interview: death cab for cutie - 14.02.2004 - köln - gebäude 9

"Wir sprechen auf gleicher Augenhöhe miteinander!"


Mal wieder Grand Hotel van Cleef. Die üblichen Verdächtigen. Was passiert denn da in Hamburg?
'Death Cab for Cutie' spielten Samstags ihr erstes Konzert überhaupt in Deutschland. Das Kölner Gebäude 9 war ausverkauft, vor der Tür gab es immer noch einen riesigen Andrang Karten-Suchender.
Was macht diese Band so besonders? Nach der Show war ich mir dessen bewusst: Was auf dem Album teilweise ruhig und gediegen klingt, wurde auf der Bühne so energiegeladen umgesetzt, dass ich manchmal denken musste, dass da Welten aufeinander prallen. Krachig verspielt in Richtung von 'The Mars Volta' oder melancholisch ruhig.
Nur nebenbei: Die Herren haben sich 1 ½ Stunden Zeit genommen für das Kölner Publikum.
Vor der Show hatte ich kurz Gelegenheit, mich mit Christopher Walla von DCfC über die Band und das Album zu unterhalten.



waldar: Ok, kannst Du Dich und die Band kurz vorstellen, wie sie sich entwickelt hat und so.
Chris: Mein Name ist Chris Walla. Ich spiele Gitarre und Keyboard bei Death Cab for Cutie. Manchmal spiele ich bass und nehme auch viel auf. Ben und ich haben so ungefähr 1996 angefangen zusammen zu spielen. Wir haben uns durch einen gemeinsamen Freund getroffen und begannen zu spielen. Er hatte ein paar Songideen und ich auch. Ich hatte ein wenig Aufnahmeequipment, er konnte besser Schlagzeug spielen als ich. Und im Laufe des Jahres nahmen wir immer mal ein bisschen auf. Wir hatten dieses Tape, 'You can play these Songs with Chords'. Irgendwann wollten uns dann Leute auf der Bühne sehen. Wir hatten Freunde die bei anderen Bands gespielt haben. Mein Freund Nathan, den ich jetzt schon seit vielen Jahren kenne, war unser erster Drummer. Ben spielte damals noch in einer anderen Band, zusammen mit Nick. Diese Band löste sich allerdings auf als wir gerade anfingen. Also, wir waren irgendwann zu dritt, hatten verschiedene Drummer im Laufe der Jahre und unser jetziger, fester Drummer ist Jason McGerr. Ja, das ist in etwa so die kurze Geschichte.

waldar: Wie war Eure Tour bisher? Ihr habt die letzte Woche in Großbrittanien verbracht?
Chris: Ja! Wunderbar, wirklich, wirklich gut! Die Shows waren sehr gut besucht, die Leute waren sehr gut drauf. Ja, und gestern kamen wir erst auf den Kontinent, wir waren in Brüssel gestern Abend. Also dies ist erst die zweite Show auf dem Kontinent.

waldar: Habt Ihr irgendwelche Erwartungen gehabt mit Eurem ersten Release in Europa?
Chris: Nein, nicht wirklich. Wir dachten nicht, dass die Leute so von dem Album begeisterst sein würden und hatten mit leeren Clubs gerechnet. Und es ist fantastisch zu hören, dass manche Shows ausverkauft sind. Heute Abend ist ausverkauft, ich meine, das ist fantastisch. Das ist mehr als wir erwarten könnten.
Ja, ich denke, dass Grand Hotel van Cleef einen wunderbaren Job gemacht haben.

waldar: Wie hat der Kontakt zu Grand Hotel funktioniert? Wie habt Ihr Euch mit Thees in Verbindung gesetzt?
Chris: Ich habe keine Ahnung! (lacht)
Wir kennen Nadine von Grand Hotel van Cleef über unseren Tourmanager Mark, er ist ein Freund von ihr. Sie war lange Zeit ein Fan von uns. Sie kam mit uns als wir vor ein paar Jahren einige Festivals in England spielten. So haben wir sie kennengelernt.

waldar: In den USA seid ihr auf Barsuk, hier in Deutschland auf Grand Hotel. Das sind ja beides ziemlich kleine Labels. Habt Ihr Euch überlegt mit dem neuen Album zu einem Major zu gehen?
Chris: Ja, wir haben uns überlegt zu einem Major zu gehen, wir haben auch kürzlich mit einigen Gespräche geführt. Nur um zu sehen, ob es funktionieren könnte. Weißt Du, für mich persönlich ist der Hauptgrund für einen Wechsel zu einem Major die Verfügbarkeit von Ressourcen, Ressourcen und Spaß. Du kannst besser aufnehmen und es vereinfacht es, so ein Album zu produzieren das wir alle machen wollen. Auf einem Major zu sein würde Touring nicht vereinfachen. Es würde vielleicht Internationale Sachen vereinfachen. Weißt Du, wir sprechen mit vielen Leuten, nur um rauszufinden ob es Sinn machen würde, aber bis jetzt tut es das nicht!

waldar: Ihr habt ja seit 1997 4 Alben und 2 EPs veröffentlicht. Dann kam im letzten Jahr 'Transatlanticism'. Wieso hatte es so lange gedauert, in Europa zu releasen? Gerade weil anscheinend so viele Menschen von Eurem Sound begeistert sind und die Platte in vielen Jahres-Polls weit oben war.
Chris: Es gab nicht ein wirklich großes Interesse an uns bis zu diesem Album. Uns hatte niemand kontaktiert, wir wussten auch nicht, wen wir fragen könnten.
Aber es hat erst mit diesem Album angefangen, dass Leute auf uns zukommen und veröffentlichen möchten. Es war nicht so, dass wir Europa ignoriert hätten, es gab nur kein richtiges Interesse.

waldar: Wenn Du sagst, die Leute wären erst durch das letzte Album auf Euch aufmerksam geworden: Was hat sich bei Euch geändert, wie arbeitet ihr mittlerweile, wie hat sich Euer Sound geändert?
Chris: Ich glaube der größte Unterschied ist, dass wir uns gut verstehen, gut miteinander kommunizieren und wirklich auf gleicher Augenhöhe miteinander sprechen. Weißt Du, beim letzten Album war es merkwürdig, wir wussten nicht genau, was wir spielen sollen, wohin wir möchten. Wir hatten eine schwere Zeit und kommunizierten nicht miteinander. Wie auch immer. Dieses Album fühlt sich gut an, es passt in die Zeit. Vor allen Dingen mit Jason in der Band, seine Ideen was das Arrangement angehen sind einfach Wahnsinn, er ist toll. Für mich fühlt sich dieses Album viel mehr wie 'We have the facts and we're voting yes' an, das vorletzte Album. Es ist vielmehr ein Ausprobieren, ein Versuch neue Elemente zu finden. Weniger ein Bild vor Augen zu haben, wo wir hin möchten.

waldar: Das erinnert mich dann an Songs wie 'Transatlanticism', der ja ein etwas längeres Liebeslied und sehr bewegend ist...
Chris: Danke.
waldar: Kein Problem. Warum habt Ihr Euch dazu entschieden, das Album nach dem Song zu betiteln? Hat der Song für Euch noch eine zweite Bedeutungsebene oder war es der Song bei dem all sagten: "Ja, der und das ist das Gefühl des Albums"?
Chris: Es ist lustig. Bei den anderen Alben haben wir daran gearbeitet, einen Albumtitel zu finden. Wenn du eine Gruppe von Songs betiteln willst, das färbt die ganze Sache, gibt ihr eine bestimmte Richtung. Und bei diesem Album brachte Ben diesen Song ein, wir überlegten uns wie wir es arrangieren wollten und probierten sehr viel herum. Wir haben das über einige Tage gemacht und jeder hatte denselben Gedanken. Und Ben kam in die Probe und meinte: "Wisst Ihr, wir sollten das Album 'Transatlanticism' nennen". Und jeder meinte nur: "Ich habe genau das gleiche gedacht". Das Album ist nicht unbedingt thematisch oder wörtlich miteinander verknüpft, es wirkt mehr wie ein Zeitabschnitt.

waldar: Kannst Du noch einen Ausblick auf das neue Jahr geben?
Chris: Also, wir werden jetzt erstmal in Europa touren, dann wird es eine große US-Tour geben, zusammen mit 'Ben Kweller', 'Pedro the Lion' und den 'Thermals'. Im Sommer wollen wir Festivals spielen, und uns dann vielleicht an ein neues Album ranwagen. Aber für mich ist das neue Jahr eigentlich schon vorbei.


mehr infos:
death cab for cutie
barsuk
grand hotel van cleef
'death cab for cutie - the new year' (mp3)
'death cab for cutie - the sound of settling' (mp3)


lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com

Titel:

Text:

 


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