punk soul loving bill - kaiserwetter ep [give us your money rec.]
Punk Soul Loving Bill sollte man hassen! Irgendwie. Warum so reisserisch? Nein, soll gar nicht schlecht anfangen. Es ist diese schreckliche Catchyness, dieses Kleben bleiben am Ohr, das am Nerv zehrt.Das soll auch schon gar nicht à la _ _ _ _ (Bitte hier den aktuellen Sommer-Chart-Hit einfügen) klingen. PSLB schreiben Elektro-Pop-Songs mit einfachen Texten. Fröhlich-melancholisch, warm-kühl, keine komplizierten Liebeserklärungen mit X Schnörkeln, keine Parolen und dieses ganze Programm.
Na gut, Parolen schon, folgt man denn der Pflegeanleitung auf dem Waschzettel. Verbindet man einen Song wie "Auf die Strassen" mit dem 1. Mai oder SO36 und versteht das dann auch ernsthaft so, dann kann man wirklich Parolen finden. Ist man da eher etwas unbefangener, dann ist das die Anleitung für Spaß mit Freunden. Habe ich was falsch verstanden? Ja? Egal, weitermachen, wir sind nicht zum Vergnügen hier! Oder vielleicht doch?
"In zwei Jahren 100 Stücke" liest man da weiter. Da müsste man erst einmal Respekt zollen oder die Stirn runzelnd fragen "Und wo bleibt das Album?"
Das kam bereits als Eigenproduktion mit 29 Songs raus, jedoch noch unter dem damaligen Band-Namen - und jetzt auf die Länge achten - "Punk Soul Loving Bill and the Rod Taylor Body Double Merchandise" heraus. Hui! Und noch ein zweites Namens "Kaiserwetter", auch völlig DIY.
"Kaiserwetter" ist auch 2004 angesagt, auf der gleichnamigen EP nämlich. 6 Songs im Quietsch-Gelb-Elektro-Deutsch-Pop-Format ohne nationalen Touch oder Pathos, auf rundgepresstem 10"-Vinyl und erschienen auf dem jungen Bielefelder Label Give us your Money.
Hier und da poltert kurz eine richtige Elektrogitarre (Ja!) durch den Synthie-Wald, macht kurz im Unterholz Krach, aber auch nicht so richtig. Der Drum-Computer verjagt Eulen und andere Vögel aus den Ästen, Jana Duda pflückt bunte Blumen und findet den "Sommer" an sich ganz gut aber auch nicht. Verwirrt? Ja, ich auch!
Und dann der Grund für die Verteufelung zu Beginn der Kritik: "Sitzen". Prädikat "verhängnisvoll" kann man da getrost sagen. Wenn Fräulein Duda mehr vor sich hinsagt als -singt, doch mal wieder zu "sitzen", zu "denken", "schweigen", "nichts tun", "träumen" und "gucken obs noch schön ist", dann nistet sich rechts vor dem Hypothalamus diese Melodie ein, das Reimschema und denkt gar nicht daran, zu verschwinden. Okay, der Text an sich bleibt vielleicht nicht so lange. Aber Tage später singt man dann ohne es selbst richtig zu registrieren etwas von "sitzen", "witzen", "spitzen" und so weiter. Ohrwurm, eben!"Fortschritt und Krise". Ja, wie jetzt? Doch instrumental? Aber sowas von! Herr Kat D.D.Rokk von der Ascii Disco ohne Speed, Koks und Lyrics, bisschen My Robot Friend vielleicht noch oder was von den düsteren The Modernist-Sachen. So klingen also Daniel Völzöw, Sascha Brohn und Matthias Albrecht, wenn Jana Duda irgendwo herumhüpft.
Gelungene Sache im Ganzen, stellenweise wirken die Texte ein bisschen naiv, aber das sollen sie vermutlich auch. Viele Anführungszeichen waren das jetzt, nichts soll relativiert klingen. Um mit einem Filmzitat zu schließen: "Das ist ausbaufähig!"
tracklisting:
01. auf die straßen
02. lass uns raus
03. eine nacht
04. sommer [
05. sitzen [
06. fortschritt und krise
mehr infos:
>> punk soul loving bill
>> give us your money records
lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 15. Sep, 10:05
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Das.Teil - 19. Sep, 13:02
"sitzen" ist ein ohrwurm, ein großartiger, irgendwie herrlich süß bescheuert. danke für den tipp.



























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