Samstag, 5. März 2005

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Als ich vor rund zwei Jahren völlig aufgeheizt und entgeistert im Kölner Underground stand, das mittlerweile warmgehaltene Becks-Pils umklammernd und wie doof auf die Post-Punks von Radio 4 wartend, da hatte ich mich vorweg schon ein wenig verschossen.

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Auf der Bühne standen 5 junge Menschen. Gitarre. Bass. Schlagzeug. Soweit alles okay. Daneben standen einige Synthies und Effektgeräte. Auch nichts sonderlich spektakuläres, wenn man im Hinterkopf hatte, dass The Faint dieses Zeug ja schließlich Indie-Salon-fähig gemacht hatten. Aber dann war da zum Beispiel eine zierliche junge Frau namens Molly Schnick, mit langen dunklen Haaren, einem hageren Gesicht und einem Cello in der Hand. 40 Minuten später wartete ich noch stärker schwitzend weil vertanzt bzw. verbraucht auf Radio 4, aber am nächsten Tag stand ich im Plattenladen und kaufte die Split-EP von Out Hud mit !!!. Ganz in Neongelb und Violett gehalten. Und ab da hieß es dann warten. 2003 dann ein Lebenszeichen: Mit Street Dad erschien ihr erstes Album. Bis dahin hatte ich auch raus, dass sowohl Justin, Nick und Tyler von Out Hud auch bei !!! Musik machen. Von einer weiteren Tour dennoch nichts in Sicht. Aber dann...

2005 wird die Jahrescharts-Kiste sowieso wieder schwer genug. Und dann reichte mir Tobias einen fast sichern Anwärter auf die Spitzenplätze meines Ego-Wixings an die Hand: "Let Us Never Speak Of It Again".
Der Titel alleine macht schon kirre, hatte ich doch den reinen Instrumental-Gig von Out Hud im Hinterkopf. Keine Textbrocken auf den vergangenen Platten. Und jetzt auf einmal singen Molly Schnick und Phyllis Forbes. Bereichern die Musik von Out Hud um ein weiteres Instrument. Und machen deren Elektro-Funk-Punk noch feierbarer.

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"Moment mal, das Intro klingt aber gar nicht feierbar". Stimmt, das klingt elektrisch. Und das danach? Das klingt nach Pop. Und nach funky dreckigen Grooves. Das polternde Schlagzeug von der EP ist weg, ersetzt wurde es durch einen Drum-Computer. Rationalisierungs-Maßnahmen also auch in den USA, da könnte man auch gegen Hartz IV wettern. Das hat einen einfachen Grund: Tyler Pope hat die Band nach den Aufnahmen verlassen, da er nicht nur bei !!! Musik macht, sondern auch und besonders jetzt mit LCD Soundsystem um die Welt heizt. Außerdem hat man viel experimentiert in den 18 Monaten, die das Album brauchte um zu entstehen. Und so ist das Piano in "It's for You" an sich nicht nur grundsympathisch, es wird durch die dazugefügten Effekte von Justin Vandervolgen noch liebreizender. Und das ist eigentlich nicht nur in diesem Song so: Auch "One Life To Leave", "Old Nude" und "How Long" glänzen mit einer annehmbaren Spiellänge von um die 5 Minuten und einer durchgehenden Tanzbarkeit. Und dann gibt es während den einzelnen Songs immer wieder Passagen, in denen man als Hörer besonders süßen Zucker um die Ohren bekommt. Wie in "Old Nude": Nach knappe 3 Minuten kommt die Stelle mit dem unerträglich guten Hook, angenehm dezent, vom Cello umspielt. So lange, bis der Gesang wieder leise einsetzt. Fesselnd, kann ich da nur sagen...

Oder "A Trillion Watts", das die Textpassagen aus "Old Nude" zweitverwertet" und dafür während den knapp zwei Minuten ein mit Hall bedecktes Harfen-Spiel über des Hörers Ohren und Verstand fließen läßt, bevor die Brücke zu "Dear Mr. Bush, There Are Over 100 Words For Shit And Only One For Music. Fuck You, Out Hud" gebaut wird. Hier kommt ein anderer Aspekt des Albums zum tragen: Lange, gerade Instrumentalpassagen, immer Kopf-, Schulter-, Hüft- und Beinanregend und sich in sich selbst steigernd. Genau wie in "The Song So Good They Named It Thrice", der zu Beginn Erinnerungen an afrikanische Trommelmusik während Stammesritualen heraufruft, sich vom Cello aufgepeitscht immer weiter hochschraubt, um dann nach dem Breakdown-Part von vorne anzufangen. So lange wurde an den einzelnen Stücken bzw. deren Arrangements gearbeitet, dass die Titel nicht mehr wirklich greifen. Denn diese (und teilweise auch die Texte) sind vielmehr ein Abbild des "State of Minds" von Out Hud während des Entstehungsprozesses von "Let Us Never Speak Of It Again". Wie durch "Dear Mr. Bush..." angedeutete inhaltliche Grass-Roots-Arbeit wie bei "Stealing Of A Nation" der Kollegen von Radio 4 sucht man hier vergebens.
Noch so ein Ding, das während der langen Produtionszeit hinzukam, ist die Verwendung von vielen verschiedenen Klangpatterns, Instrumenten und Effekten. Hier kommt der Multi-Kulti-Effekt einer Stadt wie New York zum Tragen, wo man an der einen Ecke Fallafel in der Hand hat, an der nächsten in einem afrikanischen Plattenladen nach dem letzten Schrei aus Äthiopien sucht und zuhause mit den Mitbewohnern die Klassik- und House-Sender der Stadt hört.

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Worauf ich hinaus will dürfte mittlerweile klar sein: Out Hud sind längst nicht mehr dazu verdammt, im Schatten der großen Brüder des Big Apples zu stehen. Vielmehr ist mit "Let Us Never Speak Of It Again" endgültig die Zeit gekommen, aus selbigem hervor zu treten und einen eigenen Schatten zu werfen. Hoffentlich einen entsprechend langen...


tracklisting:
01 This Just In (intro)
02 It's For You
03 One Life to Leave (a requiem for a requiem - 12"-version) [mp3-file/7,2 mb]
04 Old Nude
out hud - one life to leave ( a requiem for a requiem) out hud - let us never speak of it again 05 The Song So Good They named it Thrice
06 How Long [mp3-file/6,8 mb]
07 2005: A Face Odyssey
08 A Trillion Watts
09 Dear Mr. Bush, There are over 100 words for shit and only 1 for Music. Fuck You, Out Hud
10 The Stoked American

mehr infos:
out hud - let us never speak of it again VÖ: 21.03.2005
>> out hud
>> kranky
>> !k7 records
>> rough trade
>> out hud - dad, there's a little phrase called too much information [mp3-file/6,9 mb]

out hud auf tour:
02.05. berlin - magnet
10.05. hamburg - tanzhalle
17.05. heidelberg - karlstorbahnhof
23.05. köln - studio 672
25.05. münchen - ampere
27.05. a-festival aerodrome

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Trackbacks zu diesem Beitrag

waldar.twoday.net - 15. Nov, 12:06

video_ out hud - it's for you

diese funksters von out hud wurden... [weiter]


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

"blogging for compliments" is the personal weblog by waldar. the posts in this weblog may contain links to music i love. if you feel your copyrights harmed, please email me and the link will be removed immediatelly. this is about love towards music. buy the records at amazon or even better: at the small indie-record-store in your town!

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