the faint - wet from birth [saddle-creek / indigo]
Leicht zittrige Finger, als das Päckchen ankommt. Umschlag öffnen. Hineinblicken. Kurz den Blick heben und schmachten. Dann die CD herausnehmen, einlegen und einfach rotieren lassen. So ging das vor einigen Wochen zu. Die Rotation hält bis heute an.Seit diesem Tag im Herbst 2001 haben (mich) The Faint nicht mehr enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Mit "Danse Macabre" legten sie die Latte höher, machten noch mehr Spass. Dann gab es da noch die Remix-Alben zu "Blank-Wave Arcade" und "Danse Macabre", die "Mote-Dust"-EP, verschiedene Remixe für andere Bands, Soloprojekte und eben das ständige Warten auf einen ebenbürtigen Nachfolger.
"2004 is the Neue Anachronismus!" So könnte die Titelzeile in einem anderen Musikmagazin lauten, treffend wäre sie trotzdem. Auch "Wet from Birth" kommt wieder elektronisch daher, alles andere wäre allerdings auch eine Enttäuschung. Die stetige Veränderung, die immer wieder stattfindende (R)Evolution und zeitgleich der immer stärkere Rückgriff auf die Wurzeln der 80er. Dieses Album ist wieder seiner Zeit voraus und aber auch nicht. Setzt erneut Maßstäbe, was die Grenzleistung von Synthies als auch Punk-Gitarren angeht. Und ist auch in einem weiteren Punkt weiter vorne als andere: Immer wieder tauchen überbordende Streicher-Arrangements, teilweise prunkvolle Orchestrierung und Chorgesang auf, verpassen der Platte damit einen Glanz vergangener Tage ohne eine Sekunde alt zu klingen. Eigenständigkeit, das ist The Faint immer noch wichtig.Dennoch wirkt "Wet from Birth" reduzierter, was die Elektronik angeht. Gitarre und Schlagzeug treten stärker in den Vordergrund. Auch die klassischen Arrangements kommen nicht aus der Konserve, ein Orchester wurde engagiert bzw. sie spielten die Stücke selbst ein.
Thematisierung. Sex. Tod. Geburt. Eine Trilogie? Das Schließen des Kreises? Nicht ganz. "Wet from Birth" hat keinen direkten Bezug zum Thema Geburt. Abgesehen von "Birth", dem letzten Song des Albums. Ein düsterer Song, eingeleitet von einer melancholisch klingenden Gitarre, dann krachig von Bass und Schlagzeug begleitet. Die Geschichte über die Geburt von Sänger Todd Baechle. Verstehen wo man herkommt. Was man ist.
Aufgenommen dort, wo alle irgendwie anfangen: Nicht im Hochglanz-Studio, sondern in einer kalten, unbeheizten Lagerhalle. Im Winter, mit Handschuhen und Mützen, dicken Jacken und einem abgefuckten Surrounding. Auch eine Erklärung, warum The Faint anders klingen, als andere Bands.
Synthie-80s-Lektro trifft Club-Beat-Banging, Gitarren-Punk knallt auf Poppige Streicher-Kompositionen, verfrickelte Beats auf klare Strukturen. Der Schlag ins Gesicht trifft die Tanzfläche. Wieder einmal. Omaha hat seine Hausaufgaben gemacht.
track listing:
01. Desperate Guys
02. How Could I Forget
03. I Disappear [
04. Southern Belles in London Sing
05. Erection
06. Paranoiattack
07. Drop Kick the Punks
08. Phone Call
09. Symptom Finger
10. Birth [
mehr infos:
>> the faint
>> the faint - wet from birth microsite
>> the faint - i disappear [
>> saddle-creek
>> indigo
>> review: broken spindles - fulfilled / complete
lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 9. Sep, 14:04
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