...

1999. Schweden. Sävar. Pampa. Jakob Nyström, Jakob Moström, Mats Hammarström und das Geschwisterpaar Daniel and Anton Berglund bearbeiten ein 8-Spur-Aufnahmegerät mit ihrer Musik. Daraus resultieren bis 2003 ein Plattenvertrag bei Stickman Records, verschiedene 7-Inches und EPs sowie zwei Alben. Und wo bleibt die Geschichte? Die kam so plötzlich, dass Freunde, Verwandte und selbst Arbeitgeber uninformiert blieben. 2004 galten die fünf als verschollen. Telefonanrufe gingen ins Leere, ein Moped verschwand vor einem Appartment, die Instrumente im Proberaum waren weg und der Arbeitgeber Nystöm's konnte lediglich von einer Bitte um Beurlaubung sprechen. Nach vier Wochen tauchte dann Daniel Berglund - der Drummer der Band - auf, um müde und ausgelaugt wirkend Tischtennisbälle kaufen zu wollen. Er sagte seinen Freunden, man wohne zur Zeit in einem verlassenen Schulgebäude bei Aträsk, habe die Namen zugunsten von Nummern getauscht und arbeite täglich bis zu 15 Stunden an neuen Stücken. Katzenwäsche mit dem Gartenschlauch. Mit Krähen und Ratten bevölkerte Müllhaufen. Tischtennis und "billiger deutscher Whiskey" als einziger Bezug zur reellen Welt. Klingt nach gelebtem Rock'n'Roll. Oder vielleicht doch nicht? Wollte man seinem Namen gerecht werden? Isolation Years. Wieviel dieser Geschichte wahr ist, darf jeder für sich entscheiden. Die dort entstandene Musik jedenfalls spricht Bände.

Wenn man eines aus den vergangenen Jahren gelernt hat, dann, dass Skandinavien ein unerträglicher Ort sein muss, an dem man nur gute Musik machen kann, um den ganzen Elend zu entfliehen. Das ist natürlich ein wenig persifliert, aber betrachtet man z.B. schwedische Musiker wie die von Logh, Anders Wendin von Moneybrother, Kristofer Åström, Rasmus Kellermann alias Tiger Lou oder den ehemaligen Refused-Sänger und jetzigen T(I)NC-Frontmann Dennis Lyxzen mit seinem Seitenprojekt The Lost Patrol, dann drängt sich der Eindruck förmlich auf, dass das Land vor allem abseits des gängigen Rock-Klischees musikalisch aufblüht. Warmherziger Folk-Pop mit abwechslungsreicher Instrumentierung, genau daran haben sich auch Isolation Years mit ihrem Album "Cover the Distance" orientiert. Die Verarbeitung von Erinnerungen, Einsamkeit und Melancholie in hoffnungsspendenen, zuweilen stürmischen Melodien. Immer wieder von kleinen und großen Glaubensbekundungen durchzogen, Erzählungen statt Predigten. Gefärbt sind diese Songs von den alten Zeiten, als die beiden Berglunds - Daniel and Anton - mit ihrem Vater durch die Gemeinden reisten und in Kirchen spielten. Das krasse Gegenstück zu ihrer Vergangenheit in Pop- und Hardcore-Bands.
Durchgehend glänzen die zwölf Stücke mit kleinen Extra-Arrangements, wie etwa die Streicher in "Sightseeing Boat", die dezenten in Hall gekleideten Synthie-Klänge im Titelstück "Cover The Distance" oder die zusätzlichen Percussions im loungig angehauchten "Seasick". Große Pop-Momente ziehen sich durch dieses Stück Musik, flackern immer wieder auf, wie zum Beispiel in der bereits im letzten Jahr in Schweden veröffentlichten Single "Nurse Hands", dem betont ruhigen und mit bittersüßem Frauenchor versetzten "Michael (If You Cannot Row)", dem mit Akkordeon ausstaffierten und nach early 60ies-England-klingenden "You've Got Me Talking" oder eben dem hymnisch anmutenden "Cover The Distance". Isolation Years treffen den Übergang zwischen Winter und Frühling punktgenau. Die farbenfroheste Beklemmung mit Ausblick auf den Sommer. Ganz ohne cheezyness...
tracklisting:
01. Dyslexic
02. Nurse Hands
03. Look What I've Done
04. I Want To Grow
05. Michael(If You Cannot Row)
06. Yellow Cross On Blue
07. Seasick
08. Leaning
09. You've Got Me Talking
10. Moses
11. Sightseeing Boat
12. Cover The Distance
mehr infos:
isolation years - cover the distance VÖ: 04.04.2005
>> isolation years
>> stickman records
>> indigo distribution
isolation years auf tour:
27.04. hamburg - molotow
28.04. berlin - knaack
29.04. dresden - star club
30.04. magdeburg - projekt 7
01.05. bielefeld - forum
02.05. heidelberg - karlstorbahnhof
03.05. erlangen - e-werk




























Trackback URL:
http://waldar.twoday.net/stories/592858/modTrackback