beep beep / broken spindles - köln - blue shell - 16.08.04
Das war so eine Show, die schon 2 Wochen vorher immer wieder irgendwo angepriesen wurde. Über die ich mich schon im Voraus mit zig Menschen unterhalten habe, wider irgendwelcher Kenntnisse, wie die beiden Bands denn wohl live sein könnten. Da gab es nur grobe Vorstellungen und Erwartungen. Wenn Beep Beep live nur 10 Prozent so gut seien, wie sie es auf ihrem Debut "Business Casual" sind, dann würden diese Erwartungen voll und ganz erfüllt. Dann würde das ein wildes Konzert werden, mit hochgerissenen Fäusten und so weiter.Bei Broken Spindles sah das schon etwas anders aus: "Fulfilled/Complete" und die "Broken Spindles" Self-Titled-LP sind großartige Alben, die allerdings streckenweise weniger dancy sind, atmosphärische Löcher klaffen lassen und auch mal verfrickelt klingen.
Das Blue Shell hat mich schon mehrfach davon überzeugt, dass es einer der besten Orte in Köln für kleine, intime Konzerte ist. Vor allem für kleine, intime, gute Konzerte!
Montag Abende scheinen trotzdem irgendwie abschreckend für Konzertbesuche zu sein, denn eigentlich hätte man sich bei zwei Bands, auf denen "Saddle Creek" draufsteht, mehr als die 30-40 anwesenden Leute erwarten dürfen. Schade, vor allem, weil davon locker nochmal 12+ Leute auf Gästeliste angereist sein dürften. Berlin muss schon eine atmosphärische Katastrophe gewesen sein, und da war es Sonntag. "Ich hatte das Gefühl, die würden mich mit Ihren Augen lynchen. Die haben nur da gestanden und mich angestiert! Es war schlimm!"
Wahrlich "rosige" Aussichten, die Beep Beep-Gitarrist und Sänger Chris Hughes vor derm Konzert heraufbeschwört, man hat ja immer so ein wenig Lokalpatriotismus dabei, die eigene Stadt vor dem Ruf einer Konzertuntauglichen zu bewahren. Gespannte Thekengespräche, abgeklärte "Erst mal anschauen" und erwartungsvolle "Die sind sowas von super"-Aussagen sind zu hören. Gemischtes Publikum, vorzugsweise Mitte 20, gerne auch darüber, zwei Kinder sitzen zur rechten seite der 3 Meter breiten Bühne des Blue Shells, ganz brav und artig warten sie, schaukeln mit den Füßen und stützen die Hände auf die Polsterbänke.
Das ist ganz hilfreich, denn Beep Beep poltern langsam los. Der 23-jährige Mike Sweeny lässt die ersten Drum-Beats kommen, dann eine Gitarre, Bass... Wieso dachte ich bei Beep Beep eigentlich immer nur an einen Sänger? Chris Hughes und Eric Bemberger lassen Ihre Stimmen asynchron zu "I am the Secretary" ankämpfen, Joel Peterson steht etwas abseits und gibt den introvertierten Ruhepol der Band. Irgendwie habe ich mir die Band anders vorgestellt, wilder im Aussehen irgendwie, weniger die Normalos, die jetzt vor einem stehen. Aber das waren Saddle-Creek-Bands eigentlich nie: Die großen Schönlinge und Rockstars. Hughes mit kurzen blonden Haaren, Hornbrille und Gummi-Nacken-Band an deren Bügeln, Bemberger in violetten Polo-Shirt mit Joker-Grinsen und weit aufgerissenen Augen. Bis hierhin wahrt das gesamte Publikum einen Sicherheitsabstand von ca. 2 Metern, man könnte sich vielleicht mit Tollwut oder sonstwas anstecken, so legen sich die Jungs jetzt in "Oh No!" rein.
Insgesamt fällt ihr Set mit 8 Songs ohne Zugabe (Lärmschutz!) etwas kurz aus, denoch energiegeladen und trotz der geringen Besucherzahl hängen sie sich voll in jeden Song rein. Das auch der Dancehall-Smasher "Electronic Wolves" kommt, würde normalerweise wohl TANZEN bedeuten. An diesem Abend klingt der Song gut, ein wenig nach Radio 4, getanzt wird wohl beim nächsten mal.
Zwischenzeitlich sieht es so aus, als ob Hughes jeden Augenblick die Schläfen aufplatzen und die Augen aus den höhlen herausfallen würden. Peterson weiterhin schön im Hintergrund, welche Figur er wohl normalerweise als The Faint-Bassist macht? Bei Beep Beep ist er nur als Back-Up für die ausgeschiedene Kathie Muth mit dabei, war als ehemaliger Mitbewohner von Chris und Eric immer irgendwie auf dem laufenden und ein guter Bassist ist er so oder so.
Applaus. Yeah. Zugabe! Auch wenn Köln eine Zugabe verdient hätte, gibt es keine. Wie bereits erwähnt muss sich das Blue Shell den Nachbarn beugen und außerdem sind Beep Beep
" [...] only the support for Broken Spindles. We're not even having an album out over here and you're asking for more... We'll be back in november/december. See you!"
Also gut, das Album kommt am 23. August und wird ein Superblast!
Kurze Pause, mal nach draußen gehen, Luft schnappen. Drinnen wird mit dem Umbau begonnen. Ein abgerocktes Keyboard, ein kleiner Sequencer aufgebaut. Auf der Bass-Drum wird ein Beamer positioniert, vor der Bühne eine 2 auf 1 1/2 Meter große Leinwand drapiert. Ob die denn immer die Bühne verdecken würde und Broken Spindles nur im Hintergrund stattfinde?"No! Usually it is right behind me, but actually this stage is so small, we have to arrange it in front of us."
Joel Petersons Kommentar zu den räumlichen Gegebenheiten, beim Einsetzen der ersten Synthie-Klänge sieht man ihn nur kurz zwischen Leinwand und Verstärkern auftauchen, auf der linken Seite dasselbe mit Eric Bemberger, der auf der Broken Spindles-Tour Gitarre für Joel spielt. Peterson selbst hat sich vor sein Keyboard gequetscht, den Bass umgehängt und betreibt Multi-Tasking.
Passend zur Musik werden Video-Clips vom Beamer an die Leinwand geworfen, alle selbst von Joel gefilmt, geschnitten, arrangiert. Alle Video-Snippets sind mit Effekten belegt, zeigen häufig einen Mann mit schwarzem Sakko und kurzen dunklen Haaren. Ein Freund von Joel, den er mit der Kamera durch dessen Alltag begleitet hat - mit Hilfe eines groben Ablauf-Skriptes. Die Video-Animationen passen erstaunlich gut zu den einzelnen Songs, die Schnitttechnik ist mal ruhiger, mal hektischer. Ursprünglich war Broken spindles nur als Soundtrack zu einem Videoprojekt gedacht. daraus entstanden ist eine Video/Audio-Live-Performance. Besonders überraschend war, wie gut die Live gespielte Gitarre sowie der Bass in die Sterilität der Videocollagen hereinpassen.Knapp 40 Minuten audiovisuelle Eindrücke aus beiden Alben später steht das Publikum immer noch mit dem gleichen Ausdruck im Gesicht vor der Leinwand, sieht das letzte Flimmern des Beamers, hört die letzten Klänge aus "Fulfilled/Complete" und ist zufrieden. Man hätte sich hier und da sicherlich mehr Begeisterung wünschen können, aber auf begrenztem Raum Menschen mit Video-Snippets zu konfrontieren und zu erwarten, dass sie auf diese tanzen würden, wäre wohl etwas zu viel erwartet.
Was bleibt: Ein runder Abend, sicherlich ausbaufähig. Zwei aufregende Bands in intimer Atmosphäre. Zwei Musik-Konzepte die unterschiedlicher und zugleich ähnlicher nicht sein könnten. Eine Erfahrung mehr. Eine gute!
mehr infos:
>> beep beep
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>> saddle creek records
>> review: beep beep - business casual
>> interview: beep beep
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lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 18. Aug, 16:18
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