begreifen
17. ICE Bertold Brecht (AN)

mehr infos:
3 1/2 out of 5 >> schwabinggrad ballett
>> staubgold
>> indigo

Donnerstag, 23. Juni 2005

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l1

Manchmal liegen zwei Dinge nahe bei einander: Ehrlichkeit und Attitüde. Wie nah diese beiden im Falle von Louis XIV zu einander stehen sei dahingestellt. Eins sei aber ab dieser Zeile gesagt: Rock'n'Roll muss nicht aus Skandinavien kommen, um makellos zu klingen. Und dabei gänzlich andere Wege zu gehen als man es von den erfolgreichen Würfen der jüngsten Vergangenheit gewohnt war.

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Die Geschichte geht so: Anfang 2003 gab es drei Männer, die ansonsten mit Convoy und davor noch mit Emery Bird beschäftigt waren: Jason Hill, Brian Karscig und Mark Maigaard. Vielleicht nicht beschäftigt genug, denn die Geschichte geht weiter. Ein Bauch-Gefühl verschlug die drei in ein Pariser Appartment von Freunden. Dort stand der identische 16-Spur Tape-Recorder, den man auch selbst zuhause in San Diego hatte. Auf diesem wurden in einem schnellen und rauhen Aufnahmeprozess Songs geschrieben und aufgenommen. Nach zwei Wochen und der Rückkehr in die Staaten hieß man nicht nur Louis XIV, sondern hatte auch ein gleichbetiteltes Debut in der Tasche. Und von da an ging alles sehr schnell.

Selbstproduzierte CDs auf dem eigenen Label - der Pineapple Recording Group - Airplay in Frankreich, England sowie den Staaten und dann kam noch Bassist Jimmy Armbrust hinzu. Alle Zeichen stehen auf Hype. Und der rollt mit zwei weiteren EPs langsam an um während bzw. nach der gemeinsamen Tour mit The Killers seinen vorläufigen Höhepunkt zu erreichen. Dann der Plattenvertrag im August 2004 bei Atlantic Records und jetzt nähern wir uns so langsam dem, worauf der Text hinauslaufen wollte: "The Best Little Secrets Are Kept"

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Man darf sich ruhig fragen, wie weit Rock'n'Roll mit Sex spielen darf. Louis XIV betreiben dieses Spiel ausführlich und scheinbar gerne, wer also nur nach Political-Correctness-Stempeln einkaufen geht, der sollte ab hier ruhig weg- oder sich die wirklich gute Rezension bei Pitchforkmdia.com durchlesen.
Wie weit arbeiten Louis XIV die Gender-Fragen der vergangenen Jahre auf? Ist "The Best Little Secrets Are Kept" vielleicht aber auch nur ein neu formulierter Mythos aus den Tagen, als "alles ging"? Ist die Platte eine Inszenierung, die mit Klischees spielt und provozieren möchte? Sind die Jungs wirklich so schwanzgesteuert? Oder ist ihnen das alles egal? Darauf habe ich leider keine Antworten. Ich kann da nur eine geben: Louis XIV rocken!

Hochmut kommt vor dem Fall! Das musste auch der historische Louis XIV schnell lernen. Arroganz und Selbstherrlichkeit, Größenwahn und Absolutismus waren sein Weg bis zu seinem Tod. Und ganz ähnlich präsentieren sich Louis XIV schon im ersten Song von "The Best Little Secrets Are Kept": Dezent arrangiert aber oppulent wirkender Streicherarrangements leiten - wie sollte er denn sonst lauten - "Louis XIV" ein, so lange bis Jason Hill krächzig-schnoddrig erklärt: "Well I'm a weapon of mass destruction / Got no apologies for a hyper concussion [..] Me me me me, is all you say that i care about / Me me me me, is all i ever wanna talk about / Me me me me, is what you think that i care about / Me me me me, is all i really wanna talk about [...]"Begleitet wird er dabei von klassisch knarzigen E-Gitarren, Handclaps, Gitarrensolo-Outro, "Who's your daddy?"-Ansage und viel R-h-y-t-h-m-u-s. Und damit hebeln sich Louis XIV auch durch die folgenden Songs: "Finding out true love is blind" etwa, mit dem sie zuhause in California den Durchbruch im Radio schafften. Oder "Paper Doll", die Single mit Musikvideo, das von sagen-wir-mal Art-Porn-Regisseur Eon McKai produziert wurde und die trotz Bett-Geschichten nicht richtig aus dem Quark kommt. Dabei aber leider keine Sekunde langweilig wird. "A letter to Dominique" könnte man fast als R'n'R-Ballade bezeichnen, wird Hill doch tatkräftig durch jede Menge 60s-Pop-Anleihen, Chor-Gesang, Violinen-Präsenz und die Zucker-Stimme von Lindsey Troy unterstützt.

l4

Abgesehen vom ruhig-melancholischen "All The Little Pieces" und dem violinen-durchzogenen episch langen "Ball Of Twine" bringt "The Best Little Secrets Are Kept" gut auf den Punkt, was die frühen Stones, T-Rex und sowieso alle bedeutenden Gitarren-Bands von der Insel in den vergangenen 40 Jahren vorgelegt haben. Wilde Klauereien, die Dank guter Verpackung aber denoch frisch klingen. Das unterstreicht auch ein nettes Zitat, welches ein anderer französischer Staatsmann einige Jahre nach Louis XIV so formulierte: "Wenn man Dummheiten macht, sollten sie wenigstens gelingen!"
(Napoléon Bonaparte)
It's the rock'n'roll-something, stupid! Gute Dummheiten. Gelungen. Punkt.


tracklisting
01. Louis XIV [mp3-file/3,8 mb]
02. Finding Out True Love Is Blind [quicktime-file/video/stream]
03. Paper Doll [quicktime-file/video/20,9 mb]
louis xiv - the best little secrets are kept 04. God Killed the Queen [mp3-file/2,7 mb]
05. Letter to Dominique
06. Illegal Tender
07. Pledge of Allegiance
08. Hey Teacher
09. All the Little Pieces
10. Ball of Twine

mehr infos:
3 1/2 out of 5 louis xiv - the best little secrets are kept VÖ: 15.03.2005
>> louis xiv
>> pineapple recording group
>> atlantic records
>> louis xiv - the best little secrets are kept - albumstream [flash/stream]
>> louis xiv - tblsak e-card [flash]
>> louis xiv - paper doll [quicktime-file/video/stream]
>> louis xiv - videos [quicktime-file/real.media-file/wmv/video/stream]

Dienstag, 7. Juni 2005

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kou1

Kaufentscheidungen fallen bei mir in den ersten Sekunden. Kein Scherz! Beim schmökern im Plattengeschäft reichen mir meistens 30 Sekunden aus, um einige Minuten später mit oder ohne Platte am Tresen zu stehen. Anektdotentime, Baby!

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Vor drei Jahren fingerte ich im Indie-Pop-Fach herum. Schlecht sortiert, wenn man Ausflüge Richtung Hard-/Emocore in diesem Schuber mit berücksichtigt. Und dann diese Platte, deren Musiker auf dem Artwork trotz inszenierter Coolness so handzahm aussahen: Ernst dreinblickend, düster abfotografiert, gepflegt gezottelte Seitenscheitel und in légeren Herrensakkos gekleidet. 30 Sekunden später waren 12 Euro verplant.

kou3

Problem: Anderes Jahr, gleiches Phänomen! "Hard Times Are In Fashion" folgt dem scheinbaren Band-Credo vom schmetternd-mitreißenden Einstieg. "Why Bother At All" lege ich mal unter Pop der dringlichsten Art ab.

Mit den von Koufax gewohnt liebenswürdigen Piano-Arrangements, dezent plazierten Gitarren und einem Robert Suchan, der seine Stimme abends – metaphorisch ausgedrückt - erst über ein Reibeisen und anschließend durch eine Schale feinstes Öl gleiten lässt. Daneben Downtempo-Balladen wie "Isabelle" - warnend vor dem Moloch Los Angeles - oder regierungskritische Anklagen wie "Blind Faith", welches den Zynismus gepachtet zu haben scheint. Elf mal kodierte Lebensabschnittsreflektion, die beim ersten Hören Weltschmerz suggeriert, im Ganzen und Speziellen – "Trouble Will Find You" (!) - aber die Augen stets nach Vorne richtet.

kou4

Man beachte nur "A Sad Man's Face", das trotz leicht cheezy Gitarrensolo den Pop-Hook der großen Geste serviert. Koufax als Garant kontinuierlichen Songwritings mit allen legitimen Mitteln des Indie-Pop. Ich werde auch in Zukunft beinahe blind einkaufen können. Zumindest die Platten dieser Band.


tracklisting:
01. Why bother at all [mp3-file/4,4 mb]
02. Back and forth
03. Isabelle
koufax - hard times are in fashion koufax - ehy bother at all [ep] 04. Blind faith
05. Get us sober
06. Five years of madness
07. Trouble will find you
08. Stephen James
09. A sad man's face
10. Her laughter
11. Colour canadian

mehr infos:
3 1/2 out of 5 koufax - why brothers at all [ep] VÖ: 02.05.2005
koufax - hard times are in fashion VÖ: 30.05.2005
>> koufax
>> deutsche koufax-homepage
>> koufax @ myspace
>> motor music
>> vagrant records
>> doghouse records
>> jvc records
>> koufax - why bother at all [real.media-file/video/stream]
>> koufax - several streams [mp3-file/stream]


lies den gesammelten wahnsinn auf spex.de

Donnerstag, 26. Mai 2005

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Gezeitenwandel. Aufgewühlte See. Ruhiger Wellengang. Tief rot gefärbte Sonnenuntergangsszenarien. Was wie ein romantisierender Jacques Cousteau auf Landurlaub klingt, ist in Wahrheit eher die adäquate Verbildlichung von "Before The Dawn Heals Us". Der musikalische Meilenstein, der zu setzen nötig gewesen schien. Bombast mit Plüsch im Granitkorsett.

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Weitläufige Klanglandschaften, die ein sich-Verlieren in selbigen schon von Weitem signalisieren. Anthony Gonzalez manifestiert auf "Before The Dawn Heals Us" das Jetzt für die Zukunft. Zeichnet weiche chorale Ewigkeiten und verwischt selbige mit schmierig-dick aufgetragenem Synthesizer-Bombast, reiht Gitarren-Arrangements mit "Daydream Nation"-Reminiszenzen auf und begräbt dies alles unter einem Berg Weite. Dazu kommt ein Rundumschlag durch die (Un-)Tiefen des experimentellen Post-Post-Rock, Richtung Mogwai, Boards Of Canada und Múm.

m83_3

Nach "Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts" hat Gonzalez den Arbeitsprozess hinter dem Pseudonym "M83" auf den Singular herunterdefiniert, statt seines Partners Nicolas Fromageau übernahm Yann Gonzalez - Anthony's Bruder - Teile der Text-Produktion. Und so verschmelzen die Gonzalez zum Beispiel in "Car Chase Terror!" die Genregrenzen zwischen Hörspiel und Musik, machen den Angstschweiß auf Kate Moran's Stirn hörbar. "Before The Dawn Heals Us" wimmelt nur so vor Atmosphäre: Euphorisierend, bedrückend und teilweise auch langatmig. Und dabei ist es am Ende doch der Hörer, dem die Luft fehlt. Die private Fantasie von der Weltuntergangsmaschine hat sich zerschlagen. Nach M83 kann nichts mehr kommen.


tracklisting:
01 Moonchild
02 Don't Save us From the Flames [real.media-file/video/stream]
03 In the Cold I'm Standing
04 Farewell / Goodbye
05 Fields, Shorelines and Hunters
06 *
07 I Guess I'm Floating
m83 - before the dawn heals us m83 - don't save us from the flames [single] 08 Teen Angst
09 Can't Stop
10 Safe
11 Let Men Burn Stars
12 Car Chase Terror!
13 Slight Night Shiver
14 A Guitar and a Heart
15 Lower Your Eyelids to Die with the Sun

mehr infos:
4 1/2 out of 5 m83 - before the dawn heals us VÖ: 23.05.05
>> m83
>> labels
>> gooom
>> m83 - before the dawn heals us [albumstream/flash]
>> radio m83 [flash]
>> m83 live @ morning becomes eclectic / 03.05.05 [real.media-file/stream]
>> m83 live @ morning becomes eclectic / 03.05.05 [real.media-file/video/stream]


lies den gesammelten wahnsinn in spex #288 06/2005

Freitag, 20. Mai 2005

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mt1

Vor etwas mehr als einem Jahr war ich zum letzten Mal mit dieser Stimme konfrontiert. Der Abend ist mir noch gut im Gedächtnis: Es war ein langer Tag. Ein anstrengender Tag. Im Anschluss daran stand eine Überredung zum Azure Ray-Konzert. An diesem Abend konnte ich nicht so wie ich eigentlich hätte wollen. Die Musik von Orenda Fink und Maria Taylor als Azure Ray war unglaublich. Jedenfalls auf dem Album. "Hold On Love" wirkte einlullend und versetzte mich in eine merkwürdige Lethargie. Ich hörte zu, blinzelte, nickte, überdachte. Ließ wirken.

mt2

Etwas mehr als ein Jahr später bin ich wieder mit Azure Ray konfrontiert, dieses mal jedoch nur mit Maria Taylor, die Freundin von Conor Oberst (Orenda Fink hingegen ist mittlerweile mit Todd Baechle verheiratet). Dieses "nur" aus dem vorhergehenden Satz sollte man allerdings keineswegs verniedlichend verstehen. Maria Taylor präsentiert sich auf ihrem Solo-Debut "11:11" gereifter denn je. Ihre stellenweise süsslich-heisere Stimme schmiegt sich hervorragend in die abwechslungsreich arrangierten Songs ein. Je nach Notwendigkeit: Leise. Privat. Minimal. Laut. Durchdringend. Bezaubernd.

mt3

Und auch musikalisch hat Maria Abwechslungsreichtum zu bieten: Dezente Akustik-Gitarren-Arrangements dominieren "11:11", die Taylor selbst einspielte. Daneben präsentiert sie sich auch als Multi-Instrumentalistin, das (E-)Piano und die Drums hat sie ebenfalls größtenteils eingespielt. Neben ihr verrät das Tracklisting auch viele andere bekannte Namen: Neben Conor Oberst hat auch der Produzent der Platte und ebenfalls Bright Eyes-Mitglied Mike Mogis stark an den Arrangements mitgearbeitet. Das stark synthie-lastige und an The Faint erinnernde "One For The Shareholder" hat er beispielsweise komplett alleine programmiert und die dazugehörige Akustikgitarre eingespielt. Produziert wurde wie gehabt größtenteils im Hauseigenen Presto!-Studio. Daneben half Gretta Cohn von Cursive bei einigen Songs mit dem Cello aus, Andy LeMaster von den Chase Park Transduction Studios und genau wie Maria Taylor Now It's Overhead-Mitglied produzierte und mixte neben Mogis den anderen Teil des Albums. Bei diesem ganzen Name-Dropping ist die Richtung natürlich klar: Saddle-Creek Records und die damit zusammenhängende Vermischung von Folk, Pop, Indie und Elektronik.

mt4

Und so präsentiert sich "11:11" auch. Als bezaubernd schöne Berg- und Talfahrt der Gefühle, nie in laute Ausbrüche gipfelnd, immer getragen von bedachten Klangakzenten. Ein Album dem zugehört werden möchte. Das für rund 40 Minuten die Sorgen der Welt auf sich projeziert.


tracklisting:
01 Leap Year
02 Song Beneath the Song [mp3-file]
03 Two of Those Two [mp3-file]
mtcover 04 Nature Song
05 Light House
06 One of the Shareholder
07 Xanax
08 Birmingham 1982
09 Speak Easy [mp3-file]
10 Hitched

mehr infos:
3 out of 5 maria taylor - 11:11 VÖ: 23.05.05
>> maria taylor
>> saddle-creek records
>> indigo distribution
>> 2 for the road
>> azure ray
>> now it's overhead
>> maria taylor live @ morning becomes eclectic / 05.05.05 [real.media-file/stream]
>> maria taylor live @ morning becomes eclectic / 05.05.05 [real.media-file/video/stream]

maria taylor auf tour:
26.05. Hamburg - Weltbühne
31.05. Berlin - Knaack
01.06. Dresden - Scheune
02.06. Frankfurt - Dreikönigskeller
03.06. Bremen - Römer
04.06. Köln - Blue Shell (Festival der Schwedisch-Amerikanischen Freundschaft mit Las Puertas, Torpedo, Firefox & Statistics)
05.06. München - Orange House
06.06. A-Wien - Chelsea

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Erstaunlich, was für eine Entwicklung diese Jungs hinter sich haben! So jung, so unbedarft, so talentiert, so hungrig. Vom leicht belächelten Kölner Zuckerpop-Nachwuchsact zum Lado-Darling bis hin zu einem Tour-Support für die "20 Years Of Indie Cult"-Tour von mittlerweile Label-Kollege Phillip Boa & The Voodoo Club" sowie einigen weiteren Shows mit Graham Coxon (!).

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Und bis hier hin wurde über die Produktionsmöglichkeiten für das erste Album der fünf sympathischen Kölner noch gar nichts erwähnt. Machen wir es kurz und klangvoll: Mastering in den Londoner Abbey Road Studios (The Beatles!), produziert von Phil Vinall (Placebo! Deus! Snow Patrol! Pulp! Radiohead!), Artwork von Klaus Cornfield (Fou-Fou & Ha-Ha! Katze! Stickman Records!) und ein Videodreh zu "Miss Murray" zusammen mit Bill Murray (Bill Murray!) (edit: "es gibt kein video mit bill murray. das war nur ne spinnerei von den jungs."). Geht das noch? Wo gehen die noch hin? Kürzlich erst waren Timid Tiger Platte des Tages bei BBC6 und - Hallo - das will doch wirklich was heißen. Von Köln durch Deutschland auf die Insel und von da in die ganze Welt. Das ist die Richtung, die ich dieser Band gönnen würde!

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Der Release mit einem Bombensommer to come steht nun also an und mit "Bombensommer" sind die Koordinaten eigentlich schon abgesteckt: Timid Tiger funktionieren auf "Timid Tiger & A Pile Of Pipers" als eingängige Gute-Laune-Pop-Maschine, glänzen mit Synth-Pop-Melodien, pfeifen freudig ins Mikro und stolpern dann abends in die Indie-Disko, um die verklemmten Studenten das Tanzen zu lehren.
"Hitdichte" würde man das wohl an anderer Stelle nennen, ich nenne das Kontinuität und Songwriting-Talent. Diese Band muss allerdings auch der Albtraum aller Mütter schöner Mädchen dieser Welt sein. Timid Tiger nur "süß" zu nenen wäre falsch weil unwahr. "Clever" ist da treffender, "sympathisch" und vielleicht noch "unschuldig". Naja, egal. Ich habe aus irgendeinem Grund das Kindchen-Schema vor Augen, aber das kann auch am Logo-Tiger liegen.

Der erste Eindruck soll ja ein wichtiger sein und der wäre dann mit "Combat Songs & Traffic Fights" ein guter! Keshav ist über die zeit hörbar gewachsen, sein Gesang ist kehliger und doch melodischer. Und "deutsch" dem Klischee nach klingt das hier auch nicht. By the way: Wie cool ist bitte diese Orgel? Dann Karibikflair mit Steel-Drum in "Loveboat". So ein Schultern-Links-Rechts-Wipp-Song, bei dem nach 30 Sekunden auch die Hüften und mehr mitgehen. Klatschen, yay! "Ladybirds & Ladyboys" scheint der Versuch einer Ballade zu sein, etwas viel Zuckerpop und Zauberwolle, aber das sieht man gerne nach. "Mississippi Dream" geht mit Klavier und Gitarre steil, "Miss Murray" ist mit den hüpfenden Piano-Arrangements die Hymne (Jawohl, der Disko-H-i-t!), klingt allerdings ein wenig glattpolierter als noch auf der "Miss Murray"-Single. "Honolulu Beach Nights" hat dann fast etwas Miami Bass bzw. Disco zu bieten (Steeldrum & Percussions once again), "Pretty Saphire Cat" klingt nach The Faint mit mehr Pop und "Ladybirds & Ladygirls" müßte ich mal schnell zitieren: "[...] Beat it on, Beat it on, you are my Beatles-song, i am your ladybird, you're my ladygirl [...]"

tt3

Das alles zwischen den Stichwortgebenden Kollegen. Um in der Namensvettern-Ecke zu bleiben: Timid Tiger vereinen auf "Timid Tiger & A Pile Of Pipers" die Spritzigkeit und den Humor der Tiger Tunes, die stellenweise großartigen Melodien von Tiger Lou, den Indie-Charme von Le Tigre und dabei auch die Rock'n'Roll-Attitüde von Tigerbeat. Aber lasst uns nicht über Namen streiten.

Ich bin mir sicher: Diese Platte wird die Lager einen. Wenn auch nur für einen Moment. Spaß und Eingängigkeit sind hier die Parolen, das dürften auch die Brigitte-Leserinnen verstehen. Aber nur groß für einen Sommer? Nein! Ich wage mich auf sommerlich dünnes Eis und prognostiziere: die nächste Platte wird anders! Ganz anders. Diese fünf Jungs haben das Zeug zur ganz großen Band.


tracklisting:
01 Combat Songs & Traffic Fights
02 Honolulu Beach Knights
03 Tiger Is Not A Bird
04 Mississippi Dream
05 Ladybirds & Ladyboys
timid tiger - & a pile of pipers 06 Loveboat
07 Miss Robot
08 Mawbey House
09 Miss Murray
10 Pretty Saphire Cat
11 Foxy End
12 Ladybirds & Ladygirls

mehr infos:
4 out of 5 timid tiger - & a pile of pipers VÖ:23.05.05
>> timid tiger
>> lado/l'age d'or
>> highcat records
>> rough trade distribution
>> timid tiger - albumstream [real.media-file/stream]
>> timid tiger - combat songs and traffic fights [quicktime-file/video/4,3 mb]

timid tiger auf tour:
27.05. Neustrelitz - Immergut Festival
25.06. Hoyerswerda - Popularia Festival
15.07. Ulm - Obstwiesenfestival
16.07. Dresden - Mikwausch Festival
29.07. Limburg - Out Of ordinary Festival
30.07. Hermaringen - Stonedwall Festival
05.08. Trebur - Trebur Open Air

Sonntag, 1. Mai 2005

...

ld1

Kollektiv / Firma. Kunst. Musik. Video. Installationen. Miami. New York City. So leicht kann man es sich machen, wenn man Künstler betrachtet. Die Hard-Facts bekommt man ja sowieso überall präsentiert, eine kurze Frage im Netz genügt: Nahezu jeder Text zu Lansing-Dreiden - dem "mysteriösen Kollektiv" - verliert sich nach spätestens drei Zeilen im Abklatsch der Promo-Info. Warum? Genau! Warum sollte man sich die Mühe machen, sich mit Zitaten der Popgeschichte zwischen "Sgt. Pepper's..." und "The Dark Side Of The Moon" auseinander zu setzen. Oder die Verflechtungen zwischen (progressivem) Gitarrenrock und den Synthie-Arrangements Englands Anfang der 1980er aufzudröseln.
Weil das die Arbeit einfach wert ist? Noch niemand auf diese Idee gekommen?

ld2

Lansing-Dreiden bewegen sich auf "The Incomplete Triangle" zwischen gerade genannten Polen. Für den Hörer eine Herausforderung, verschwimmen die Genregrenzen doch weniger innerhalb der einzelnen Stücke, sondern vielmehr im konzeptionellen Aufbau des Albums. Eine Aneinanderreihung von Zitaten - oder Klischees, wenn man so mag – die zeitweilig zäh wirkt. Wenn das Album nach Rock'n'Roll-Erinnerungen zu Beginn langsam in den betont sphärischen Mittelbau übergleitet, wenn auf einmal der Hall-Effekt bis zur Unerträglichkeit ausgereizt wird um im Anschluss daran in den Tiefen der frühen 80er Elektronik-/Synthie-Experimente anzukommen, dann ist "The Incomplete Triangle" im ersten Eindruck gescheitert.

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Solche musikalischen Wandelhallen liesse man ansonsten nur Beck Hansen durchgehen, und selbst der hätte dieses krude Genre-Hopping aus Rock, Pop und Elektronik sicherlich anders verpackt. Aber wieso eigentlich nicht? Widerspricht eine simple Schubladisierung auf der einen, und die absolute musikalische Eigenständigkeit als Kontrast auf der anderen Seite nicht völlig der Idee, die hinter dem künstlerischen Akt steckt?

ld4

Hatte Costello am Ende doch Recht, als er im Oktober 1983 das Credo für die Indie-Szene formulierte? Sind zum Beispiel Lansing-Dreiden's "The Eternal Life", "A Silent Agreement" und "Desert Lights" nicht vielleicht doch die Gebrauchs- bzw. Leseanleitung für die Popkulturgeschichte der vergangenen 50 Jahre? Um im Zitat zu bleiben: "Definetly, not maybe!" Oder noch besser so: "Das ist Kunst, Mann!"


tracklisting:
01 Metal On A Gun [mp3-file/stream]
02 The Eternal Lie
03 An Uncut Diamond [mp3-file/3,2 mb]
04 The Advancing Flags
05 The Missing Message
ld5 06 I Keep Everything
07 Laid In Stone [mp3-file/stream]
08 An Effect Of The Night
09 Glass Corridor [mp3-file/4,2 mb]
10 I.C.U. [mp3-file/stream]
11 Disenchanted
12 Desert Lights

mehr infos:
3 out of 5 lansing-dreiden - the incomplete triangle VÖ: 09.05.2005
>> lansing-dreiden
>> kemado records
>> rough trade distribution
>> palm pictures
>> girlie action
>> lansing-dreiden - locks in shadows [mp3-file]


mehr zum aktuellen heft auf spex.de

Freitag, 29. April 2005

...

lal1

Okay. Vorgestern sagte ich irgendwas von wegen "2005 wird Indie-Jahr! Versprochen!"
Irgendwie muss ich diese These untermauern. Was braucht man für ein Indie-Jahr 2005? Gute Bands! Klar. Gutes Wetter! Machbar. Tolle Alben! Sind auch drin. Diskografien! Bestimmt. Gitarren, Bass, Schlagzeug! Okay. Was noch? Orgeln und andere Tasteninstrumente? Stimmt. Texte, die etwas tiefer unter die Oberfläche gehen als - sagen wir mal - ein, zwei Zentimeter! Ja, genau das!

lal2

Aber hat man all diese Punkte abgehakt, steht man bereits vor dem nächsten Problem: Wie soll man bitte dieser Band mit oben genannten Kriterien gerecht werden, wenn man deren Diskografie gerade an einem Stück abzählen kann. Nämlich an dem, das gerade vor einem liegt? So wie es vermutlich 60 Prozent aller "Musikjournalisten" machen: Analysieren. Studieren. Improvisieren. Mutmaßen. Wie könnte diese Band sich bei Album Nr. 1 angehört haben? 1996, mit "The Greks Bring Gifts", wie ist die Veränderung zu heute? Nahezu unmöglich zu sagen. Zu viel!

"Laughter's Fifth". Der "Ist-Zustand" ist das fünfte Love As Laughter-Album. Und gleichzeitig die Zäsur nach knapp 10 Jahren Existenz des ursprünglich aus Olympia, Washington stammenden Trios. Das ist eine lange Zeit, um zu wachsen - und das gilt hier natürlich besonders für das musikalische Wachstum. So rumpelnd ihre Stücke teilweise klingen, so gereift wirken sie jedoch. Hier treffen Folk und Garage Rock aufeinander, blenden die Genregrenzen aus. In der einen Sekunde könnte man im Intro der Libertines stehen, im Anschluss daran schon in der ersten Reihe eines The Shins-Konzerts stehen. Hier hat niemand ein Lineal an die Songs angelegt, um mit einem scharfen Messer alle Ecken und Kanten zu entfernen.

lal3

An allen Stellen bemerkt man Hochs und Tiefs, aufflackernde Songwriting-Highlights und klassiche Indie-Rock-Schnitzer. Vor allem in "Every Midnight Song" wird dies so deutlich wie nirgends sonst auf dem Album: Ein ca. ein-minütiges, stilles Piano-/Orgel-/Bass-Intro, begleitet von der kehlig, kratzigen Melodiestimme von LAL-Sänger Sam Jayne. Bis das Schlagzeug einsetzt und sich der Song in klassische Indie-Rock-Strukturen hochschraubt. Zur Mitte nicht mehr gekünstelt ruhig, bei Minute 3:05 ist der Klimax erreicht und ab da - ab jetzt muss ich in den Indie-Jargon verfallen - schrammeln sich LAL scheinbar jeden Frust von der Seele. Ein ruhiges Outro mit Vocal-Solo, that's it.

Oder "Canal Street": Der ruhige Indie-Pop-Song mit beharrlichem Bass-Riff, aufdringlich monotonem Orgel-Spiel und schepperndem Outro. Und dazu diese Texte: "You need gags, You need jokes, you need cars for your spokes, you need all the bling-bling, that your money can bring. Bring in: I got it on canal street. You need thongs, you need bums, you need 50 cent songs and you think that your mom needs some Louis Vuitton, Yeah! I got it on canal street... [...]"

lal4

Überall auf "Laughter's Fifth" findet man diese Unreinheiten: Stolpersteine noch und nöcher, die man allerdings weniger als fehlendes Handwerk, sondern eher als geschickte Abhebung von der Masse bezeichnen sollte. Und dann "Pulsar Radio": Der Waschzettel sagt, der Song sei "fast eine Dekade alt". Würde das nicht dort stehen, dann würde mir als erstes "Lua" dazu in den Kopf schießen. Jedenfalls, was die Arrangements betrifft. Eine ausbordende Klangdecke legt sich über den Himmel, "[...] dancing to the pulsar radio [...]"
Pauschalisieren lassen sich Sam Jayne, Brandon Angle und Zeke Howard jedenfalls nicht.

Was muss ich noch schreiben, um ihnen diese Platte zu verkaufen? Soll ich etwa die Zusammenarbeit Jayne's mit Beck an "One Foot in the Grave" erwähnen? Oder den Saturday Night Live-Auftritt zusammen mit Modest Mouse? Oder den Auftritt während dem von genau diesen kuratierten All Tomorrow Festival zusammen mit Mogwai, Spoon, The Black Heart Procession und Wolf Parade?

lal5

"Laughter's Fifth" ist klassisches Indie-Rock-Erbe, Kurzweil, Mehrwert, Langzeitbeschäftigung, hässlich und schön. Ganz nach Blickwinkel.


tracklisting:
01 In Amber
02 I Won't Hurt You
03 Idol Worship! Idol Worship!
04 "Survivors"
love as laughter - laughters fifth 05 Every Midnight Song
06 Dirty Lives [mp3-file/3,6 mb]
07 I'm a Ghost
08 Canal Street
09 Pulsar Radio
10 Corona Extra
11 Makeshift Heart

mehr infos:
3 1/2 out of 5 love as laughter - laughter's fifth VÖ: 02.05.2005
>> love as laughter
>> love as laughter - sub pop album page (inkl. album stream/flash)
>> sub pop records
>> k records
>> cargo distribution
>> love as laughter @ club deville's, austin/texas (18.03.2000) [real.media-file/video/stream]


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

"blogging for compliments" is the personal weblog by waldar. the posts in this weblog may contain links to music i love. if you feel your copyrights harmed, please email me and the link will be removed immediatelly. this is about love towards music. buy the records at amazon or even better: at the small indie-record-store in your town!

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Son, Ambulance – And
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17. Jul, 19:07
Son, Ambulance – Constellations
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17. Jul, 19:03
Son, Ambulance – Yesterday Morning
http://www.last.fm/music/S on%2C+Ambulance
17. Jul, 18:56
Son, Ambulance – Horizons
http://www.last.fm/music/S on%2C+Ambulance
17. Jul, 18:53
















18.01. puppetmastaz.gbd 9
20.01. hubert fichte.elektra
21.01. mahatma hitler.kunstwerk
21.01. erlend oye.alte bundesbahndirektion
24.01. art brut / the chalets.stollwerck
31.01. goldrush.blue shell
06.02. test icicles.gbd9
08.02. sunn o))).gbd 9
13.02. death cab for cutie / john vanderslice.lmh
14.02. arab strap.gbd 9
16.02. die sterne.gbd 9
17.02. clap your hands say yeah.gbd 9
04.03. arctic monkeys.stollwerck
08.05. motorpsycho.lmh


 


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den beitrag, der...
den beitrag, der eine ganze weile an dieser stelle...
waldar - 19. Mai, 23:06
hinweis an die verbrauchergeneration
sehr geehrte damen und herren, sie haben das mitbekommen:...
waldar - 19. Mai, 23:00
Köln Campus
ich wusste jetzt nicht, wo ich reinschreiben sollte.....
Eggi - 6. Apr, 11:53
mach doch nen neuen,...
mach doch nen neuen, kostenlosen blog auf. Ich vermiss...
monologe - 26. Feb, 17:59
na
wegen zeitmangel musste ich mich kurzfassen ;)
ZuN - 9. Feb, 14:32


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