the hives - köln - e-werk - 28.10.04
Selbstinszenierung, Kommerz und Punk"The Hives are law! You are crime!" Das ist ein Statement, dass die Schweden schon jahrelang vertreten (Und sich bei genauerer Betrachtung des gleich betitelten Songs als eine nette Homage an Turbonegro entpuppt). Dazu eine große Klappe sowie die Mär vom Masterplan und Mentor hinter der Band selbst. Selbstinszenierung, das ist es was The Hives besonders gut können. Und die mit dazu beigetragen haben könnte, dass sie mittlerweile von den ehemals so treuen Fans und Lanzen-Brechern argwöhnisch betrachtet werden. Liest man Magazin- sowie Internetkolumnen quer, betrachtet man das Airplay der fünf Herren auf MTVIVA oder dem Radio, dann könnte man zu dem Schluss kommen, die Hives seien endgültig im Pop-Mainstream angekommen. Sind sie vielleicht sogar. But who cares?!
Köln. E-Werk. 19:30 Uhr. Die Dämmerung ist fast vollendet. Lichterketten auf dem E-Werk lassen die ersten Assoziationen Richtung Feiertags-Terror gegen Ende des Jahres hochkommen.
Im gegenüber liegenden Palladium findet die Art Fair statt. Die Straße, die an den VIVA-Studios in Köln-Mühlheim vorbei führt ist nicht nur der Kunstliebhaber wegen gefüllt. Bei Ebay waren in den Tagen vor dem längst ausverkauften Hives-Konzert Eintrittspreise von um die 35 Euro Usus. Vor dem E-Werk selbst scheint bei niemandem der Geldbeutel all zu locker zu sitzen. Oder die Kartensuchenden haben die Reise erst gar nicht aufgenommen. Vereinzelt kann man so Menschen beobachten, die mit einem Bündel Tickets wedeln und diese unter der bunten Mischung an Konzertbesuchern zu verkaufen versuchen.
Im Vorraum des E-Werks bereits heftiges Geschiebe vor dem Merch-Stand, das T-Shirt muss in der ersten Reihe zu sehen und man selbst als Fan zu bemerken sein. Warum man neue T-Shirts während des Konzerts über den anderen Klamotten jedoch schön durchschwitzt, verschließt sich mir bis heute. Am Tresen wird bei den ersten 2,50 Euro-Bieren von einigen das aktuelle "Tyrannosaurus Hives"-Album diskutiert und auch hier prallt wie sonst auch Skepsis auf Fantum. Im Konzertsaal selbst erschließt sich erst die Dimension, welche die "Untutored Youth" mittlerweile angenommen hat (Mal von den "Rock am Ring"-Daten abgesehen): Körper an Körper, schon jetzt ist es merklich warm. Die Galerie ist ebenfalls gut besetzt, warum die langen Typen allerdings immer in der ersten reihe stehen ist wahrscheinlich nur ihnen selbst klar.
Gegen 20 Uhr muss man erst einmal den etwas kruden Mix verarbeiten, den die CDO-A'ss auf die Bühne legen. Im 40er/50er Jahre-Look spielen sie einen interessanten Mix aus Funk, Surf, Rock'n'Roll, Moog-Elektro und Gang of Four-Tanzbarkeit. Irgendwo zwischen Chk Chk Chk und King Khan. Dass die ebenfalls aus Schweden sind soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, ist jedoch unerheblich. Denn was hier vor allem zählt ist der Stil, mit dem sich diese 6 Typen durch ihre ca. 30 Minuten Support-Act bewegt haben. Musikalisch sehr vielseitig, die etwas andere Art des Bühnenoutfits und ein frischer Klang. Eine runde Vorstellung, nur vielleicht nicht die 100-prozentig richtige Besetzung für den Support-Slot bei The Hives...
Der generell jedoch genau so überflüssig wäre, wie die Beschreibung dessen was dann kam. Versuchen wir es erst so: Hives - Pelle - Schweiß - Ekstase - Schluss! Nein? Gut!Eine halbe Stunde hatte man dem Publikum für Toilettengänge, Getränkebeschaffung und Stehplatz-Gerangel in den ersten Reihen gelassen.
Dann leuchtet der große, rote Leuchtschriftzug hinter der Bühne auf und die wohl erfolgreichste und zugleich stilvollste schwedische Boygroup eröffnet ca. 70 Minuten Rock'n'Roll-Zirkus mit "Abra Cadaver" und "Antidote". Ein relativ sauberer Sound, der da aus den Boxen rumpelt (wobei man sich vorne links stehend da auch nicht so sicher sein kann). Die Lautstärke kann man auch lassen.
Howlin' Pelle Almqvist versteht es, große Punkfueled-Rock'n'Roll-Gesten runter zu reißen, das muss man ihm einfach zugestehen. Und auch die früher im Text bereits beschworene Selbstinszenierung wird in Köln ausgiebig und gerne betrieben. Am augenscheinlichsten mit der für schwedische Garagen-Bands so typische Uniformierung in Schwarz-Weiß. Dass man die Kölner tunlichst nicht mit dem bayrischen Publikum vergleichen sollte weiß Pelle natürlich auch, aber so lässt sich noch viel mehr aus dem Publikum rauskitzeln. Zeitweise nimmt die wie eingeübt wirkende (oder viel mehr routinierte) Show so groteske Züge an, dass Pelle sich das Lachen nur schwer verkneifen kann.
Zwischen vielen Songs der neuen Platte passen auch genügend "alte" Stücke wie "Main Offender", "Declare Guerre Nucleaire", "Outsmarted" oder - O-Ton - "The probably best Rock'n'Roll-Song ever written" "Die, all right!". Bis hier ist das E-Werk klatschnass, das kann man zumindest für die ersten 15-20 Reihen so hingestellt lassen.
Pelle wirkt wie der große Entertainer, die Leute kleben an ihm und seinen Lippen bzw. an ihren Nachbarn im Pulk. Aber auch der Rest der Band wirkt, als haben sie sich im Probekeller lange Zeit gegenseitig Style-Noten verteilt und die Bühnen-Choreografie perfekt einstudiert.Was besonders deutlich wird, als Schlagzeuger Chris Dangerous die erste Zugabe freigibt und die Menge vor sich immer wieder zu Lautstärke und sofort anschließender Stille auffordert. "Here we go again", "B is for Brutus" und die neue Single "Two timing touch and broken bones" waren dann aber doch nicht die letzten Songs. Die zweite Zugabe brachte den Ego-trip wieder hoch, "A song about me and myself, it's called" "a.k.a. I.D.I.O.T." München, nein, Köln, dass muss Euch reichen! Der entgültige Rausschmeißer wurde dann ein Cover von The Compulsive Gamblers, "Stop And Think It Over".
Und draußen stand dann die Erkenntnis an, dass von selbst gedrucktem Merchandise in mieser Qualität scheinbar ein relativ großer Schlag Leute lebt...
mehr infos:
>> the hives>> universal rock
>> review: the hives - tyrannosaurus hives
>> cdoass
>> johnny brattom records
waldar - 2. Nov, 00:16
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