Mittwoch, 22. September 2004

v.a. - superdiscount 2 [solid/pias]

v.a. - superdiscount 2 review "Push push, push push, push push..." Das ist auch schon alles, was man vom Opener "Poisoned" des zweiten Superdiscount-Albums an lyrischen Ergüssen erwarten darf. Was in diesem Zuammenhang keine Sekunde stört, denn Etienne de Crécy ist kein Singer-/Songwriter. Wäre auch schade drum. Der französische Pionier des House lässt vielmehr die Musik für sich sprechen und mit dem einsetzenden Beat kann auch kein Zweifel mehr daran bestehen, was einen die nächsten 11 Tracks lang beschäftigen wird.

Schon 1998, als er das erste Album unter dem Pseudonym Superdiscount zusammen mit Alex Gopher und Air aufnahm, erschütterte Frankreich mit innovativem Sound die Tanzflächen von Europa. Sechs Jahre später kommt der Nachfolger zusammen mit Crécy, Gopher, Philippe Zdar und anderen noch technoid-feierbarer ausgerichtet in die Schallplattensupermärkte. Zum musikalischen Konzept gehörte schon damals die Eingliederung der Musik in den gesellschaftlichen Konsum-Kontext: 1998 noch mit Verkaufsslogans in den Song-Titeln, während des Niedergangs der Internet-Tauschbörsen kommt jetzt die neue Superdiscount mit Filesharing-Clients im Namen an. Musik als konsumierbares Produkt, jederzeit verfügbar und vom künstlerischen Anspruch auf ein Allgemeingut heruntergestuft.
Und wüsste man gar nichts vom Hintergrund dieser Stücke, so wäre das auch nicht weiter schlimm: Denn die Auswahl der Titel charakterisiert teilweise erstaunlich gut die Songs.

etienne de crécy                        photo: courtesy of etienne de crécy/solar penguin In "Fast Track" arrangieren Crécy, Gopher und Julien Delfaud Percussion-Elemente und einen geraden Housbeat miteinander, schließlich setzt ein Bass-Gitarren-Riff ein und treibt die ganze Sache zusammen mit Synthie-Krächzen Richtung großes "BooHaa" auf der Tanzfläche. Oder "Audio Galaxy" das zuerst ein paar Klangteppiche ausbreitet, ehe die Reggae-befeuerte Rakete abhebt, die Leuchtdioden an den Steuerungselementen mit vielen Beeps und Bleeps zum blinken und schliesslich abrupt zum durchbrennen bringt. "Gifted" könnte man fast schon als Ambient/Lounge bezeichnen, aber Crécy und DJ Mehdi biedern sich weniger aufdringlich an als die Kollegen mit den Cocktailbar-Samplern. "Limewire" wartet erst gar nicht darauf, irgendetwas anbrennen zu lassen und stampft direkt zielstrebig von Bongos begleitet durch den Bass-Wald, fängt plötzlich an funky von rechts nach links zu wippen, dann mit dem Kopf zu nicken, bleibt kurz stehen, hebt Kopf und Arme um ab da wie in Trance über Stock und Stein zu springen.

Puh, ziemlich viele Metaphern.

Was ich eigentlich sagen wollte: "Superdiscount 2" ist vollgestopft mit Tanzstücken, mal mehr, mal weniger zugänglich. Teilweise catchy wie der schlimmste Popsong, andererseits verspielt verfrickelt. Jedoch immer vom roten - oder in diesem Fall Augenkrebs-Pinken - House-Bass-Faden durchzogen. Gibt es einen Namen dafür? French-House meets Acid & Old-School-Techno. Schlechte Beschreibung. Wie wäre es mit "Musik, die Dir beim Tanzen fest in den Hintern tritt"? Schon besser!


tracklisting:
01. Poisoned [feat. Philippe Zdar & Etienne De Crécy]
02. Fast Track [feat. Julien Delfaud, Alex Gopher & Etienne De Crécy]
03. Grokster [feat. Etienne De Crécy]
04. Morpheus [feat. Etienne De Crécy]
05. Bit Torrent [feat. Boom Bass & Etienne De Crécy]
06. Audio Galaxy [feat. Etienne De Crécy]
07. G2 [feat. Mr Learn]
08. Soul Seek [feat. Etienne De Crécy]
09. Gifted [feat. DJ Mehdi & Etienne De Crécy]
10. Limewire [feat. Etienne De Crécy]
11. Overnet [feat. Alex Gopher & Etienne De Crécy]


mehr infos:
>> solid
>> etienne de crécy
>> superdiscount 2 album-stream [flash]
>> pias recordings
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schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

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