tokio hotel! tomte! tokio hotel! tomte! tokio hotel! tomte! (oder: wie man von thees uhlmann vom kicker gefegt wird)

ich mag samstag. vor allem wegen der ruhe, die der tag für mich ausstrahlt. das gewissen ist relativ rein, wenn man um zwei uhr - und zwar mittags - aufwacht, den tag vertrödelt, kurz vor acht noch eben in den supermarkt geht und allgemein ein tempo einschlägt, das man sich sonst nur bei verwaltungsbeamten von fiskalbehörden vorstellen kann. wenn man jung ist, dann bedeutet samstag vor allem immer feiern, feiern, feiern.
wenn man nicht mehr ganz so jung ist, dann geht man abends "noch was raus"! dann "glüht" man nicht mehr "mit freunden vor", was sowieso schon immer eine sehr charmante umreißung des heute so inflationär gebrauchten begriffs "koma-saufen" war. (den begriff "koma-saufen" gebrauchen übrigens nur privat-fernseh-redakteure wenn sie doku-schnipsel über die landjugend englands und deutschlands für formate wie "stern tv" oder "focus tv" produzieren.)
wenn man nicht mehr ganz so jung ist, dann ist die vorweihnachtliche zeit weniger nervig als noch einige jahre zuvor, einfach, weil man sich weniger gedanken um die konsequenzen einer losen familienbande machen muss oder will und die arbeit irgendwann ja auch gemacht werden muss. eine komische form der lässigkeit, die einen vielleicht stutzig werden lassen sollte oder zu sonstigen sentimentalen regungen animieren könnte.
könnte. sentimentale regungen bei konzerten werden mit dem alter übrigens auch etwas seltener. wenn man popkulturelle erfolgsmodelle aus deutschland und 2005 mal kurz revue passieren lässt, dann wird es laut im kopf und grell vor augen, womit die schmerzgrenze also auch schon wieder erreicht wäre. da lobt man sich die persönlichen bastionen, diese rückzugsgebiete die man mit fäusten verteidigen würde, gegen alle schlechten worte und bösen stimmen.
und - um die brücke endlich zu schlagen - tomte sind mittlerweile eine dieser festungen, in deren dunkle gemächer
rückzugsort, mehr um zu leiden und sich ganz persönlich schlecht zu fühlen, zu selbstbemitleiden und den dazu passenden soundtrack serviert zu bekommen. als anthropophober will man auch nicht richtig gelten, also lässt man andere eben die sachen aussprechen, die man sowieso nie so formuliert hätte. prima gefühl also.
letzten samstag war dann thees in der stadt, kumpel der nation und kollektive schulter zum ausheulen. es traut sich natürlich niemand sich wirklich anzulehnen, aber darum geht es ja auch gar nicht. diese mischung aus kumpel-figur und mutter theresa mit breiterem kreuz, charisma und spontanem witz, lederjacke und stilsicherheit: das hat was!
das blue shell ist schon gut gefüllt als der dorfdisko-sänger daniel roth & begleitung auf die bühne gehen, jedenfalls lasse ich mir genau das von einem anderen daniel ins ohr rufen. die menschen hier sind laut, und ich kann sie verstehen, hier mitten in der ölsardinenbüchse, in die auch gerne weiterhin menschen drängen würden. "sozialdarwinismus" wird das thees ulhmann wenig später nennen und das er das ja auch zu gut kenne, letztendlich aber froh sei dass so viele da sind und danke an jan quiel wegen der einladung und...
ja, genau: danke auch von mir, jan. du denkst bitte an unseren gemeinsamen termin, zwischen weihnachten und neujahr? der herr shhhh macht auch mit!
der einzige grund warum ich eigentlich gerne zu tomte-konzerten gehe ist der, dass die gespräche mit dem publikum besser und unterhaltsamer sind als die von beispielsweise harald schmidt. auf großer bühne springt da wenig emotion für mich rüber und leiden will ich ja dann doch irgendwie. ist das alles noch logisch? samstag abend jedenfalls hatte ich frei und meine freundin war da, das shell rappelvoll, ich langsam auch und meine stimmung aus reihe vier ziemlich gut.
und jetzt mal ganz ehrlich, thees: conor oberst schön und gut, aber es macht für mich keinen sinn, einem augenscheinlich zu jeder sekunde leidenden beim weinen zuzuhören. von songwritern erwarte ich, dass sie frust und schmerz genau so verpacken, dass das lied die stimmung transportiert, und nicht das betrunkene häufchen elend auf der bühne. und deshalb ist conor oberst nunmal "langweilig", ganz davon abgesehen, dass der auftritt im stadtgarten nicht gerade die erfüllung an sich gewesen wäre.
thees redet über das budget der hansen band, seinen friseur torsten und das intim-vertraute verhältnis das man pflegt, gitarren und so, lästert was kleines über wiebusch und immer schön seitenhiebig über die rest-tomtes.
lehramtsstudent, sozialwissenschaften/englisch, nahezu abgebrochen auch noch. den rest kannst du dir denken, thees. und die bloggerscheiße mit herrn cursor und seiner "vom dach gedengelten satellitenschüssel", das war tatsächlich ernst gemeint, rein aus interesse den herrn mal kennen zu lernen.
wir leiden! wir leiden alle so sehr, dass wir das leid in thees'sche textzeilen verpacken und lauthals mitsingen müssen! zeile für zeile, immer schön in mein rechtes ohr rein! ich mag keine singalong-shouter. okay, andere mögen vermutlich keine zwischenrufer! aber singalonger machen singer/songwriter-abende zunichte, wohingegen zwischenrufer mit zum tomte-konzept dazugehören. da kann man noch so oft die "mötley crüe-grabenarroganz" herbeizitieren: ohne dialog - oder let's nenn it moderated entertaining - funktioniert tomte nicht mehr!
samstage sind groß. tomte auch. und thees ist - wie horst motor vielleicht sagen würde - elf meter groß.
tracklisting und mehr zur musik findet sich by the way hier.
was das alles mit der überschrift zu tun hat? wenig! außer, dass sich tomte- und tokio hotel-fans in ihrer entschlossen- und textsicherheit nicht viel nehmen.
und das mit dem kickern ist relativ schnell erklärt: fordern, betrunken sein, verlieren. that's all. weil thees uhlmann auch nur das ist, was man mensch nennt.
*edit²: claiming copyright on the connotation "verkopfungen - verstopfungen" since dec. 19th 2005
waldar - 19. Dez, 11:52
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