interpol / bloc party - köln - gloria - 26.11.04
"We're not going to the town. We're going to the city."Die ersten Worte des neuen Interpol-Albums "Antics" lauten jedenfalls so und was in "Next Exit" so prophetisch den neuen Sound von New York City ankündigt, ist auch der passende Titel für dieses Konzertreview.
Das Kölner Gloria ist zwar (noch) eines der eher seltener gebuchten Konzertvenues, aber es wirkt. Vor der Tür sieht man auch kurz vor halb Neun noch eine längere Schlange, dabei stehen hier nur Leute an, die bereits Karten besitzen. Für diejenigen, die das seit bereits über einem Monat ausverkaufte Konzert nicht besuchen konnten, sei schon einmal auf den April 2005 und das Nachholkonzert im E-Werk hingewiesen.
Auch im Inneren des Glroia stehen die wohl über 900 Besucher. Kurz nach halb Neun gehen die als Erben von Franz Ferdinand gehandelten Briten von Bloc Party auf die Bühne. Die vier Jungs geben bei ihrem ersten Deutschland-Gig überhaupt vor vollem Haus ihr Bestes, ein Sound zum Sahneschlecken hilft da noch ein bißchen. Der Umstand, dass bisher erst wenige ihre "Bloc Party EP" kennen bzw. Ihr Debut-Album "Silent Alarm" erst 2005 in Deutschland erscheint, ist dabei jedoch nicht allzu hilfreich. Eine gute halbe Stunde
versuchen sie alles, um die Halle für sich zu gewinnen. Man sollte nicht so weit gehen und die Formulierung "an den Erwartungen scheitern" aussprechen. Bloc Party geben im Gloria 100 Prozent und vielleicht noch mehr, aber das Interpol-Publikum ist davon leider nur zum Teil zu begeistern. So brauchen sie auch 15 Minuten um ihren Takt zu finden und sich auf die wartende Mehrheit einzuspielen. Zwischendurch immer wieder begeisterte Jubelschreie, gegen Ende gibt es durchaus auch mehr als nur Respekt zollenden Applaus.Aber man wartet auf Interpol.
Und wartet. Und wartet. Bis halb Zehn. Ab da kann man die Anspannung im Publikum spüren. Jeder wartet. Besonders deutlich wird das, wenn die Nebelmaschine Schwaden aus künstlichem Qualm durch die Scheinwerferstrahlen bläst.
Nach weiteren 10 Minuten ist es dann soweit! Und obwohl kein Vorhang fällt hat man das Gefühl, Interpol hätten schon einige Minuten auf der Bühne gestanden, so unnahbar und präsent sind sie zugleich. "Next Exit" ist nicht nur der Opener des Albums oder dieses Reviews, es ist auch der erste Song des Sets und setzt die Zeichen für den Rest des Abends. Etwas besonderes, Erhabenes findet hier statt. Etwas Ganzes!
Begleitet von makellosem Sound und einer den gesamten Saal durchflutenden Lichtshow bringen Interpol große Gefühle auf die Bühne. Mehr als eine Stunde und fast zwei Alben lang - Man hat viel zu erzählen, seit man vor rund zwei Jahren zum letzten Mal in Köln war - bringen Interpol den riesigen Saal in Atemnot. Im wahrsten Sinne des Wortes: Direkt neben mir klappt ein stämmiger junger Mann zusammen. Oder lag es doch an der Band?
Interpol verstehen die Bedeutung des Begriffes "Entertainment". "Inszenierung" wäre dabei die treffendere Formulierung, stehen die vier doch wieder in Anzug und Chic auf der
Bühne, zum Großteil von hinten ausgeleuchtet und gigantische Silouetten an die Wände werfend. Da kann es durchaus gespenstisch wirken, den Blick von der Bühne ab- und der Decke zuzuwenden und dort die schattigen Umrisse eines Paul Banks mit Hut zu sehen. Bassist Carlos trägt die Haare wie gewohnt tief im Gesicht und Stiren-betonend während er in Tiefst-80er-Metal-Pose in den Bass greift und mit schweren Stiefeln sowie Schulterhalfter mehr als unnahbar aussieht.Hier vergeht die Zeit langsam, dieses Gefühl kommt zumindest durch die Vielzahl ruhiger Songs auf. Und Interpol geben ihr letztes, "Roland" schickt die Besucher nach Hause. Bis 2005. Wenn man die Joy Division-Blaupause wieder erleben kann. Und das ist durchaus positiv gemeint.
tourdaten:>> interpol:
06.12.2004 - münchen - muffathalle [mit bloc party]
07.12.2004 - berlin - so36 [mit bloc party]
11.04.2005 - hamburg - große freiheit
12.04.2005 - köln - e-werk
13.04.2005 - berlin - columbiahalle
>> bloc party:
06.12.2004 - münchen - muffathalle [mit interpol]
07.12.2004 - berlin so36 [mit interpol]
08.12.2004 - köln - gebäude 9
[mit the wedding present/broken social scene]
mehr infos:
>> interpol
>> matador records
>> labels
>> interpol - slow hands [video/[
>> bloc party
>> dim mak records
>> v2 records
>> interview: bloc party
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waldar - 2. Dez, 20:09
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