interview: broken spindles - köln - blue shell - 16.08.04.

joel peterson aka broken spindles                photo: courtesy of broken spindles/saddle-creek Mein reagierender Songwriting-Prozess...

"Joel Peterson is no stranger to multitasking." So steht es auf dem Waschzettel zu seinem aktuellen Album Fulfilled / Complete. Der hagere Mann aus Omaha, Nebraska. Zurückhaltend, distanziert, etwas schüchtern, stets eine Hand am Ellenbogen. So wirkt Joel Peterson wie ein Nerd. Wenn man seine Diskografie betrachtet, so wirkt er eher wie ein Arbeitstier. Jemand, der mit verschiedenen Projekten gleichzeitig ein Maximum an Qualität herausholen kann.
Da wäre zunächst einmal The Faint. Die Band, mit der er von einer Collge-Indie-Rock zu der abgefeierten Synthie-Punk-Band gewachsen ist, die gerade erst ihr mittlerweile viertes Album veröffentlicht hat. Dann noch die Noise-Rocker von Beep Beep, ebenfalls eine Saddle-Creek-Band, die in kein Schema passt. Und dann sein Solo-Lektro-Projekt Broken Spindles, das jetzt auch schon 2 Alben alt ist. Daneben ist er Video-Künstler, wenn man das so sagen kann. Da ergeben sich einige Fragen. Und auf die bekommt man am ehesten eine Antwort, indem man sie selbst stellt. Broken Spindles und Beep Beep waren zusammen für ein Konzert im Kölner Blue Shell, der Auftritt trotz der wenigen Besucher ein Audio-Visuelles Erlebnis.
Notiz für später: Nie wieder ein Interview in einem hippen Studenten-Lokal führen, dessen Angestellte Feierabend machen und uns hinaus komplimentieren wollen. Die Chartsmusik aus den Boxen gefiel uns beiden dann auch nicht.



waldar: Kannst Du mir bitte erst einmal etwas zur Idee bzw. Motivation hinter Broken Spindles sagen? Wieso Solo?
Joel: Erst einmal hatte ich den Wunsch, Musik zu machen die sich von The Faint unterscheidet. Ich spiele immer mit The Faint, bevor ich mit Sachen für andere anfange. Aber ich hatte Ideen die ich umsetzen wollte.

waldar: Ideen die völlig andere waren oder nur leichte Unterschiede?
Joel: Wie auch immer ich mich fühle...

broken spindles video footage          photo: waldar.twoday.net waldar: Okay, aber Du setzt ja auch Video-Animationen in Broken Spindles um. Und aus dem Video-Bereich kommt BS ja auch. Das Skateboard-Video eines Freundes?!
Joel: Er war derjenige, der mir den Floh in den Kopf gesetzt hat, etwas zu machen. Er arbeitete an einem Videoprojekt und wollte selbstgemachte Musik, die sonst keiner hatte. Also fragte er mich, ob ich welche für ihn machen würde.

waldar: Aber Du hast das Video nicht im Voraus gesehen?
Joel: Nein, er hat es sogar nie beendet.

waldar: Oh, ok. Aber war das schwierig, Musik für einen Film zu machen, den Du nicht gesehen hast. Bei dem die Bilder oder die Atmosphäre nicht zum Song passen könnten?
Joel: Naja, er wollte es passend zum Song schneiden. Er sagte: "Mach einen Song und ich mache das Video dazu."
Er hatte zwar eine Idee bezüglich des Inhalts, aber was den Schnitt anging absolut nicht.

waldar: Wie funktioniert BS eigentlich live? Du hattest jetzt Eric von Beep Beep dabei, dazu einen Beamer und die große Leinwand vor Euch. Soll da eigentlich eine Mauer zwischen Dir und dem Publikum sein?
Joel: Nein, nein. Die Bühne war nur so klein...
waldar: Aber Du hast keine Live-Video-Editing-Software dabei?
Joel: Nein, die Videos sind vorproduziert.

broken13 waldar: Wie läuft das mit den Aufnahmen? Filmst Du weiterhin oder war es das erst einmal?
Joel: Ich sollte das eigentlich regelmässig machen, aber momentan tue ich es so wie es mir nötig erscheint. Wenn ich mich dazu entscheide, eine neue Spindles-Idee umzusetzen, dann nehme ich mir Zeit und arbeite eine Weile daran.
Das Video, das Ihr heute Abend gesehen habt, habe ich vor einigen Monaten fertig gestellt.
waldar: Wer war eigentlich der Typ mit den schwarzen Haaren, der immer wieder im Video aufgetaucht ist?
Joel: Das war ein Freund von mir, sein Name ist James . Er lebt in Kalifornien.
waldar: War das eine kurze Episode aus seinem Leben oder war er ein Charakter im Video?
Joel: Beides, irgendwie.
waldar: Ich meinte eigentlich, ob es ein Skript gab.
Joel: Ich würde es nicht Skript nennen. Ich würde sagen, ich habe einen Flow geschrieben. So wie ich die Grund-Storyline haben wollte, aber ich würde es auf keinen Fall Skript nennen wollen.

waldar: Du hast dein "Self-Titled"-Album 2001 veröffentlicht, nicht wahr?
Joel: Ja, das war so im September/Oktober 2001. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern.
waldar: Und in der Zwischenzeit am neuen The Faint-Album und der neuen Spindles-Platte gearbeitet. Fielen da die Aufnahmen nicht in denselben Zeitraum wie die Arbeit für Beep Beep und "Wet from Birth"?
Joel: Ich habe tagsüber mit den anderen gearbeitet und abends, wenn ich zuhause war noch an Broken Spindles gearbeitet...

waldar: BS hat aber doch auch die Aufnahmen für die Faint-Platte beeinflusst. Ihr habt ja jetzt viele Streicher-Arrangements auf "Wet from Birth".
Joel: Ich hatte "Fulfilled/Complete" zuerst fertig gestellt und nahm das gesamte Wissen mit ins Studio. Dann haben die anderen die Sachen ausgewählt, die bei BS gut funktioniert haben. Broken Spindles war auf eine Art ein Testballon.

broken spindles video footage        photo: waldar.twoday.net waldar: Wie kam der Spindles-Style? Wusstest Du von Anfang an, in welche Richtung es geht, warst Du auf einen bestimmten Sound fokussiert?
Joel: Ich glaube, ich arbeite eher auf einer Track-zu-Track-Basis, als dass ich mir das Album als Ganzes vorstelle. Das kann sich immer noch ändern. Dieses Mal hatte ich mich immer nur auf einen Song konzentriert, diesen zu beenden.
Es wirkte so, als wollte ich beim nächsten Track das Gegenteil machen.
mal hatte ich eine Solo-Piano-Idee. Und dann dachte ich: "Okay, das hat Spaß gemacht... Aber jetzt möchte ich einen Rock-Song!"
Also machte ich einen guten Beat. Und dann dachte ich: "Oh, das war ein bißchen zu schnell. Also versuche ich mal etwas ruhiger zu werden."
Und als ich dann um die 7 Songs zusammen hatte - glaube ich - begann ich mir das Album als Ganzes vorzustellen. "Was fehlt mir, wenn das ein Album werden soll?" Welcher Song, welche Brücke, welcher Streicher...

waldar: War das nur bei "Fulfilled/Complete" so oder auch schon auf der "Self-Titled"?
Joel: Ich denke das war bei beiden so. Mein reagierender Songwriting-Prozess...
waldar: Auf dem ersten Album waren die ersten sechs, sieben Songs aber ein Ganzes, kleine Bridges verbanden die Songs. Mir kam es so vor, das diese Stücke einen bestimmten Handlungsablauf haben. Vor allem, da die S/T ja für das Videoprojekt gedacht waren...
Joel: Ja, das habe ich auf der ersten Platte definitiv versucht, einen Flow zu haben. Beim neuen Album habe ich mich nicht mehr so sehr darum gekümmert. Die Songs sind unter sich unterschiedlicher als auf der ersten Platte. Mit den zusätzlichen Vocals und all den anderen Elementen konnten die Songs für sich alleine stehen, statt miteinander verknüpft zu sein.

waldar: Wie waren denn eigentlich die anderen Shows von BS hier in Deutschland? Diese hier war ja sehr klein...
Joel: Ungefähr so, wie hier.
waldar: Wie geht man damit um, nach dem großen Erfolg mit The Faint jetzt wieder vor 20 Leuten zu spielen?
Joel: Das hier ist etwas komplett anderes. Aber gleichzeitig finde ich alle Aspekte von Live-Musik gut. Seien das einbeziehende Shows oder visuelle Eindrücke. Ich finde es gut, eine Band in einem kleinen Raum mit 20 Zuschauern zu erleben. Besonders wenn du es magst, oder das Publikum es mag. Du fühlst dich dann privilegiert dort zu sein, wo nicht so viele sind. Es ist aber auch aufregend, vor einer riesigen Menschenmasse zu spielen. Und The Faint spielt vor großen Menschenmaßen! (grinst)
Aber egal wie viele Leute da sind: wenn man sich darin verlieren kann und Spaß hat, dann mag ich das. Ich mag beides.

broken spindles video footage        photo: waldar.twoday.net waldar: Wenn ein kleines Publikum okay für Dich ist, was wäre dann eine Enttäuschung für Dich?
Joel: Das enttäuschenste bei einem Live-Gig wäre für mich, die Show nicht so machen zu können, wie ich es mir vorstelle. Da gibt es Millionen Variablen die dazu führen könnten.
waldar: Und das best-mögliche? Die Leute drehen durch?
Joel: Puh, ich weiß nicht ob ich bis jetzt eine wirklich gute Show hatte... (grinst breit) Lass uns darüber später sprechen...

waldar: Ich habe noch einige kurze Fragen zu Deiner anderen Band, Beep Beep. Du hast mit Chris zusammen gelebt?
Joel: Es gab da diese Zeit, da habe ich sowohl mit Chris als auch mit Eric zusammen gewohnt. Wir gingen in einer Nachbarstadt zum College, ungefähr eine Stunde von Omaha entfernt. Fast drei Jahre lang.

waldar: Und sie sind dann später auf Dich zugekommen und baten Dich, in ihrer Band mitzuspielen?
Joel: Wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine gemeinsame Band und blieben später in Kontakt. Ich wusste also ganz gut Bescheid, was mit Beep Beep ging. Ich versuchte auch immer, mir ihr neues Material anzuhören. Sie zu unterstützen und so. Dann entschied sich Katie (Muth, Anm. d. Verf.) - deren alte Bassistin - wieder zur Schule zu gehen; In einer anderen Stadt allerdings. Und sie dachten, ich würde das Loch, das sie hinterlassen hat, am Besten ausfüllen.

waldar: Und Du hast immer noch Freizeit?
Joel: Nein... (grinst und guckt verzweifelt) Nein, die habe ich nicht mehr... (wir lachen)


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>> review: broken spindles - fulfilled / complete
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>> interview: beep beep
>> erlebnisbericht: broken spindles / beep beep
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ich wusste jetzt nicht, wo ich reinschreiben sollte.....
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ZuN - 9. Feb, 14:32


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