volcano, i'm still excited!! - self-titled [polyvinyl / rough trade]
"Auch das noch!", könnte man beim 20-Sekunden-Intro "Overture" denken. Da knüppelt jemand auf sein Schlagzeug ein, eine Gitarre wird mishandelt und das Keyboard wird getreten. "Muss nicht sein, gerade die falsche Stimmung..."Gleich in "Trunk of my Car" fühlt man sich so ein bisschen an die neunte Klasse erinnert: Noch nicht so richtig erwachsen, aber auch nicht mehr Kind. Und zu allem Überfluss lässt einen der spiessige Musiklehrer "Hejo, spann den Wagen an" im Kanon mit dem Tischnachbarn singen. Das vergisst man nie, vor allem ihm nicht. Aber ich schweife ab. Der Kanon, genau! "Love, are you waiting underneath my bed / Love, are you riding in the trunk of my Car / Trust, Hope, Faith". Was zuerst ein wenig schlecht arrangiert wirkt, entpuppt sich mit dem einsetzenden Schlagzeug und Keyboard als stimmige Pop-Ballade, die fast hymnische Form annimmt. Zumindest wesentlich besser als "Hejo".
Mark Duplass kann singen. Zwischen Melancholisch-betrübt und stürmich-euphorisch. Orgel kann er auch spielen, die wirkt in den einzelnen Songs erst dann so richtig, wenn die Double-Bass von Drummer John Thomas Robinette III (cooler Name!) ihr genügend Platz einräumt und Craig Montoro die Gitarre im Hintergrund spielen lässt.
Eigentlich wäre das Mark's Job. Beziehungsweise, wenn es der wäre, dann gäbe es Volcano, I'm still excited!! (ich liebe den Konjunktiv) nicht. Die Band entstand erst aus dem Umstand, dass Mark, damals noch Gitarrist mit Plattenvertrag, kurz nach seinem Umzug in den Big Apple unter Sehnenscheidenentzündung litt. An beiden Armen! Das Casio gab es dann für 10 Mäuse und die ersten Demoaufnahmen für das neue Bandkonzept ebenso. Tatendrang könnte man wohl so beschreiben. Oder Liebe zur Musik. (Oder Verzweiflung, aber das ist ein anderes Thema)."Around the Dream". Erst einmal nur Mark und seine Stimme, begleitet von einer schönen cleanen Gitarre. Während sich der Song steigert und in ungeahnte Höhen hochschraubt, steigen die anderen Jungs ein und die Tonhöhe immer weiter an, da raucht bestimmt niemand. "Goodbye, Casio" lässt eine Wärme wie The Postal Service spüren, jedoch mit ein wenig reduzierterer Elektronik. Oder "Byron's 24th Christmas", das mit seinen dezent platzierten Streichern,Blasinstrumenten und Chor-Gesang fragiler nicht hätte ausfallen können und die spärlichen, hochstimmigen Textzeilen besonders erhaben erscheinen lässt.
Man könnte ewig so weiter machen und jeden der 16 Songs auseinander nehmen. Man könnte aber auch einfach sagen, dass Volcano, I'm still excited!! für den ersten Anlauf ein überraschend frisches Indie-Pop-Album abliefern, das von Mal zu Mal mehr an Grösse gewinnt. Und wegen dem sich niemand schämen muss, ein Instrument noch einmal von der Pike auf gelernt zu haben.
tracklisting:
01. Overture
02. 2nd Gun
03. Trunk of My Car [
04. Joe Jaxon
05. In Green [
06. Fisticuffs
07. Echo Park
08. New Brad
09. Mostly on an Island
10. Around the Dream
11. Goodbye, Casio
12. By No Means
13. Firebombing London
14. Shouting Across the Water
15. Byron's 24th Christmas
16. Two Exclamation Points
mehr infos:
>> volcano, i'm still excited!!
>> polyvinyl records
>> rough trade
>> affairs of the heart
lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 22. Sep, 23:26
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