angelika express - 03.12.03 - bonn - harmonie

"Und wenn ich 35 bin, will ich meine fucking Villa haben!!!"




Nach der eher mäßig besuchten Aufzeichnung des WDR-Rockpalasts hieß es noch die übliche Medienpartnerschaft zu vollziehen. Das alte Frage-Antwort-Spiel. Diesmal aber sehr lustig. Na ja, das heißt, verdammt lustig. Und interessant.


waldar: Ok, könnt Ihr Euch bitte vorstellen?
Robert: Also, ich bin der Robert, spiele Gitarre und singe.
Alex: Ich heiße Alex, spiele Schlagzeug und ab und zu singe ich auch.
Jens: Ich bin der Jens, ich bin der Kellner in dieser Band, spiele Bass und singe auch von Zeit zu Zeit.

waldar: Und diese band ist wie entstanden? Aus einer Bierlaune, oder...?
Jens: Bierlaune, ja! Vordergründig eigentlich um Musik zu machen, letztendlich muss man feststellen, dass es eigentlich so eine Kneipenkollegialität ist, so ein sich gemeinsam über den Alkoholismus hinwegtrösten.
Robert: Also, wir hangeln uns von Catering zu Catering, quasi.

waldar: Wenn Ihr heute schon im Rockpalast abhängt, diese riesige Tour hinter Euch habt und ein Album, eine EP, im Fernsehen unterwegs seid ... wo geht Angelika Express noch hin?
Alex: Ja, wir werden uns heute auflösen.
Jens: Also, es geht jetzt erstmal ins Studio, im Dezember für ungefähr 3-4 Wochen und nehmen unser neues Album auf, dessen Titel noch nicht feststeht und dann geht's hoffentlich steil bergauf.
Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall genauso viel touren wie dieses Jahr, vielleicht ein bisschen mehr am Stück, weil wir jett eigentlich jedes verdammte Wochenende unterwegs gewesen sind und hoffen, dass das im nächsten Jahr ein bisschen mehr auf den Punkt kommt, dass man sagt man ist 3mal 1 ½ Monate unterwegs, und das würde schon reichen.
Und wir hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr auch endlich mal Anzüge schneidern lassen können.

waldar: Bis jetzt nur von der Stange, oder wie?
Alex: Nee, Second Hand für 50 ? das Stück...
Jens: Aber wir sind eigentlich auf der Suche nach einem deutschen Sweatshop, das muss es doch irgendwo geben?

Das Gespräch gleitet auf die grandiose Trigema-Werbung im ARD ab, ja, es wird auch weiterhin getrunken.

Robert: Habt Ihr eigentlich noch Fragen? (grinsend)
waldar: Ja, nein, schon klar: Wieso tritt Rocco Klein in Eurem Video (zur aktuellen Single Amerikaner) auf?
Jens: Weil Rocco ein sehr guter Freund von uns ist und wir ihn im Laufe unserer Bandgeschichte einfach kennen und schätzen gelernt haben. Das war ein Muss dass der bei uns ins Video kommt.
Alex: Der ist der perfekte Mann dafür! Der personifiziert unglaublich gut die Aussage von dem Stück.
Robert: Und der war ja auch einer der ersten, der was über uns geschrieben hat, und das in sehr löblichen Tone...
Alex: Wir wollten, dass der Rocco mal wieder bei Viva zu sehen ist.

waldar: Und Eure EP ist während der Tour zu Stande gekommen?Robert: Die Songs sind zum Teil, oder zum großen Teil während der Show entstanden.

waldar: Wie lange ging die Tour jetzt, wie lange wart Ihr unterwegs?
Jens: Also, aufgenommen haben wir sie im August.
Alex: Unterwegs waren wir da eigentlich immer, so 3 tage die Woche, nicht am Stück.
Robert: Ich glaube, 120/130 Gigs waren das dieses Jahr.
Alex: Ja, und dann noch die Rückreisetage... Also, unser Booker hat sich die Mühe gemacht, dann auch immer schön einzelne Gigs zu buchen. Wir waren bestimmt 180 Tage unterwegs weil wir allein 60 Rückreisetage hatten. Wo man wirklich morgens aufsteht, um 11/12 Uhr in den Bus steigt und dann abends um acht nach hause kommt, völlig geplättet.
Robert: In diesem Jahr gab es 10 Wochenenden die wir zu hause verbringen konnten.

waldar: Was macht man dann zu hause, wenn Ihr dann mal zu hause seid?
Jens: Das ist dann dieses Burnout-Syndrom: Wenn Du auf Tour gehst, weißt Du einfach akribisch genau, was wie passiert. Du weißt wann du aufstehen musst, du weißt das du von A nach B kommen musst, wo du um wie viel Uhr sein musst, dann kriegst du irgendwann das Essen vorgestellt, dann ist der Soundcheck, dann machst du eventuell Interviews, dann auf die Bühne, danach unterhältst du dich mit Leuten und irgendwann gehst du pennen und am nächsten Tag dasselbe.
Und wenn du zu hause bist, dann fällst du in dich zusammen und denkst dir, was mache ich denn jetzt? Es ist vier Uhr und ich hab; was mach' ich denn jetzt??
Alex: Bei uns geht es noch, weil wir uns wenn wir zu hause sind immer sehr gut akklimatisieren und auch das Leben zu hause gut genießen können und dann auch Songs schreiben.

waldar: Ihr seid doch eigentlich die einzige band aus Köln, die es so richtig geschafft hat?
Alex: Nee, Erdmöbel zum Beispiel...
Jens: Klee
Alex: ...sind ja schon viel länger als wir...
waldar: Ja, aber ich meinte mehr die Indie-Richtung...
Jens: Ja, aber Klee sind doch eigentlich Indie-Pop im weitesten Sine.
Alex: Dann darfst Du Coloma nicht vergessen, gehen zwar in eine andere Richtung, haben aber auch Standing. Es kommen aber auch andere Bands..
Robert: Von Spar zum Beispiel!
Jens: Was? Wie? Wer? Von Spar? (hüstelnd)

Man schweift schließlich wieder ab, diesmal eben über von Spar...

waldar: Was haltet Ihr eigentlich von Sachen wie dem "Wir sind fucking Independent"-Festival, das jetzt auch vor ein paar Monaten in Köln war?
Jens: Da waren wir leider nicht da, auch wieder unterwegs. Hätte ich auch gerne gesehen, eigentlich. Wir waren jetzt ein bisschen unklar was da jetzt genau für ein Line-Up war.
Alex: Die üblichen Verdächtigen: Katze, Klee, Klitpop...
waldar: Knarf Rellöm, Lehmann...
Robert: Die schwarzen Quadrate.
Jens: Was ein bisschen seltsam ist: "Wir sind fucking independent" ist 'ne super Sache natürlich, und wenn jemand fucking independent ist, dann sind wir das. Aber Tatsache ist einfach, dass der Mann vom Stereo Wonderland, der die Sache organisiert, dann auch die Puddle of Mudd und die P.O.D.-Release-Party macht.
Alex: Puddle of Mud und ... Puddle of Dat (lachend)
Jens: Aber letztens hat mir jemand verraten, wenn man diese Release-Parties macht bekommt man ganz viele Platten zugeschickt, damit macht man sich Namen.
waldar: Aber mal ganz abgesehen davon, was man von den Promotern oder Veranstalter hält?
Jens: Ja, wollte ich auch gerade sagen, hätten wir da natürlich auch spielen können.
Aber "Wir sind fucking independent" ist auch Blödsinn, weil, insofern, dass wir festgestellt haben: Wir sind nicht fucking independent!
Wir sind irgendwie darauf angewiesen, dass uns irgendjemand Geld gibt. Und wir sind mit unserem Label zusammen zu Sony gegangen, jetzt für die letzte EP, was auch ziemlich außergewöhnlich war, weil... normalerweise hätten wie auch komplett zu wechseln können, sprich: "Tschüss Paul, wir gehen zu Sony!" Wir haben aber gesagt, Paul, bleib im Boot um eben mit dem Label, das soviel für uns getan hat auch was für die zu tun und die eben im Rücken zu haben, weil die uns den Rücken decken.
Aber Tatsache war einfach, dass wir jetzt am Ende des Jahres durch diese Independent-Geschichte kurz davor waren aus unseren Wohnungen zu fliegen, weil alle mit ihren Mieten im Verzug waren, weil keiner mehr wusste, was er sich zu essen kaufen soll und dementsprechend ist man dann auch nur ein bisschen independent.
Alex: Die alte Leier, Paranoia vor dem Briefkasten. Eine Woche nicht aufmachen.
Jens: De facto ist es so: Dadurch, dass wir jetzt zu Sony gegangen sind ist gesichert, dass wir nächstes Jahr unser Album aufnehmen können, mit dem Jan auch, mit dem wir auch die EP aufgenommen haben. Es ist gesichert, dass die Leute, die irgendwas für uns tun, bezahlt werden. Es ist so, dass wir zumindest Dispomäßig auf Null sind...

waldar: Bei Euch in der Stadt wird ja gerade radikal an allen Stellen gekürzt. Im Haushalt, im Theaterbereich, im Kulturbereich, an allen Ecken. Habt Ihr eine Vorstellung, was das für Euch heißen kann, was das für die Kulturszene in Köln bedeutet?
Robert: Es könnte knapp werden mit den Läden.
Alex: Das einerseits. Ich kann ja jetzt mal ganz persönlich verraten, dass ich in einer offenen Schule, die aber von der Stadt gesponsert wird, Schlagzeug unterrichte. Und dieses Sponsoring fällt weg, was bedeutet, dass die natürlich auch radikalst Leute rausschmeißen, darunter zum Beispiel wahrscheinlich mich. Insofern triffts mich schon jetzt und das ist halt ne relativ wichtige Institution. Eigelstein ist ein sozialer Brennpunkt. Die machen sozialintegrative Projekte von einer Hauptschule, und das alles fällt halt weg. Und bei einer von diesen Sachen habe ich auch mal mitgemacht und muss sagen, dass es total wichtig ist, und dass so was passiert ist echt total scheiße!
Jens: Also, in Köln ist es unglaublich.. Wir sind ja alle zugezogen. Wenn du nach Köln kommst, denkst du irgendwie...
Köln, unglaublich Liberal/CDU-Regiert. Warum ist Köln so liberal? Klar, weil es unglaublich viele schwule gibt, also sprich, wenn Fritz Schramma (CDU) beim CSD nicht zur Eröffnungsfeier erscheinen würde und die Flagge hissen würde, dann würden den auch nicht so viele Leute wählen. Also eigentlich gibt sich Köln immer so liberal, aber dieser kölsche Klüngel, der so gerne heraufbeschworen wird, den gibt es wirklich und de facto ist es so: Der kölsche Karneval ist unglaublich wichtig, dann Ringfest... Die Pop.Komm geht, das Ringfest bleibt: Es ist zum kotzen das Ringfest ... nee, wirklich!

waldar: Hättet Ihr nicht am Ringfest spielen sollen?
Jens: Wir haben auf der EinsLive-Bühne gespielt.
Alex: Ja, muss man sagen, war ein gutes Programm: Klee...
Jens: Frank Popp hat gespielt, Astra Kid...
Alex: Wir sind Helden, Virginia Jetzt! Also doch gutes Line-Up eigentlich...
Jens: Nein, aber ok, wir haben da gespielt, aber auf der EinsLive-Bühne weil es EinsLive war. Tatsache ist aber, "Wir haben 'nen Grund zu feiern, wir sperren den Ring, suuuper, saufen!!"
Aber was so richtig kulturelle Sachen angeht, da sind die einfach zu doof für, also es gibt so viele gute Läden in Köln, die dichtmachen müssen, z.B. das Gebäude 9. also, das steht jetzt nicht fest, dass die dichtmachen müssen, aber es gibt 'nen Privatbesitzer von dem Grundstück und der Vertrag läuft in drei Jahren aus.
Jetzt ist der Veranstalter vom Gebäude 9 in dieses Gremium berufen, wie bewirbt sich Köln als Kulturhauptstadt 2010. Da hat er irgendwann gesagt: "Hey sorry, Bewerbung 2010, sind die Weichen nicht völlig falsch gestellt?" Und dann hieß es dann so: "Wie, nee, ach Blödsinn" und Schweigen, nicht weiterreden.
Alex: Ach, das ist so ein Politikum...

Wir schweifen da wieder eine Ecke weit ab...

waldar: Okay, letzte Frage. Wird das 2. Album nächstes Jahr auch so ein Erfolg?
Robert: Ja, klar!
Jens: Nee, viel mehr. Also wir orientieren uns gerade so am Xavier und wollen ihn aber ehrlich gesagt überrunden! (lachend)
Nein, ich sag mal so: wir geben alles für das neue Album. Es wird ein bisschen mehr an das alte Album anknüpfen. Also, politische Statements stehen nicht im Vordergrund, sondern mehr Geschichten aus dem Alltag. Wir von unserer Seite tun alles um natürlich gute Songs auf Band zu bekommen, aber wir haben natürlich die Hoffnung, dass wir nächstes Jahr - wie dieses Jahr - von der Musik leben können und unser anvisiertes Ziel ist es jetzt nicht wie Wir sind Helden 10.000er hallen dichtzumachen, sondern 300-500er Clubs voll zu machen.
Alex: Für uns wäre es ein Erfolg, das drückt sich in Zahlen nicht so dramatisch aus. Also, dass wir jetzt von der ersten 5000 verkauft haben ist für uns ja super. Wenn es mehr wird, ist es das wovon wir leben wollen.
Jens: Also, wir wollen keine Millionäre werden, wir wollen einfach im nächsten Jahr Spaß haben und halbwegs davon leben können. Und übernächstes Jahr auch.
UND WENN ICH 35 BIN, WILL ICH MEINE FUCKING VILLA HABEN!!!
Robert: Und dann kommt MTV zu uns und filmt uns in unseren Wohnungen...


WDR-Rockpalast-Aufzeichnung mit Angelika Express & Belasco:
22. auf 23.02.04; 01.00 - 02.30 Uhr; @ WDR


links:
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rockpalast


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Titel:

Text:

 


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

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den beitrag, der eine ganze weile an dieser stelle...
waldar - 19. Mai, 23:06
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waldar - 19. Mai, 23:00
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ich wusste jetzt nicht, wo ich reinschreiben sollte.....
Eggi - 6. Apr, 11:53
mach doch nen neuen,...
mach doch nen neuen, kostenlosen blog auf. Ich vermiss...
monologe - 26. Feb, 17:59
na
wegen zeitmangel musste ich mich kurzfassen ;)
ZuN - 9. Feb, 14:32


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