
Ich war ja eigentlich immer Punkrock. Mehr oder weniger. Okay, heute heißt das Ganze "Funpunk" (und ehrlich gesagt hieß es das vor 10 jahren wahrscheinlich auch schon) und riecht miefig. Vor allem weil einige der Bands von damals auch heute noch Platten veröffentlichen that sound so 1995! Verdammt, waren wir früher einfallslos! Man hätte es merken müssen, dass dieses vermeintlich authentische Punk-Gefühl natürlich nicht authentisch sein konnte, kam dieser "Punk" doch von denselben Skater-Kids, denen man selbst angehörte.

Früher war man formbarer. Vielleicht ähnlich formbar wie heutzutage, wo man Band um Band weitergereicht bekommt. Nur damals, als ich noch auf der Suche nach der passenden Schublade in einer gutaussehenden Kommode war, versuchte ich immer gleich die gesamte Kommode, statt kleiner gestaffelt anzufangen. Also kam es wie es kommen musste: Im Jahr 1997/98 begann ich, HipHop zu hören. Und zwar deutschen HipHop! Rückblickend war diese Zeit musikalischer Sozialisation wohl eine der schlimmsten, andererseits aber auch der bedeutensten! Ohne diese Phase - seien wir ehrlich, mehr war es nicht - hätte ich niemals zu ehrlicher Gitarrenmusik ohne Funpunk-Überbau gefunden, hätte ich Elektronik nicht zu schätzen gelernt und HipHop in seinem Facettenreichtum auch nicht. Kurzum: Ich wäre nicht der, der ich bin und musikalisch ähnlich festgefahren wie meine Erfahrung mit
Wacken-Besuchern.

Mit HipHop verhält es sich vermutlich wie mit jeder anderen Stilrichtung: Einige erfolgreiche Acts für den Mainstream, ein "Untergrund" und dann noch ganz viel schlechtes. Richtig interessant wird es erst dann, wenn man entweder die richtigen Stilmittel verwendet oder ein erfolgreiches mediales Diktat erzeugen kann. Oder wenn man Genreübergreifend punkten kann. Und letzteres ist mir normalerweise das Liebste!

Ich kann mich noch lebhaft an diesen Nachmittag in unserem Musikarchiv erinnern. Pascal war gerade mit der Rotation beschäftigt, ich mit einem enormen Schlafdefizit und damit verbundenem Aufmerksamkeitsmangel. Jedenfalls hielt Pascal eine CD hoch: "
Die ist enorm gut, diese Platte. Die wird Dir sicherlich gefallen!"
Ich habe keine Ahnung warum - vielleicht wegen des dilletantisch wirkenden Covers - aber aus irgendeinem Grund quittierte ich Pascals Empfehlung mit einem "
Mmmhmm!"
Ich könnte mich immer noch totärgern, übver diese Arroganz und Nichtbeachtung, die mich so tief in meine Teenager- und Ein-Kommoden-Denkweise zurückwarf.

Ninja High School sind die unehelichen Kinder von HipHop, Punk und Comedy! Eine Kaugummiblase, kurz vor dem Platzen. Eine gelebte Haus-Party wie aus einem schlechten Road-Movie: Angetrunkene, verkleidete Gäste mit überschwänglicher Gestik die einfach nur Spaß haben und die Party leben. Die
Beastie Boys zu "No Sleep Til Brooklyn"-Zeiten. Eine Charikatur aus
Public Enemy und Freejazz. Cousins dritten Grades von
The Go!Team und
Hawnay Troof. Das überzeichnete Bild der
Souls Of Mischief und
Unkle. Kurzum all das, was HipHop immer sein wollte, in seiner Reinform aber nur manchmal erreichte: Partytaugliche Kritikfläche zu sein, die sowohl Klischees bedient als auch vernichtet, nur um anders als punk zu sein. Greift das? Ja!
"Young Adults Against Suicide" ist das Album, das gefehlt hat um dieses Jahr rund zu machen. Mir jedenfalls. Denn ich mag Genre-Hopping. Lieber als jede Maximo/The Franzs-Platte! Dieses Album verkörpert all die Eigenschaften, die mir der deutsche HipHop nie geben konnte. Für deren Wurzeln ich bei Entstehung noch zu jung (oder ungeboren) war. Oder die ich mir früher nicht so vorstellen konnte. oder wollte. Was weiß ich?! Ich meine, die Selbstauskunft sagt doch schon alles: "
Ninja High School is a positive hardcore dance-rap band from Toronto!" Wie viel mehr Information braucht man noch? Ich brauche da nichts mehr. Entschuldigen Sie bitte: Ich muss das jetzt sofort auf die Tanzfläche bringen...
tracklisting:
01 good morning
02 jam band death cult
03 it´s all right to fight
04 feverish dream
05
positive laser [

/2,8 mb]

06 nap
07
shake it off [

/6,0 mb]
08 by purpose not by plan
09 catholic fashion
10 we finish third
11 film-video
12 invasion party
more info:
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/5,0 mb]
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/3,6 mb]
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