der standort *
ich kann mich noch relativ gut an dieses eine gespräch auf einer party vor rund zwei jahren erinnern. solche gespräche beginnen immer ganz harmlos. irgendwo im flur, zwischen zwei und drei uhr. meistens ist man schon zu betrunken, man sollte vielleicht gehen, aber man klammert sich an flasche und gespräch mit fremden fest. dieses gespräch war genau so eines und fand unter ganz normalen vorzeichen statt: zufällige (oder gewollte, so genau kann ich das dann doch nicht mehr sagen) gesprächsaufnahme, austausch von basisinformationen, festbeißen auf einem thema und eskalation.
eskalation im sinne eines lagerspaltenden themas. in diesem fall war es das der nation. und der auslöser war ein geldbeutel. schwarz-rot-gelbes leder. den kommentar ob der hässlichkeit dieses geldbeutelskonnte wollte ich mir dann doch nicht verkneifen.
solche gespräche entgleiten einem immer sehr schnell. was für ein problem ich denn damit habe? naja, wieso müsse man sich denn nationalbeflaggen? weil der geldbeutel nun mal ganz schick sei und das wäre ja bitteschön auch nicht mein problem.
ein wort führt zum nächsten und schließlich endet man bei debatten über nationalitätsangaben im personalausweis und wird nach dem hinweis, die zugehörigkeit zu einer bzw. der begriff an sich "nation" sei für einen selbst absolut irrelevant und man fühle sich selbst in ertser linie als individuum oder so, mit einem abfällig inhaltsleeren blick und einem süffisanten kommentar als sowieso total daneben abgestempelt.
dabei ist der gedanke doch so abwegig nicht. oder?
2005 ist zwar auch vieles immer noch richtig mies: arbeitslosigkeit, sozialsystem-umbau und zu allem überfluss machen "uns" auch noch die russen den urlaub kaputt.
aber abseits davon herrscht in deutschland aufbruchstimmung. irgendwo hin, das ziel ist noch nicht ganz klar. aber dass sich was bewegen muss, darin sind sich mittlerweile alle so richtig einig. die politik der mitte hat die gesellschaftliche mitte längst erreicht. und wenn es nicht die mitte selbst ist, dann doch wenigstens deren politik, agenda oder nennen wir es einfach botschaft: ohne bewegung wird aus "uns" nichts mehr.
und noch eines ist längst wieder usus: das große "wir".
bizarrer noch: während die gesellschaft beinahe von alleine verzicht übt, hilft die popkultur von alleine nach. von kritik kaum eine spur. statt dessen wird ein neues bild von deutschland beschworen, besser noch: besungen. aufbruch in eine neue zeit, in ein neues selbstbewusstsein, das zumindest die jugend von den real existierenden problemen ablenkt.
kompilationen, kleidung, kodes, um mal eine kleine alliteration zu hilfe zu nehmen und meine oben erwähnte erinnerung noch einmal aufleben zu lassen. das thema "deutschland" ist hip, sowohl in der vermeintlich linken als auch traditionell in der rechten. nein, das thema "deutschland" ist nicht hip. es ist normal. die nation als neues identifikationsmerkmal: wenn sowieso alles schlecht ist, dann kann man wenigstens dazu stehen. und wer kennt nicht die phrasen von mitmenschen, der holocaust sei medial als auch pädagogisch "überabgearbeitet" und die ständigen hitler-dokumentationen würden langsam anstrengend werden. als amerikaner schäme man sich ja auch nicht für seinen patriotimus. oder als franzose halte man doch auch selbstbewusst die trikolore hoch.
dann mehren sich plötzlich zum wiederholten male stimmen zur (deutschsprachigen) radioquote, zu mehr mut "zum deutschen text im lied" (nachdem das marketing-potential dahinter verstanden und ausgerechnet ist) und dann malt man sich nationalflaggen auf den rucksack oder singt besser noch darüber.
ich kann nur zustimmen:
i can't relax in deutschland - buch und cd-sampler, ab dem 29. august 2005 via unterm durchschnitt records im handel. mehr zu buch, sampler, projekt und motivation dahinter heute abend live auf kölncampus. im gespräch: marvin alster, mitarbeiter des leipziger jugendkulturzentrums conne island und maßgeblicher mitarbeiter an "i can't relax in deutschland".
* keine anzeige
eskalation im sinne eines lagerspaltenden themas. in diesem fall war es das der nation. und der auslöser war ein geldbeutel. schwarz-rot-gelbes leder. den kommentar ob der hässlichkeit dieses geldbeutels
solche gespräche entgleiten einem immer sehr schnell. was für ein problem ich denn damit habe? naja, wieso müsse man sich denn nationalbeflaggen? weil der geldbeutel nun mal ganz schick sei und das wäre ja bitteschön auch nicht mein problem.
ein wort führt zum nächsten und schließlich endet man bei debatten über nationalitätsangaben im personalausweis und wird nach dem hinweis, die zugehörigkeit zu einer bzw. der begriff an sich "nation" sei für einen selbst absolut irrelevant und man fühle sich selbst in ertser linie als individuum oder so, mit einem abfällig inhaltsleeren blick und einem süffisanten kommentar als sowieso total daneben abgestempelt.
dabei ist der gedanke doch so abwegig nicht. oder?

2005 ist zwar auch vieles immer noch richtig mies: arbeitslosigkeit, sozialsystem-umbau und zu allem überfluss machen "uns" auch noch die russen den urlaub kaputt.
aber abseits davon herrscht in deutschland aufbruchstimmung. irgendwo hin, das ziel ist noch nicht ganz klar. aber dass sich was bewegen muss, darin sind sich mittlerweile alle so richtig einig. die politik der mitte hat die gesellschaftliche mitte längst erreicht. und wenn es nicht die mitte selbst ist, dann doch wenigstens deren politik, agenda oder nennen wir es einfach botschaft: ohne bewegung wird aus "uns" nichts mehr.
und noch eines ist längst wieder usus: das große "wir".

bizarrer noch: während die gesellschaft beinahe von alleine verzicht übt, hilft die popkultur von alleine nach. von kritik kaum eine spur. statt dessen wird ein neues bild von deutschland beschworen, besser noch: besungen. aufbruch in eine neue zeit, in ein neues selbstbewusstsein, das zumindest die jugend von den real existierenden problemen ablenkt.
kompilationen, kleidung, kodes, um mal eine kleine alliteration zu hilfe zu nehmen und meine oben erwähnte erinnerung noch einmal aufleben zu lassen. das thema "deutschland" ist hip, sowohl in der vermeintlich linken als auch traditionell in der rechten. nein, das thema "deutschland" ist nicht hip. es ist normal. die nation als neues identifikationsmerkmal: wenn sowieso alles schlecht ist, dann kann man wenigstens dazu stehen. und wer kennt nicht die phrasen von mitmenschen, der holocaust sei medial als auch pädagogisch "überabgearbeitet" und die ständigen hitler-dokumentationen würden langsam anstrengend werden. als amerikaner schäme man sich ja auch nicht für seinen patriotimus. oder als franzose halte man doch auch selbstbewusst die trikolore hoch.

dann mehren sich plötzlich zum wiederholten male stimmen zur (deutschsprachigen) radioquote, zu mehr mut "zum deutschen text im lied" (nachdem das marketing-potential dahinter verstanden und ausgerechnet ist) und dann malt man sich nationalflaggen auf den rucksack oder singt besser noch darüber.

ich kann nur zustimmen:

i can't relax in deutschland - buch und cd-sampler, ab dem 29. august 2005 via unterm durchschnitt records im handel. mehr zu buch, sampler, projekt und motivation dahinter heute abend live auf kölncampus. im gespräch: marvin alster, mitarbeiter des leipziger jugendkulturzentrums conne island und maßgeblicher mitarbeiter an "i can't relax in deutschland".
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waldar - 18. Aug, 12:49
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
ecco - 20. Aug, 16:27
komisch, ich kann weder einen 'deutschland ist wieder im kommen'-trend noch sonst eine tiefergehende beschäftigung mit dem thema irgendwo erkennen.
und die nach einem atemzug verstorbene (wirtschafts-)kampagne 'deutsche musik ins radio' taugt nun als beispiel schon gar nicht.
auch die hier beschworene 'ignoranz gegenüber eigener geschichte' trifft die gegenwart nun doch überhaupt nicht, im gegenteil, man möchte manch befreundeter nation ein so resigniertes/reserviertes verhältnis zum nationenpathos wünschen, wie wir deutschen es seit jahrzehnten praktizieren.
ich finde deutschland super, weil ich hier zu hause bin. ich finde aber auch österreich, holland und italien super und aus england kommt seit jahrzehnten die beste musik.
ich kann hier kein problem erkennen.
das ganze kommt mir extrem an den haaren herbeigezogen vor...
denkt sich jedenfalls
ecco
und die nach einem atemzug verstorbene (wirtschafts-)kampagne 'deutsche musik ins radio' taugt nun als beispiel schon gar nicht.
auch die hier beschworene 'ignoranz gegenüber eigener geschichte' trifft die gegenwart nun doch überhaupt nicht, im gegenteil, man möchte manch befreundeter nation ein so resigniertes/reserviertes verhältnis zum nationenpathos wünschen, wie wir deutschen es seit jahrzehnten praktizieren.
ich finde deutschland super, weil ich hier zu hause bin. ich finde aber auch österreich, holland und italien super und aus england kommt seit jahrzehnten die beste musik.
ich kann hier kein problem erkennen.
das ganze kommt mir extrem an den haaren herbeigezogen vor...
denkt sich jedenfalls
ecco
waldar - 22. Aug, 15:53
naja. wenn man sich in den letzten tagen in köln bewegt hat, dann wirkt zumindest das fahnenbewusstsein ziemlich deutlich. da stellt sich die jugend der welt unter das zeichen gottes, hält aber alle nase lang nationalbeflaggung in die luft. aber okay, jedem das seine.
neues nationalverständnis aber, das kann man zum beispiel in der aktuellen ausgabe der neon nachvollziehen. eine repräsentative umfrage unter den 18-30 jährigen aus deutschland, die zwar nicht alles, aber vieles von mir geäußerte stützt. ich wünsche übrigens gar niemand ein "solch reserviertes verständnis" zum nationenpathos, weil der begriff nation an sich in einem globalen kontext eben eigentlich so uninteressant ist. ich will auch niemand die immerwährende demutshaltung vorwerfen, aber nationalismus fußt eben auch auf "gesundem patriotismus", und den sehe ich in deutschland (als auch vielen anderen europäischen ländern) durchaus erfüllt.
aber wie das mit vom arbeitsplatz aus geführten debatten so ist: die muss ich leider auf später verlagern.
neues nationalverständnis aber, das kann man zum beispiel in der aktuellen ausgabe der neon nachvollziehen. eine repräsentative umfrage unter den 18-30 jährigen aus deutschland, die zwar nicht alles, aber vieles von mir geäußerte stützt. ich wünsche übrigens gar niemand ein "solch reserviertes verständnis" zum nationenpathos, weil der begriff nation an sich in einem globalen kontext eben eigentlich so uninteressant ist. ich will auch niemand die immerwährende demutshaltung vorwerfen, aber nationalismus fußt eben auch auf "gesundem patriotismus", und den sehe ich in deutschland (als auch vielen anderen europäischen ländern) durchaus erfüllt.
aber wie das mit vom arbeitsplatz aus geführten debatten so ist: die muss ich leider auf später verlagern.



























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