interview: von spar - köln - gebäude 9 - 06.10.04

von spar & mediengruppe telekommander                    photo: waldar.twoday.net "So funktioniert Pop! Pop ist Reproduktion, das ist einfach so!"

Als gegen Ende des letzten Jahres das Label-Kombinat Lado / L'Age D'Or mit seiner Yubellado-Tour seinen 15. feierte und die Clubs der Republik mit Musik beschallte platzte der Knoten. Mit im Tourbus saßen drei Männer gegen Ende der Zwanzig. Von den Konzerten hörte man im Nachhinein vor allem die Erzählungen über entzückte und verschreckte Gesichter zugleich, die Begeisterung schien jedoch weitläufig zu dominieren. "Tanzen auf dem Müllhaufen der Geschichte" titelte die Spex ein halbes Jahr später und hievte die neue "Supergroup" aus der Wahlheimat Köln damit auf den Indiethron. "Immer wieder nette Geschichten, mit dem Plan, planlos zu sein" liessen Thomas Mahmoud, Christopher Marquez und Jan Phillip Janzen kurz davor noch über ihr Debut-Album "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative" poltern. Damit wurde zunächst einmal ein fettes Ausrufezeichen hinter die ersten beiden EPs gesetzt. Wie verhält sich das aber mit der Konsum- und Gesellschaftskritik, mit dem Pop an sich und der Quote im Radio? "Im Klartext, moralisch!"


christopher marquez, jan phillip janzen               photo: waldar.twoday.net waldar: Erzählt mir doch bitte erst einmal was über die Enstehung Von Spar's aus den drei anderen Bands (Urlaub in Polen, The Oliver Twist Band & Elle Al, Anm. d. Verf.), in denen Ihr sonst spielt. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden?
Christopher: Man hat sich halt als mal zwischendurch Zeit war, getroffen. Also Phillip und ich. Und wir dachten, man könnte mal etwas zusammen machen.
Phillip: Also, man kannte sich ja vorher schon durch Parties. Also, wir beide kannten uns schon weil wir schon zusammen gewohnt hatten und auch zusammen in einer anderen Band gespielt haben. Thomas kannte man eben von Parties oder was... Und hatte da auch schon immer rumgehangen.
Christopher: (lacht)
Phillip: Ist auch schwierig ihn nicht zu kennen... Und dann hat man rumgesponnen, dass man doch was zusammen machen könnte. Und das ist jetzt bestimmt schon zwei, drei Jahre her. Ich weiss auch nicht genau wie es gekommen ist. Irgendwie hatten wir so einen bestimmten Sound im Ohr, der sich so... äääh (ringt mit den Worten) ..äh.. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre abgespielt hat, ohrmässig. Und dann hat man sich gedacht, man könnte mal so aus Lust dran zwei, drei Stücke machen...

waldar: Wo Ihr alle die gleiche musikalische Sozialisation hattet. Den gleichen musikalischen State of Mind. Denn Eure Musik, die Ihr jetzt mit Von Spar macht, ist ja im momentanen musikalischen Kontext ziemliches Neuland. (Phillip runzelt die Stirn)
Es ist schon ein Rückgriff auf viele alte Sachen, ohne jetzt irgendwelche Namen nennen zu wollen oder zu müssen. Aber im aktuellen Kontext etwas neues, etwas Eigenständiges für Deutschland, oder überhaupt für Europa. Wolltet Ihr auf dieses Ding auch hinaus?
Phillip: Also was Du da sagst, Du hast Recht. Ich würde sagen, dass es bei der ersten Maxi die wir gemacht haben nichts explizit ist, weil die eben sehr stark an einen bestimmten Sound einer bestimmten Zeit angelehnt war. Wir hatten also diese Maxi gemacht und sind dann mit L'age d'Or zusammen gekommen und haben da die Maxi veröffentlicht. Und da war auch schon klar... Wobei, das war überhaupt nicht klar, dass wir auch eine Platte machen und Live spielen wollen. Das ist dann eher später gekommen... Da hat sich dann im Studio unter der neuen Situation mit unserem Sebastian (Blume) und dem Phillip (Tielsch) - also dem Keyboarder und dem Gitarristen - eine neue Situation ergeben. Den Eindruck den wir hatten, dass es da von diesem expliziten Retro-Ding - das noch auf der ersten Maxi zu finden war - weg gegangen ist und so ein bisschen unangebrachter geworden ist.

Thomas guckt um die Ecke, hört kurz das Gespräch an und setzt sich dann doch mit seinem Pils in die Gesprächsrunde.

thomas mahmoud                    photo: waldar.twoday.net waldar: Wie ist die Zusammenarbeit mit L'age D'or entstanden? Waren die sofort von Eurem Sound begeistert, bzw. von den Ideen die Ihr hattet. Normalerweise veröffentlicht Ihr ja auf Raketemusik... Oder war das eher ein Bekanntschaftsding, dass man sich irgendwoher kennt und dann den Mut hat, zusammen etwas zu veröffentlichen?
Phillip: Das war ja die Geschichte, dass der Carol von L'age D'or beim Konzert von Oliver Twist in Hamburg war und sich dann danach mit Thomas unterhalten hat. Und Thoams hat ihm dann gesagt, er hätte ein neues Projekt am Laufen, was eben Von Spar war. Carol war dann interessiert und Thomas hat ihm eine CD geschickt. Also eigentlich die Aufnahme, wie sie dann auf die Maxi gekommen ist. Und die fanden es eben super und haben daraus eine Maxi gemacht. Beim ersten Treffen war es dann auch noch nicht klar, wie das weiterläuft, ob da überhaupt eine Platte gemacht werden soll oder...
Thomas: Nee, ich glaube das kam dann konkret erst als er meinte ob wir Bock haben, diese Tour da mitzuspielen...
waldar: Die Yubellado-Tour...
Thomas: Ja, genau. Und ich glaube daraufhin fanden die das dann auch richtig gut...

waldar: Das hatte mich sowieso gewundert: Mit der "Vielen Dank für Ihr Verständnis-EP - so ist es mir zumindest vorgekommen - war der Name "Von Spar" direkt in aller Munde und dieses Indie-Pop-Star-Hype-Ding am Laufen. War das Zufall dass das so funktioniert hat oder eher auch Berechnung?
(einige Sekunden Pause)
Christopher: Zufall!? (sehr leise, alle anderen fangen an zu lachen)
waldar: Als eine Band, die jetzt faktisch ca. 1 Jahr existiert, da ist ja nicht so selbstverständlich, dass die Presse direkt von der ersten Maxi anspringt und...
Thomas: Sagen wir so: Köln ist eben doch schon ein ziemlich großes Dorf und...
Phillip: Das würde ich jetzt aber nicht sagen...
Thomas: Doch, doch, das geht schon! Ein relativ großes Dorf und man hat da schon ordentlich rumposaunt, dass da jetzt eine neue Band am Start ist. (grinst breit)
Phillip: Ja gut, dazu muss man aber sagen: Wir waren jetzt relativ früh unterwegs mit einer bestimmten Form von Sound, der sich an einer bestimmten Zeit orientiert. Ich denke, da war uns zu dem Zeitpunkt damals auch klar, dass das eine Sache ist die in nächster Zeit kommen wird. Und es hat sich ja dann auch so entwickelt. Und ich glaube indem man da relativ zeitgemäss unterwegs war, bestand da eben auch die Möglichkeit in so eine positive Publicity rein zu geraten.

von spar                     photo: waldar.twoday.net waldar: Aber dieses positive Publicity-Ding ist ja auch etwas, das Ihr anklagt...
Phillip: Das gehört doch dazu! (lacht)
waldar: Das gehört natürlich dazu. Wie funktioniert Musik, wie funktioniert Gesellschaft? Es gibt ja bestimmte Mechanismen, auf die viele anspringen und das Retro-Ding funktioniert ja momentan sehr gut. Wart Ihr da anfangs skeptisch, ob das zu viel werden würde? Als auf einmal die Spex geschrien hat "Yuchhu, das ist das neue Ding!" und kurze Zeit später die Titelseite und das Feature kamen, da fragte ich mich eben selbst, ob das nicht schon zu übertrieben ist...
Thomas: Aber worum gehts? Um jetzt die Credibility zu bewahren, das wir jetzt aus einem bestimmten Kontext kommen? Oder nur darum, dass ein bestimmtes musikalisches Phänomen gerade auftritt und das dementsprechend auch einfach seine Berechtigung hat innerhalb so einem Popdiskurs? Das steht ja anderen Sachen auch nicht hintendran, wenn's um den Titel geht. Also, ich weiss nicht wo da ein Widerspruch sein soll. Wenn das ein Phänomen auftaucht, das einen musikalischen Reiz hat... Ich mein, sonst würde ich jetzt wahrscheinlich auch kein Interview machen. Also ich denke mal, das läuft alles nicht so konform. Aber guten Pop macht ja auch aus, dass er Diskussionsfähigkeit hervorruft.
Phillip: Also, ich denke auch, dass dieses Stirnrunzeln was vermeintliches Gehype angeht etwas merkwürdig ist, wenn man sich nach wie vor über Pop unterhält. Darum geht es einfach beim Pop und nichts anderes. In dem Sinne finde ich auch nix anrüchiges daran, wie eine Zeitund wie der NME mit bestimmten Themen verfährt, wo man auch sagen könnte: "Was soll das denn jetzt?"
Acht Ausgaben hintereinander ein Starschnitt von den Datsuns. Jetzt mal unabhängig davon, wie gut oder schlecht ihre Musik ist. Aber das ist das Popgeschäft. Was solls? Ich finde das auch gar nicht schlimm. Das inpliziert das ja auch.
Thomas: Also, man hat sich ja auch bewusst dessen bedient. Dieses Von Spar-Ding war ja auch von vornherein konstruiert. Man hat sich ja genau irgendwelchen Zeitgemässen Phänomenen bedient, die gerade angesagt sind und hat halt versucht die zu verwursten innerhalb der Musik.
waldar: Also ist Von Spar auch eine Art Charikatur?
Thomas: Parodie könnte man das auch nennen! Bis zu einem bestimmten Grad hat es ja auch funktioniert. Das heisst aber ja nicht, dass man sein Leben lang in der Retro-Schleife laufen will... Bis zum erbrechen.
Phillip: Damit haben wir ja auch nach der Maxi aufgehört!
Thomas: Genau, das war eigentlich nur die Maxi!

waldar: Wenn ich das richtig verstanden habe, macht Ihr ja heute abend zusammen mit der Mediengruppe Telekommander einen Doppel-Auftritt?! Wie soll das ablaufen, wie werdet Ihr da Euer Konzert runter reißen? Weil das Konzept - soweit ich es richtig verstanden habe - gleichzeitig auf der Bühne zu stehen und sich gleichzeitig zu covern und samplen ist mir sonst nur aus dem Umfeld der wirklich elektronischen Musik bekannt und weniger aus dem Indie-Kontext. Was wird heute abend passieren?
Thomas: Ey, wohin die Reise führt, das wissen wir selbst nicht! Wenn wir das wüssten... (lacht)
Phillip: Wir haben es vor einer Stunde ungefähr das erste Mal geprobt...
Thomas: Das kann eine totale Sackgasse sein, wo wir nachher alle mit Steinen und Tomaten beschmissen werden und jemand sagt: "Er war's, er war's, er war's" (gestikuliert wild) und wir haben alle einen dicken Schädel danach... Es kann aber auch sein, dass die Leute gleich aus den Turnschuhen rausfliegen weil sie es so geil finden. Wie gesagt, da steckt man nicht drin. Das kann man jetzt noch nicht sagen, das ist sehr improvisiert.

von spar & mediengruppe telekommander                 photo:waldar.twoday.net waldar: Und wieso zusammen mit der Mediengruppe? Hat das in den Zeitplan gepasst oder seid Ihr irgendwie verwandte Seelen, vom musikalischen Ansatz her?
Phillip: Beides nicht. Man kennt sich einfach. Wir haben uns kennen gelernt bei Konzerten, die wir zusammen gespielt haben...
Thomas: ...Wir haben dieselbe Booking-Agentur...
Phillip: ...Wir haben dieselbe Booking-Agentur... (lacht) und sind knuffige Typen.
Thomas: Die Chemie hat gestimmt, sozusagen... (mit sehr überzogenem, ländlichen Dialekt) "Kommt Leude, lasst und mal gemeinsam auf die Bühne gehen, könnt doch watt werden!" (lacht)
Und dann haben wir gesagt: "Ey, wir treffen uns mittags um zwei im Gebäude, machen Session. Und dann war es auf einmal sechs und keine Session mehr, sondern Improvisation.

waldar: Ich frage, weil die Mediengruppe Telekommander ja eine ähnliche Entwicklung durchgemacht haben, wie Ihr jetzt. Oder in einer ähnlichen Weise ungefähr, was dieses Fame-Ding angeht. Zuerst mit den EPs, dann Touring... Und mir scheint es so, dass sobald man hingeht und Musik macht, die Sozial- oder Gesellschaftskritisch ist und die dann auch noch mit einem guten Sound verpackt, dass darauf unheimlich viele anspringen. Dass da die gleichen Mechanismen zum tragen kommen.
Thomas: Aber ist doch so! Ich finde das nämlich gar nicht... Ich würde mich ja freuen, wenn viel mehr Kunst oder Musik subversiv wäre. Wie weit das dann auch was bringt, das kann man natürlich nicht sagen. Es bewegt sich eigetlich so - abgesehen von Texten - in einer relativ großen Oberflächlichkeit. Ich weiß nicht, ob das immer so konform bleibt oder ob das einfach Medien-Chic ist, Gesellschaftkritisch zu sein und vor allem bestimmte Positionen zu vertreten, die wir zum Beispiel vertreten. Ich glaube die laufen gerade total konträr zu dem, was gerade gesellschaftlich Hip ist! Zum Beispiel fahren wir nicht so einen Pseudo-Anti-amerikanischen Film oder ziehen uns Schwarz-Rot-Goldene Klamotten an und suchen nach einer neuen deutschen Identität oder sowas. Ich glaube, das ist eine andere Geschichte. Das hängt einfach damit zusammen, dass man sich mit der Platte oder generell in einem bestimmten Kontext bewegt, dass man sich Jahre vorher schon in bestimmten politischen Kreisen bewegt hat, wo man sich seine Gedanken über Gesellschaftssysteme und -Formen oder die Verhältnisse in denen man hier lebt gemacht hat.
Phillip: Aber ich finde das interessant, dass Du eben gesagt hast, ... ääh.. (ringt mit den Worten) ... kontrovers und musikalisch eigenständig...
waldar: Nein, nein. ich wollte mit musikalisch eigenständig nicht sagen, dass Von Spar total Neues macht oder das den Sound sonst noch niemand gemacht hat. So ist es ja nicht! Die Parallele die ja oft zu Euch gezogen wird sind ja Die Goldenen Zitronen. Wobei ich denke, dass man als Band dessen irgendwann überdrüssig wird, wenn man die ganze Zeit in einen bestimmten musikalischen kontext gestellt wird. Allerdings zu dem zeitpunkt, in dem man sich jetzt bewegt etwas Neues. Alt-Neu, Neu-Alt.
Aber etwas anderes was Du vorhin meintest, mit dem Schwarz-Rot-Gold... Ich hatte im Vorfeld zu diesem Interview einen Artikel in der Stadtrevue gelesen, in dem Du sagtest: "Mit der englischen Sprache kann man besser spielen, während man sich auf Deutsch besser ausdrücken kann. [...] " Wobei dort auch gleich die Abgrenzung kam, dass "Das Deutsche bei uns [...] aber kein Statement für sich (ist), wir wollen uns in keinem Deutschtum suhlen und suchen auch nicht krampfhaft nach einer Deutschen Schule."
Das ist mir also vor einigen Tagen aufgefallen, als diese Debatte um die Deutschquote im Radio (siehe auch Spex 11/04/Printausgabe sowie Radioquote - Wikipedia, Anm. d. Verf.) wieder losging. In dem Kontext führte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Christina Weiss genau dieselbe Argumentation an. Das deutsche Texte besser seien, um sich auszudrücken... Wie geht Ihr als Band, die zum Großteil auf deutsch singt, mit dieser Quoten-Debatte um? Nach dem Motto "Wir brauchen eine Förderung deutscher Künstler im Radio" bzw. den Medien allgemein...
von spar / thomas mahmoud exstatisch                    photo: waldar.twoday.net Thomas: Da bin ich total dagegen! Das ist totaler scheiss! Wieso sollte man Musik national festlegen? Musik sollte international sein!
Christopher: Totaler Quatsch, echt! Vor allem, weil die deutschen Top-10 ja sowieso von deutschen Künstlern/Acts dominiert werden...
Thomas: Also wenn sie das Radio irgendwie mit besserer Musik auf-tunen wollen, dann sollen sie einfach andere Programme laufen lassen. Oder andere Sachen ins Programm hineinholen!
Phillip: Die Debatte ist ja damals von Kunze losgetreten worden, der sich da total unmöglich gemacht hat und die Leute gesagt haben, mit dem Kunze möchten wir nichts zu tun haben... Sowohl im politischen als auch musikalischen Lager. Wo dann eben auch zu Recht eine Welle der Empörung durch die Leute ging. Bei der Sache jetzt, wo eben von so einem Typen wie Eissfeldt bis hin zu...
Thomas: Inga Humpe...
Phillip: Genau! Dass da jetzt von so vielen Seiten in dieses Horn reingeblasen wird, verstehe ich nicht. Die einzige Vernunft, die dahinter stecken würde - und die ist zumindest eine Vernunft kapitalistischer Art - dass man dadurch mehr verkaufen wird! Es ist natürlich logisch, dass es - wenn man es so wie Frankreich macht. Ich glaube die Quote liegt da bei 80% von nationalen Künstlern - dass es nicht nur um die Sprache geht sondern auch um die tatsächliche Herkunft. Dass würde definitiv dazu führen, dass man mehr verkloppt! Aber dann sollte die Debatte aber auch in der Art geführt werden und nicht nur in der Art und Weise dass man sagt: "Anglo-Amerikanischer Müll verpestet unsere Radiosendungen." Also ich muss ganz ehrlich sagen, da würde wahrscheinlich auch niemand mit mir streiten: Die Qualität eines Beyoncé-Songs, der hoch- und runtergedudelt wird ist mit Sicherheit von einem ganz anderen Stern, als ein 2Raumwohnung-Song. Die Produktion ist 10.000-mal besser, die Frau kann besser singen, sieht besser aus - das kommt noch dazu - und irgendwie ist das stimmig. Und die 2Raumwohnung-Sachen sind eben schlechter produziert, über den Sound will ich jetzt nicht reden.
waldar: Und wird natürlich auch besser vermarktet...
Phillip: Genau, das natürlich auch!
waldar: Das ist ja auch der ein Kritikpunkt, der immer wieder eingebracht wird: Das deutsche Künstler keine Beachtung finden, weil große Plattenfirmen eher ein Interesse haben, international Geld zu verdienen als was auf dem nationalen Markt zu machen...
Phillip: Das stimmt! Aber wenn man international erfolgreich Musik machen will, dann muss man besser mit seiner musikalischen Identität und nicht mit der nationalen Identität umgehen. Es gibt da ja auch genug Beispiele. Es wird ja keiner darüber diskutieren, dass Kraftwerk ein Ding war, das international unglaubliche Aufmerksamkeit entdeckt hat. Und jetzt hat man Rammstein. Die finde ich beschissen, aber die funktionieren halt international. Und genau so wird es auch immer Acts geben. Und wenn man sich die Poplandschaft in Deutschland ansieht, dann muss einfach dazu sagen: Da kann man mit Quoten probieren was man will, die Qualität ist zu schlecht! Und das ist einfach der Punkt. Qualität wird es im Endeffekt ausmachen!

waldar: Was ich jetzt im Rahmen der Pop.komm-Debatte der letzten tage gelesen habe ist, dass zum Beispiel Euer Label L'age D'or/Lado nicht auf der Pop.komm vertreten waren. Und dann habe ich noch einmal gelesen, dass es von Linus Volkmann als "schade" bezeichnet wurde die kleinen Labels nicht dabei gehabt zu haben. Hat so eine Musikmesse wie die Pop.komm überhaupt noch eine Relevanz für ein kleines Label wie Lado?
Thomas: Ich glaube, es war mal im Gespräch, ob Lado da auftritt. Wir hatten definitiv keinen Bock auf der Pop.komm zu spielen. Was da Lado macht ist mir in dem Fall ehrlich gesagt relativ egal... Ich hatte keinen Bock da zu spielen!
Phillip: Ach, ich stecke da ja auch nicht drin. Aber es kommt mir immer vor wie dieser deutsche Musikpreis, der... ...Echo, wo ich mir dann denke, "Was soll das denn?". Es gibt die Grammys und die MTV Music Awards. Was willst du da mit so einem popligen Echo um die Ecke kommen? Und dann hast du die Messe im Osten, wo alle hinfahren und spielen. Ob das Sinn macht oder nicht... Ich weiss gar nicht was in deutschland los ist. Man will in den Sicherheitsrat, man will eine fette Musikmesse haben... (alle lachen) ...Das hat sowas von Großmacht...
Thomas: Aber dann nimm doch diese Pop-Up Messe, wo sich all die Indies getroffen haben. Was ich auch so lächerlich fand!
von spar                             photo: waldar.twoday.net Phillip: Es geht ja darum: Man kann ja Informationsaustausch betreiben, dass man sich unterhält was neue Vertriebsstrukturen sind und so weiter. Klar, das macht ja auch Sinn. Aber das ist ja auch nicht so auf großmacht gestrickt wie eben solche Klamotten wie die Pop.komm.
Thomas: Aber dann sollte man das doch auch aussprechen! Sagen, es geht darum neue Vertriebsstrukturen zu bekommen und mehr Platten zu verkaufen. Aber es geht immer so: Hier, wir sind die Indies, wir sind die Guten, die Majors sind die Bösen und so... Aber es sind eben doch ähnliche Strukturen die innerhalb dieser indie-Struktur eben auch da sind. Von daher würde ich jetzt garnicht hingehen und da großartig trennen, weil die meisten Indies die ich kenne mittlerweile eh mit einem Major gekoppelt sind. Es ist sowieso hirnrissig darüber zu diskutieren, weil sobald du einen Tonträger aufnimmst bekommt der eine Warenförmigkeit und richtet sich nach Strukturen des Marktes, muss verkauft werden. Weil man halt soundsoviel-tausend dafür ausgibt, damit die veröffentlicht wird. Du musst sie auch verkaufen, also was soll das Argument? Aber was du innerhalb des tonträgers machst, darauf kommt es mir an! Was für eine Qualität das Ding hat, was die Message ist und was die Band zu sagen hat oder nicht zu sagen hat. darum geht es mir bei Musik. Egal, wo die jetzt veröffentlicht wird. Auch wenn man bei einem DIY-Label veröffentlicht muss man sehen, wie man seine Sachen reinbekommt. Und dann gehst du vier Wochen auf dem Bau arbeiten und bezahlst Dein Studio davon! Oder Zeitung austragen oder so... Deshalb sollte man auch eher darüber diskutieren, was Qualität ist oder keine ist. das ist ja einem individuellen Geschmack ausgeliefert. Also, was Dir gefällt, muss nicht unbedingt mir oder ihm gefallen. Aber das mag ja dahingestellt sein. Da soll sich ein label überlegen, auf was man Bock hat und die Band soll sich überlegen was sie mitmacht oder nicht und dann ist gut! Aber diese Label-geschichten - ob das jetzt Major, Indie oder DIY ist - das ist eine Diskussion die ad absurdum geführt wurde...

waldar: Was macht Euch als Von Spar aus? Als Band?
Thomas: Ich glaube, dass man ziemlich genau weiss, was man da machen will!
Phillip: Ja, ich glaube wir lügen uns nicht in die Tasche. Okay, in Interviews kommt das oft so rüber, man hat was neues geschaffen und so, aber...
Thomas: Aber das haben wir doch nie behauptet! (leicht echauffiert)
Phillip: Nee, nee. Bei anderen Bands ist das ja oft so. Wenn jetzt z.B. The Rapture ein Interview geben, dann würden die nie... Obwohl, die machen es gerade doch. Radio 4, nehmen wir jetzt mal. Die würden nie eine Referenz auf denjenigen geben, wo man sich eben bedient hat...
Thomas: Ey, keine Ahnung. So funktioniert Pop! Pop ist Reproduktion, das ist einfach so! Ich weiss auch nicht, wie man was Neues innerhalb eines Popdiskurses erfinden soll. Deshalb finde ich das auch schon wieder eine Diskussion Ad Absurdum. Man bedient sich einfach an dem, was da ist und versucht es eben nochmal in einem Potpurri-Verfahren umzustrukturieren. Was jetzt N.E.R.D. machen ist auch nichts Neues. Die mixen auch unterschiedliche Stile. Das haben auch die Beastie Boys gemacht... Solange ich zurückdenken kann, werden unterschiedliche Musikstile miteinander kombiniert. Entweder bekommt es eine Eigendynamik oder eben keine. Natürlich gibt es auch Bands, die genauso aussehen wie das, was sie spielen. Und dann gibts natürlich auch welche, die diese Retro-Geschichte 1:1 umsetzen. Wenn die es toll finden, eine Mod-Frisur zu haben oder Hochwasserhose: Na wunderbar, dann sollen sie's machen! Und wenn jetzt irgendein Typ Bock hat, sich alte Chucks, 'ne Baseballkappe und eine Lederjacke anzuziehen dann soll er das machen.
Phillip: Die Besonderheit liegt darin, dass man vermeintlich denkt, man habe den Überblick darüber was man tatsächlich tut. Das heisst vom musikalischen als auch von der Präsentation her hat man einen Überblick, was man tut.
Thomas: Also, ich kann Dir nur sagen wie es bei uns war: Wir haben halt unterschiedliche Musik, das ist einfach Fakt. Und wir wollen das musikalisch machen, auf das wir Bock haben! In dem Moment der ersten Maxi waren wir eben alle gerade noch mal auf Gang of Four und den ganzen Sachen. Fanden das halt auch ziemlich cool und haben es gemacht.
Phillip: Ohne Umschweife sich da bedient!
Thomas: Ohne Umschweife bedient! Bassläufe geklaut ohne Rot zu werden und wenn jemand Retro nachruft soll er das gerne machen!
Phillip: Und dann wurde es halt langweilig. kennt man ja selber von seinen Platten zuhause. Wir hören den Kram jetzt auch nicht mehr so, nicht weil man es nicht mehr mögen würde sondern weil man es durch hat! Eine neu gekaufte Platte hat sich - wenn es eine Gute ist - nach einem Vierteljahr - wenn es eine schlechte ist - nach drei Tagen totgehört!
Thomas: Jetzt hört man halt wieder Happy Mondays und so... (alle lachen)

waldar: Ruhen Eure anderen Bands jetzt eigentlich erst einmal? Ihr geht jetzt mit Von Spar auf Tour.
Thomas: Ich gehe im November mit Oliver Twist ins Studio. Da kommt Anfang des Jahres eine neue Platte.
Phillip: Nach dieser Tour gehe ich dann mit Urlaub in Polen auf Tour.

waldar: Ja, wunderbar. Dann viel Erfolg damit und mit Von Spar.
Thomas: Wir bedanken uns für das Gespräch!
waldar: Noch ein Abschluss-Statement?
Thomas: Zuhören ist ein Zeichen Gleichgültigkeit seinen eigenen Zuhörern gegenüber! (allgemeines Gelächter) Das musst Du jetzt aber nicht reinsetzen, ne?!
waldar: Nö, nö!


von spar auf tour:
29.10.04 D Essen - Hotel Shanghai
30.10.04 D Bremen - Römer
02.11.04 D Remscheid - Kraftstation
03.11.04 D Darmstadt - 603 qm
04.11.04 CH Düdingen - Bad Bonn
05.11.04 CH Biel - Coupole
06.11.04 D Saarbrücken - Kongresshalle


mehr infos:
von spar - die uneingeschränkte freiheit der privaten initiative >> von spar
>> lado / l'age d'or
>> erlebnisbericht: von spar / mediengruppe telekommander @ gebäude 9
>> fotodokumentation: von spar / mediengruppe telekommander @ gebäude 9
>> interview: mediengruppe telekommander
>> von spar - bunsenwahrheiten [mpeg/4,8 mb]

Titel:

Text:

 


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

"blogging for compliments" is the personal weblog by waldar. the posts in this weblog may contain links to music i love. if you feel your copyrights harmed, please email me and the link will be removed immediatelly. this is about love towards music. buy the records at amazon or even better: at the small indie-record-store in your town!

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Son, Ambulance – And
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Son, Ambulance – Constellations
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17. Jul, 19:03
Son, Ambulance – Yesterday Morning
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17. Jul, 18:56
Son, Ambulance – Horizons
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17. Jul, 18:53
















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Oktober 2004
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