tv on the radio / read yellow - münster - gleis 22 - 10.09.2004
tv on the radios go faster!TV on the Radio sind die Art von Band, die relativ schnell ein Gefühl absoluter Verzückung ausgelöst haben. Und mit ihrem ersten Album "Desperate Youth, Blood Thirsty Babes" nicht nur gute Songs, sondern vor Allem ein innovatives Musikverständnis mitgebracht haben. Begeisterte Stimmen aller Ortens, auch die Konzerte der 3-5 Jungs aus Brooklyn sollen grandios sein.
Gegen 21 Uhr waren jedoch mehr berechtigte Zweifel an dieser These im Raum als Konzert-Besucher. Das Gleis 22 war mit ca. 20 Besuchern sowohl nicht seinem Ruf gerecht besucht als auch weit davon entfernt, für eine gelungene Live-Atmosphäre zu sorgen.
Als 15 Minuten später der Support Read Yellow - und wir sprechen es "rät iellow" - auf die 30 Zentimeter Bühne kletterten konnten sie zumindest in 30 mehr oder minder erwartungsfrohe Augen blicken. Begleitet von dem obligatorischen "Wir kennen die Band nicht und die sollen uns erstmal überzeugen"-Halbkreis vor der Bühne legte die Band aus Boston dann los und hörte damit erst einmal für 20 Minuten nicht auf. Da gibt es gar keine Gelegenheit für Applaus oder Hasstiraden, da kann man nur weiter zuschauen (und eventuell mitgehen, wie der Junge Mann im Pyjama) oder weggehen."Man, ist das laut!" ist mein erster Gedanke. Mein erstes Konzert im Gleis 22 und die Anlage scheint eine Katastrophe zu sein. Ganz und gar nicht! Read Yellow haben die Amps bis zum Anschlag aufgedreht, der Gesang geht deshalb zeitweise komplett unter. Aber diese Leidenschaft... "Where have all the rude boys gone?" (sic!)
Gitarrist und Sänger Evan Kenney lässt alle alle guten Vorsätze gehen und in bester ...Trail of Dead / At the Drive-In-Manier ruhige, melodiöse Strukturen auf wütende und laute Passagen krachen, bis ihm der Schweiss in Sturzbächen von der Stirn läuft und die Schläfen zu dicken Balken anschwellen. Der rund einen Kopf kleinere Gitarrist Jesse Vuona verpasst seinem Co-Gesang einen etwas dramatischeren Eindruck, indem er den Mikroständer in der tiefstmöglichen, aufrechten Position einstellt und er sich Gitarre spielend zum Mikro runterbeugen muss."Verdammt, ist das laut!" Eine Spur weniger Lautstärke hätte es wohl auch getan. Eine Spur mehr Euphorie hätte Bassistin Michelle Kay Freivald mit auf die Bühne bringen können. Die unbeteiligte, kühle Bassistenrolle abzuspulen, während sich die beiden Jungs neben ihr ins Zeug legen, kommt weder gut für das Publikum noch schafft das eine unnahbare Atmosphäre. Was sagt man über Drummer? Paul Koelle ist mit Sicherheit die Art von Drummer, der mit seinem Kit am liebsten ganz vorne stehen würde oder auch wie Evan im Publikum auf die Knie fallen und singen wollte.

35 Minuten Live-Brett in bester Post-Punk/HC-Art einer energiegeladenen Band, die sich mit ihrem Debut "Radios Burn Faster" schnellstens einen Vertrieb bzw. ein Label für Europa suchen sollte. Keine Zugabe, Applaus, Vorhang zu, Umbau, mittlerweile ca. 60 Besucher. Da geht noch was!
Ein Weißer inmitten von Afro-Amerikanern! Aaah, das erinnert mich spontan und stark an Woody Harrelson in "White men can't jump", wie Multi-Instrumentalist und Liars / Yeah Yeah Yeahs-Produzent David Andrew Sitek da neben den anderen vieren von TV on the Radio steht. Aber genau wie im Film: Der zeigt es allen! Sänger Tunde Adebimpe ist noch größer als ich mir ihn vorgestellt habe, seine Hände sind bestimmt groß genug, um einen Basketball zu umschliessen. Und vor allen Dingen während des Konzerts eindrucksvoll damit zu gestikulieren.Das Gesicht von Gitarrist und Tenor-Gott Kyp Malone gibt gerade mal Nase, Stirn und Augen her, der Rest ist von einem riesigen Afro, einer Brille und einem stattlichen Vollbart bedeckt.
"Viel besser der Sound!", denke ich mir. Passt bei dieser Band allerdings auch besser und wirkt angebrachter. TVotR starten mit "You could be fresh" ins Set und treffender könnte ich ihren Stil auch nicht bezeichnen. Stellenweise Gang of Four-Tanzbarkeit, Gospel-Aliker Soul, poppig, catchy, rauhe Gitarren und süsse Elektronika. It is oh so unique.Ein Bass zuckt über die Bühne als "The wrong Way" beginnt. Der dem Bass zugehörige Musiker steht schon seit Beginn der Show mit seinem Instrument vor einem Amp, den Rücken Richtung Publikum. Ist das gezielte Tiefstapelung, Introvertiertheit oder einfach scheu? Egal. Im Gegensatz zur Vorband wirkt diese konsequente Verweigerung gegenüber den mittlerweile rund 120 Zuschauern eigentlich ganz cool und außerdem machen Kyp und Tunde hier die Show.
Mit "Dreams", "Staring at the Sun" und "Wear you out" bringen die 5 dann Albumstücke, bei "Staring at the Sun" sind dann auch alle Zuschauer schwer damit beschäftigt zu tanzen, grinsen, Liebste zu küssen oder mitzusingen. Etwas anderes lässt der Song wohl auch kaum übrig.Das darauf folgende "Satellite" ist wohl der beste Grund, teuer Geld zu zahlen und sich die "Young Liars"-EP zu kaufen. Ein prickelnd schneller Schlagzeug-Beat, ein schwitzender Bass, dazu konträr ruhige soulige Lyrics. Tunde ist ein Sänger vor dem Herrn, erwähnte ich das bereits? Und dann erst Gestik und Mimik als er "Poppy" anstimmt.
Nach ca. 50 Minuten wollen die Fünf dann Backstage (,Baby), dringend benötigtes Wasser und Frischluft tanken. Eine artige Bedankung, bei der es Dank des außerordentlichen Engagements des Gleis-Publikums nicht bleibt. Zwei Songs müssen wohl oder übel noch sein. Dann ist Schluss, auch wenn von vor der Bühne weiterhin lautstark geklatscht und gejubelt wird.
Diese Band löst übrigens aller Ortens absolute Verzückung aus. Auch bei mir!
tv on the radio auf tour:
16.09.04 Düsseldorf @ ZAKK
mehr infos:
>> tv on the radio>> young liars weblog
>> touch and go records
>> tv on the radio - desperate youth, blood thirsty babes [
>> tv on the radio - staringh at the sun [
>> read yellow>> fenway recordings
>> lonesome recordings
>> read yellow - radios go faster [flash/album stream]
lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 15. Sep, 12:09
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