interview: naked lunch - köln - gebäude 9 - 02.04.2004
Wir wollten auch nicht enden wie 'AC/DC' oder die 'Rolling Stones'..."
Halb Österreich war Freitags nach Köln gereist. Neben der 'Mediengruppe Telekommander' gaben sich auch die Jungs von 'Naked Lunch' die Ehre. Das Urgestein der österreichischen Musikgeschichte. Das Krebsgeschwür der Musikindustrie. Die letzte Bastion des Non-Konformismus. Totgesagte leben länger! Dieser Satz trifft bei Naked Lunch genau ins Schwarze.
5 Jahre nach ihrem letzen Release kehren sie mit "Songs for the Exhausted" fulimant zurück. Weg vom Rock der späten Neunziger, hin zum experimentellen und intelligenten Pop lautet nun die Divise.
Da saßen der liebe Markus und ich nun, zusammen mit Sänger und Gitarrist Oliver Welter.

markus: Wie ist es wieder da zu sein nach all den Jahren?
Oliver: Was soll ich sagen? Es ist super, wunderbar halt.
markus: Der Titel Eures Album lautet "Songs for the Exhausted". Kann man sagen, dass dieses Album eine Art Vergangenheitsverarbeitung ist?
Oliver: Es ist ein Abbild der Situation in der wir uns für längere Zeit befunden haben.
markus: Zwischen dem aktuellen Album und liegen gut 5 Jahre dazwischen. Was kann man denn dann konkret verarbeiten in der Zeit?
Oliver: Alles! Man weiß selbst was einem in fünf Jahren alles so passieren kann. Es gab sehr viele Sachen die man auch nicht nach außen trägt. Die man nicht konkret fest macht. Man ist ja nicht 'Herbert Grönemeyer' und klagt sein Leid. Es sind halt extreme Situationen, die alle nicht so einfach waren. Zum Beispiel, dass ich ein dreiviertel Jahr auf der Strasse gelebt habe. Ich hatte keine Wohnung und habe aus dem Auto heraus gelebt. Das hat echt eine Form von Existentialismus die nicht mehr lustig ist.
waldar: Wenn ich in Eurer Bio lese: "Liebe ist das natürlichste schmerzstillende Mittel der Welt", dann ist 'Songs for the Exhausted' was...?
Es ist ja ein sehr komplexes Album das von einer sehr negativen Stimmung getragen wird und schließt das Liebe mit ein oder ist es eher eine Abrechung mit der Liebe?
Oliver: Sowohl als auch. Du hast das Album schon gut verstanden. Der Satz ist von 'William S. Burroughs', der kann den Satz eh am besten beschreiben. Das kann ich am besten zeigen an Texten wie bei "The Deal" wo über die Liebe gesungen wird, aber das ganze wie ein Geschäft abgehandelt wird.
Ich bin schon der Meinung, dass es die größte Kraft ist die der Mensch erliegen kann oder ihn in Gewisserweise zu guten Taten führt. Aber: Beim Verlust von Liebe halte ich es oft für sehr tragisch. Es ist wirklich die größte Tragik die einem überhaupt passieren kann. Ich habe jetzt so gesehen eine harte Form gefunden um somit mein Leben zu beschreiben. Und wir haben als Band diese Phase durchlebt und keiner hat sich an den Baum gehängt. Sonst würden wir ja auch heute Abend nicht hier sein.
waldar: Steckt sehr viel von Euch persönliches in dem Album?
Oliver: Ganz konkret: Ja. Das einzige Beispiel was ich jetzt anführen möchte ist, dass unser ehemaliger Bassist sich tot gesoffen hat und mit 31 Jahren dahin geschieden ist. Das ist jetzt 2 Jahre her und das muss einfach nicht sein, dieser Suizid auf Raten der über 10 Jahre bei ihm gedauert hat. Aber wie gesagt. Zeugen solcher Dinge wird jeder Mensch irgendwann mal. Um unsere Negativhaltung gegenüber den Dingen zu erreichen brauchst du gar nicht einmal persönliche Schicksalsschläge zu erleiden. Es reicht ein Blick in die Welt nach draussen. Frag dich mal: "Wie funktioniert die Welt?". "Wie funktioniert das System und unsere Gesellschaft?" Man erkennt, dass nix funktioniert. Meiner Meinung nach leben wir in Menschenverachtenden Systemen.
waldar: Betrachtet ihr euch von daher als politische Band oder politische Menschen? Ihr reflektiert also dass ihr in diesem System unzufrieden seit. Kann man sagen, dass ihr anhand eurer Texte dies Ausdrücken möchtet?
Oliver: Wir haben in diesem Sinne keine ofensichtlich politische Message, da wir als Band nicht politisch sind. In unserem Privatleben schon. Das äußert sich so, dass ich 10 Jahre lang Bundeswehr-flüchtig war. Ich hab denen gesagt, dass sie mich am Arsch lecken können. Was sollen die auch tun? Es äußert sich halt in konkreten Haltungsweisen. Eigentlich ist es ja schon ein politisches Statement wenn man nicht im Fernseher auftritt. Man sagt, dass man halt nicht Teil dessen werden will und das ist ja schon eine Verweigerung von Informationen. So was kann man halt als Statement werten. Ich habe echt nicht Wunsch ein Teil dieser Welt zu sein. Die Medien gaukeln uns eh was vor. Ich glaube, dass die Band und ich die Letzten sind, die man für Werbetexte brauchen könnte.
markus: Auf die Musik bezogen: Das erste Album war noch rockig und dann ging es Schritt für Schritt in einer experimentelle Phase! Bezieht sich die Entwicklung anhand des eben schon erwähnten oder spielen auch musikalische Fähigkeiten und Euer Alter eine Rolle?
Oliver: Es geht hier nicht um das wahre Können. Früher haben wir als Rock-Trio mehr gezeigt was wir musikalisch drauf haben. Es hat sicherlich auch was mit dem Alter und der daraus resultierenden Beschäftigung mit anderen Dingen zu tun. Wir wollten auch nicht enden wie 'AC/DC' oder die 'Rolling Stones', dass ich mit Fünfzig den Rockgitarristen geben muss und die Songs spielen muss die man vor 20 Jahren geschrieben hat. Das ist ja furchtbar.
Es ging einfach darum, dass man sich auch mal musikalisch öffnet. Ende der Neunziger lag ja auch Rock- und Indie-Musik am Boden. Es gab ja nicht wirklich etwas was gut war. Dann schaut man auch musikalisch über den Tellerrand und entwickelt sich weiter.
waldar: Noch mal zum Thema Verweigerung: Ist das ein Grund warum 'Naked Lunch' schon so lange existieren und nach all den Niederschlägen auch immer wieder aufstehen und zurückkommen?
Oliver: Nee, das nicht. Wir sind jetzt keine Band der Verweigerer. So blöd sind wir ja nicht. Sobald wir einen Deal haben - und wir haben einen Deal mit einer großen Firma - müssen wir da mitfahren im Strom. Das ist ganz klar. Aber man kann es trotzdem zu einem gewissen Teil regulieren. Zum Beispiel haben wir auch ein Musikvideo. Aber das ist genauso wie wir es für gut empfinden. Das ist alles. Diese kleinen Zugeständnisse, die wir früher gemacht haben machen wir heute nicht mehr. Wir haben uns oft genug selbst ins Knie geschoßen. Es gibt kaum eine andere Band die es geschafft hat, innerhalb von 10 Jahren nur 2 Alben zu machen. Das ist ja gegen alle Regeln der Marktmechanismen.
Nur weil der Markt verlangt eine neue Platte zu bringen; das ist nicht der Grund warum wir Musik machen. Die Leute vergessen ja sehr schnell und man ist dann schneller weg vom Fenster als einem lieb ist. Was soll?s. Jetzt müssen wir uns halt wieder eine neue Gemeinde erspielen.
markus: War es schwer ein neues Label zu finden?
Oliver: Ja sicher! Gerade weil wir als verbrauchte, tote Band galten. Ganz einfach.
markus: Ihr habt alle drei Alben auf einem Major veröffentlicht. Ich finde es doch merkwürdig, dass eine Band mit eurem Potenzial dann bei einer Label-Suche nicht auf einen Indie greift.
Oliver: Wir haben für diese Platte jetzt überhaupt kein Angebot von einem Indie bekommen. Nicht eins.
markus: Und dann kam Patrick Wagner und hat euch von den Toten wieder auferstehen lassen. Wie kam es dazu? (Patrick Wagner: Frontmann der Berliner Band 'Surrogat' und momentan A&R bei Motor. -Anm. des Verf.)
Oliver: Er fand die Platte super. Wir wollten eigentlich fast schon mit der Labelsuche aufgeben und als letzte Konsequenz ein eigenes Label gründen. Dann kam halt der Patrick Wagner ins Spiel, der seit kurzem bei Motor als A&R arbeitete. Er sagte uns, dass er es machen würde weil es ihm super gefällt was wir gemacht haben und vor allem weil es auch bei Motor intern Widerstände gegen uns gab. Das wiederum hat den Patrick noch mehr motiviert.
waldar: Wie ist es denn jetzt bei Motor zu sein. Vor allem in Hinblick auf die ganze Umstrukturierung in der Musikindustrie. Es ist ja zu hören, dass Universal (Mutterkonzern von Motor. -Anm. des Verf.) jetzt enorm Stellen abbaut. Habt ihr da Angst, dass dieser Wandel der dort von statten geht, sich auf euch niederschlagen könnte?
Oliver: Wir haben insofern keine Angst, da wir wissen, dass nur dieses Album als Veröffentlichung bei Motor geplant war. Und wir wissen auch nicht, was jetzt passiert. Ich habe gestern gelesen, dass EMI fünfzig Prozent seiner Acts weltweit dropt. Man packt halt den Rotstift und schaut: Diese Band hat weniger als 100.000 Alben und weg damit. So wird es sicherlich auch bei Motor bzw. Universal jetzt laufen. Ich bin mir sicher, dass wir eine gewisse Hürde nicht schaffen werden. Wir verkaufen ja nicht so viele Platten wie die Sportfreunde oder Rammstein. Und was dann passieren wird, weiß ich nicht. Aber es werden auch Bands dran glauben müssen. Ich mache mir jetzt keine Gedanken um uns.
Wenn Motor die Platte nicht gemacht hätte, hätte es wahrscheinlich jemand anders getan oder wir selbst halt. Andere Bands werden aber sicherlich Probleme kriegen, da sie nicht mit Rückschlägen fertig werden. Wir hingegen sind es ja gewohnt, ständig wieder von Null anzufangen. Wenn jetzt junge Bands plötzlich ohne Vertrag da stehen und sich fragen "Was machen wir jetzt?" Muss es heißen: "Jetzt erst recht!"
waldar: So gesehen habt ihr kein zweites Standbein neben der Musik
Oliver: Nee. Wir machen nur Musik. Wir machen die unterschiedlichsten Sachen die mit Musik irgendwie in Verbindung steht, u. a. Produzieren oder Theatermusik komponieren.
markus: Bei den ganzen Erfahrungen die ihr habt. Ist man bei der Zukunftsplanung noch vorsichtiger?
Oliver: Ja! Natürlich! Wir sind jetzt nicht so naiv und denken, dass das Album jetzt voll durchstartet und wir eine rosige Zukunft haben werden. Wir gehen jetzt nur noch Schritt für Schritt mit der Gewissheit, dass wir auf jeden Fall irgendwann noch mal ein neues Album machen werden. Das ist unser Ziel woran wir arbeiten.
tour geht weiter:
10.04.2004 a-steyr röda*
11.04.2004 a-ebensee kino
14.04.2004 a-graz orpheum
15.04.2004 a-wien flex
16.04.2004 a-linz posthof
17.04.2004 a-innsbruck treibhaus
18.04.2004 a-feldkirch rauchclub
19.04.2004 frankfurt cookys
20.04.2004 bremen tower
21.04.2004 hamburg tanzhalle
22.04.2004 bielefeld kamp
23.04.2004 münchen atomic cafe
24.04.2004 magedburg projekt 7*
25.04.2004 leipzig moritzbastei*
26.04.2004 berlin knaack*
27.04.2004 erlangen e-werk*
28.04.2004 heidelberg karlstorbahnhof*
29.04.2004 ulm nu bahnhof*
01.05.2004 klagenfurt messehalle1
27.05.2004 augsburg kerosin tbc
28.05.2004 neustrelitz immergut festival
29.05.2004 passau pfingst open air
16.07.2004 ulm obstwiesenfestival
26.06.2006 a-wien donauinselfest
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naked lunch
motor music
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Halb Österreich war Freitags nach Köln gereist. Neben der 'Mediengruppe Telekommander' gaben sich auch die Jungs von 'Naked Lunch' die Ehre. Das Urgestein der österreichischen Musikgeschichte. Das Krebsgeschwür der Musikindustrie. Die letzte Bastion des Non-Konformismus. Totgesagte leben länger! Dieser Satz trifft bei Naked Lunch genau ins Schwarze.
5 Jahre nach ihrem letzen Release kehren sie mit "Songs for the Exhausted" fulimant zurück. Weg vom Rock der späten Neunziger, hin zum experimentellen und intelligenten Pop lautet nun die Divise.Da saßen der liebe Markus und ich nun, zusammen mit Sänger und Gitarrist Oliver Welter.

markus: Wie ist es wieder da zu sein nach all den Jahren?
Oliver: Was soll ich sagen? Es ist super, wunderbar halt.
markus: Der Titel Eures Album lautet "Songs for the Exhausted". Kann man sagen, dass dieses Album eine Art Vergangenheitsverarbeitung ist?
Oliver: Es ist ein Abbild der Situation in der wir uns für längere Zeit befunden haben.
markus: Zwischen dem aktuellen Album und liegen gut 5 Jahre dazwischen. Was kann man denn dann konkret verarbeiten in der Zeit?
Oliver: Alles! Man weiß selbst was einem in fünf Jahren alles so passieren kann. Es gab sehr viele Sachen die man auch nicht nach außen trägt. Die man nicht konkret fest macht. Man ist ja nicht 'Herbert Grönemeyer' und klagt sein Leid. Es sind halt extreme Situationen, die alle nicht so einfach waren. Zum Beispiel, dass ich ein dreiviertel Jahr auf der Strasse gelebt habe. Ich hatte keine Wohnung und habe aus dem Auto heraus gelebt. Das hat echt eine Form von Existentialismus die nicht mehr lustig ist.
waldar: Wenn ich in Eurer Bio lese: "Liebe ist das natürlichste schmerzstillende Mittel der Welt", dann ist 'Songs for the Exhausted' was...?
Es ist ja ein sehr komplexes Album das von einer sehr negativen Stimmung getragen wird und schließt das Liebe mit ein oder ist es eher eine Abrechung mit der Liebe?
Oliver: Sowohl als auch. Du hast das Album schon gut verstanden. Der Satz ist von 'William S. Burroughs', der kann den Satz eh am besten beschreiben. Das kann ich am besten zeigen an Texten wie bei "The Deal" wo über die Liebe gesungen wird, aber das ganze wie ein Geschäft abgehandelt wird.
Ich bin schon der Meinung, dass es die größte Kraft ist die der Mensch erliegen kann oder ihn in Gewisserweise zu guten Taten führt. Aber: Beim Verlust von Liebe halte ich es oft für sehr tragisch. Es ist wirklich die größte Tragik die einem überhaupt passieren kann. Ich habe jetzt so gesehen eine harte Form gefunden um somit mein Leben zu beschreiben. Und wir haben als Band diese Phase durchlebt und keiner hat sich an den Baum gehängt. Sonst würden wir ja auch heute Abend nicht hier sein.
waldar: Steckt sehr viel von Euch persönliches in dem Album?
Oliver: Ganz konkret: Ja. Das einzige Beispiel was ich jetzt anführen möchte ist, dass unser ehemaliger Bassist sich tot gesoffen hat und mit 31 Jahren dahin geschieden ist. Das ist jetzt 2 Jahre her und das muss einfach nicht sein, dieser Suizid auf Raten der über 10 Jahre bei ihm gedauert hat. Aber wie gesagt. Zeugen solcher Dinge wird jeder Mensch irgendwann mal. Um unsere Negativhaltung gegenüber den Dingen zu erreichen brauchst du gar nicht einmal persönliche Schicksalsschläge zu erleiden. Es reicht ein Blick in die Welt nach draussen. Frag dich mal: "Wie funktioniert die Welt?". "Wie funktioniert das System und unsere Gesellschaft?" Man erkennt, dass nix funktioniert. Meiner Meinung nach leben wir in Menschenverachtenden Systemen.
waldar: Betrachtet ihr euch von daher als politische Band oder politische Menschen? Ihr reflektiert also dass ihr in diesem System unzufrieden seit. Kann man sagen, dass ihr anhand eurer Texte dies Ausdrücken möchtet?
Oliver: Wir haben in diesem Sinne keine ofensichtlich politische Message, da wir als Band nicht politisch sind. In unserem Privatleben schon. Das äußert sich so, dass ich 10 Jahre lang Bundeswehr-flüchtig war. Ich hab denen gesagt, dass sie mich am Arsch lecken können. Was sollen die auch tun? Es äußert sich halt in konkreten Haltungsweisen. Eigentlich ist es ja schon ein politisches Statement wenn man nicht im Fernseher auftritt. Man sagt, dass man halt nicht Teil dessen werden will und das ist ja schon eine Verweigerung von Informationen. So was kann man halt als Statement werten. Ich habe echt nicht Wunsch ein Teil dieser Welt zu sein. Die Medien gaukeln uns eh was vor. Ich glaube, dass die Band und ich die Letzten sind, die man für Werbetexte brauchen könnte. markus: Auf die Musik bezogen: Das erste Album war noch rockig und dann ging es Schritt für Schritt in einer experimentelle Phase! Bezieht sich die Entwicklung anhand des eben schon erwähnten oder spielen auch musikalische Fähigkeiten und Euer Alter eine Rolle?
Oliver: Es geht hier nicht um das wahre Können. Früher haben wir als Rock-Trio mehr gezeigt was wir musikalisch drauf haben. Es hat sicherlich auch was mit dem Alter und der daraus resultierenden Beschäftigung mit anderen Dingen zu tun. Wir wollten auch nicht enden wie 'AC/DC' oder die 'Rolling Stones', dass ich mit Fünfzig den Rockgitarristen geben muss und die Songs spielen muss die man vor 20 Jahren geschrieben hat. Das ist ja furchtbar.
Es ging einfach darum, dass man sich auch mal musikalisch öffnet. Ende der Neunziger lag ja auch Rock- und Indie-Musik am Boden. Es gab ja nicht wirklich etwas was gut war. Dann schaut man auch musikalisch über den Tellerrand und entwickelt sich weiter.
waldar: Noch mal zum Thema Verweigerung: Ist das ein Grund warum 'Naked Lunch' schon so lange existieren und nach all den Niederschlägen auch immer wieder aufstehen und zurückkommen?Oliver: Nee, das nicht. Wir sind jetzt keine Band der Verweigerer. So blöd sind wir ja nicht. Sobald wir einen Deal haben - und wir haben einen Deal mit einer großen Firma - müssen wir da mitfahren im Strom. Das ist ganz klar. Aber man kann es trotzdem zu einem gewissen Teil regulieren. Zum Beispiel haben wir auch ein Musikvideo. Aber das ist genauso wie wir es für gut empfinden. Das ist alles. Diese kleinen Zugeständnisse, die wir früher gemacht haben machen wir heute nicht mehr. Wir haben uns oft genug selbst ins Knie geschoßen. Es gibt kaum eine andere Band die es geschafft hat, innerhalb von 10 Jahren nur 2 Alben zu machen. Das ist ja gegen alle Regeln der Marktmechanismen.
Nur weil der Markt verlangt eine neue Platte zu bringen; das ist nicht der Grund warum wir Musik machen. Die Leute vergessen ja sehr schnell und man ist dann schneller weg vom Fenster als einem lieb ist. Was soll?s. Jetzt müssen wir uns halt wieder eine neue Gemeinde erspielen.
markus: War es schwer ein neues Label zu finden?
Oliver: Ja sicher! Gerade weil wir als verbrauchte, tote Band galten. Ganz einfach.
markus: Ihr habt alle drei Alben auf einem Major veröffentlicht. Ich finde es doch merkwürdig, dass eine Band mit eurem Potenzial dann bei einer Label-Suche nicht auf einen Indie greift.
Oliver: Wir haben für diese Platte jetzt überhaupt kein Angebot von einem Indie bekommen. Nicht eins.
markus: Und dann kam Patrick Wagner und hat euch von den Toten wieder auferstehen lassen. Wie kam es dazu? (Patrick Wagner: Frontmann der Berliner Band 'Surrogat' und momentan A&R bei Motor. -Anm. des Verf.)
Oliver: Er fand die Platte super. Wir wollten eigentlich fast schon mit der Labelsuche aufgeben und als letzte Konsequenz ein eigenes Label gründen. Dann kam halt der Patrick Wagner ins Spiel, der seit kurzem bei Motor als A&R arbeitete. Er sagte uns, dass er es machen würde weil es ihm super gefällt was wir gemacht haben und vor allem weil es auch bei Motor intern Widerstände gegen uns gab. Das wiederum hat den Patrick noch mehr motiviert.
waldar: Wie ist es denn jetzt bei Motor zu sein. Vor allem in Hinblick auf die ganze Umstrukturierung in der Musikindustrie. Es ist ja zu hören, dass Universal (Mutterkonzern von Motor. -Anm. des Verf.) jetzt enorm Stellen abbaut. Habt ihr da Angst, dass dieser Wandel der dort von statten geht, sich auf euch niederschlagen könnte?Oliver: Wir haben insofern keine Angst, da wir wissen, dass nur dieses Album als Veröffentlichung bei Motor geplant war. Und wir wissen auch nicht, was jetzt passiert. Ich habe gestern gelesen, dass EMI fünfzig Prozent seiner Acts weltweit dropt. Man packt halt den Rotstift und schaut: Diese Band hat weniger als 100.000 Alben und weg damit. So wird es sicherlich auch bei Motor bzw. Universal jetzt laufen. Ich bin mir sicher, dass wir eine gewisse Hürde nicht schaffen werden. Wir verkaufen ja nicht so viele Platten wie die Sportfreunde oder Rammstein. Und was dann passieren wird, weiß ich nicht. Aber es werden auch Bands dran glauben müssen. Ich mache mir jetzt keine Gedanken um uns.
Wenn Motor die Platte nicht gemacht hätte, hätte es wahrscheinlich jemand anders getan oder wir selbst halt. Andere Bands werden aber sicherlich Probleme kriegen, da sie nicht mit Rückschlägen fertig werden. Wir hingegen sind es ja gewohnt, ständig wieder von Null anzufangen. Wenn jetzt junge Bands plötzlich ohne Vertrag da stehen und sich fragen "Was machen wir jetzt?" Muss es heißen: "Jetzt erst recht!"
waldar: So gesehen habt ihr kein zweites Standbein neben der Musik
Oliver: Nee. Wir machen nur Musik. Wir machen die unterschiedlichsten Sachen die mit Musik irgendwie in Verbindung steht, u. a. Produzieren oder Theatermusik komponieren.
markus: Bei den ganzen Erfahrungen die ihr habt. Ist man bei der Zukunftsplanung noch vorsichtiger?
Oliver: Ja! Natürlich! Wir sind jetzt nicht so naiv und denken, dass das Album jetzt voll durchstartet und wir eine rosige Zukunft haben werden. Wir gehen jetzt nur noch Schritt für Schritt mit der Gewissheit, dass wir auf jeden Fall irgendwann noch mal ein neues Album machen werden. Das ist unser Ziel woran wir arbeiten.
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10.04.2004 a-steyr röda*
11.04.2004 a-ebensee kino
14.04.2004 a-graz orpheum
15.04.2004 a-wien flex
16.04.2004 a-linz posthof
17.04.2004 a-innsbruck treibhaus
18.04.2004 a-feldkirch rauchclub
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26.04.2004 berlin knaack*
27.04.2004 erlangen e-werk*
28.04.2004 heidelberg karlstorbahnhof*
29.04.2004 ulm nu bahnhof*
01.05.2004 klagenfurt messehalle1
27.05.2004 augsburg kerosin tbc
28.05.2004 neustrelitz immergut festival
29.05.2004 passau pfingst open air
16.07.2004 ulm obstwiesenfestival
26.06.2006 a-wien donauinselfest
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waldar - 8. Apr, 13:39
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