Dienstag, 22. November 2005

how living as a vollbartträger is like. oder: ein interviewtermin im retro-ambiente.

"das sieht schrecklich aus! kannst du den nicht abschneiden?" natürlich konnte ich nicht, oder vielmehr: natürlich wollte ich nicht! wenn man als heranwachsender, pubertierender pseudo-punk obenstehende frage von der eigenen mutter bekam, dann war die ablehnung doch vorprogrammiert. oder?!

ich hatte mich mit 16 dazu entschlossen, einen bart haben zu wollen. da sprießte es vereinzelt und man konnte auch nach außen zeigen, wie erwachsen man wurde. natürlich war man mit einem nur langsam wachsenden ziegenbart noch lange nicht erwachsen, aber damals, ja damals in der kleinstadt, da wuchs man (ich) eben mit bart auf, oder noch besser: ich wuchs auf und der bart(-wuchs) versuchte sein bestes.

rückblickend war das natürlich the one and only trotteltum. ziegenbärte erinnern mich heute nur an meine eigene etwas verkappte jugend oder vielleicht an merkwürdige zivildienstleistende, die nicht rechtzeitig den absprung gefunden haben. und deswegen gingen wir dann irgendwann getrennte wege, der bart und ich. ab da war rasierte haut eigentlich immer usus, von einigen tagen mit stoppeligen backen respektive wangen mal abgesehen.

mein verhältnis zu meinen haaren war immer ein recht pragmatisches: da gab es die seitengescheitelte zeit, die 9-millimeter-phasen, gefärbtes haar und ein anschließendes abscheren der haare mitten im winter, meistens aus irgendeiner laune oder einer "das-dauert-mir-jetzt-mit-dem-trocknen-zu-lange"-spntanität heraus. jedenfalls war es beim letzten mal anders: ich wusste, mein kopfhaar und ich, das geht nicht mehr lange gut. mein umfeld nahm es wohl auch zur kenntnis: sowohl mein haupthaar als auch mein bartwuchs nahmen relativ unkontrollierte/ungezähmte züge an und ich beschäftigte (oder entschuldigte, wer weiß das heute noch so genau) mich mit arbeit.

der plan war folgender: die haare (oben) müssen weg (weil sommer und warm) und die anderen (mittig) müssen rauf, damit man (ich) nicht plötzlich wie ein 15-jähriger dasteht. im prinzip ließ ich mir also eine kleine altersmaske stehen, unterstrich die zahl in meinem personalausweis mit einem zugegeben etwas rötlich-blonden vollbart-verschnitt und machte mir ab da keine großen gedanken mehr über "dieses ding da" in meinem gesicht. mein umfeld nahm das ganze zur kenntnis as usual. kommentare zwar hier und da, einige sagten irgendwas von "drei jahre älter" oder "furchteinflößend", aber hey: that's not what i intended to look/feel like.

mittlerweile steht der bart da jetzt seit rund 4 monaten alleine da, auch noch recht gut. etwas gepflegter, kürzer, aber immerhin: das umfeld hat ihn arrangiert, nimmt ihn wohl zur kenntnis, aber das auch nur im Doppelpack mit mir.

heute war dann der angekündigte interviewtermin zum thema vollbart und hipness oder so. das haus in der flandrischen straße sieht von außen relativ unscheinbar aus: weiße fassade, kleines firmenschild, eine anwaltskanzlei im zweiten und die "filmproduktion" im dritten stock. daniela mayer klang am telefon sehr nett, bittet mich auch direkt in den eingangsbereich. der teppichboden erinnert mich an mein erstes haar-erlebnis in köln: mein einzug in mein 7-quadratmeter-studentenwohnheim-loch, das einen ähnlichen bodenbelag hatte, nur dass dort meine vormieterin wohl ihr gesamtes haupthaar in den flusen hinterlassen hatte. hier ist der boden gesaugt, dem leicht biederen 70/80er-flair entkommt man hier aber auch nicht. vor der schwarzen ledersitzecke steht ein retro-glastisch, darauf ein aschenbecher, rote gauloises und ein päckchen streichhölzer. daneben zwei tassen kaffee (espresso), ein dat-gerät mit swr-mikro und einige interview-unterlagen. darunter auch der artikel "voll die bärte" von de-bug-mitherausgeberin mercedes bunz. den artikel hatte ich auch schon mal gelesen, ganz nett geschrieben und ein paar hipness-faktoren gegen psychologie ausgespielt, von djs zu terroristen und von berlin bis an den hindukusch, ansonsten aber durchaus empfehlenswert. über mir hängen verschiedenste urkunden: merkwürdig in szene gesetzt, die schwimmurkunde einer grundschule neben dem dritten platz eines journalistischen preises und verschiedenem allerlei. entweder sympathisch-ironisch augengezwinkert, oder man hat aus stolz oder mangel an geeigneten urkunden einfach das genommen, was man in den verschiedenen firmen auf dieser etage eben so hatte. irgendwie ist das interieur stimmig. etwas miefig, schlicht, wenig repräsentativ, aber als raucherecke wohl durchaus geeignet.

daniela will einen beitrag - eine glosse - zum thema "vollbart" für die sendung "neonlicht" auf deutschlandradio kultur produzieren. zur sendung:"Das Neonlicht stellt aus den Metropolen der Welt Trendiges und Lifestyle vor, Skurriles und Off-Kultur, Kreative und Exzentriker, eingebettet in die Musik von heute und morgen."sie sagt, die sendung sei eine gute (ich kenne sie nicht), die moderatoren hätten relative hoheitsfreiheit was die musik angeht. was mir jetzt auffällt ist, dass die playlisten noch nachlässiger geführt werden als bei uns. die fragen gehen recht locker von der hand, drei andere vollbärtler hat sie gestern schon interviewed. ich soll mich vorstellen, seit wann ich unrasiert bin, was ich mache und so. warum ich einen bart trage, ob ich ihn als distinguierendes merkmal verschiedener szenen sehe und ob man bärte auch als abgrenzung zur metrosexualität ansehen könne. ich weiß doch auch nicht, bei mir ist das ding irgendwie gewachsen, relativ lala, kein teil meiner identität und über den punkt des geltungsdranges bin ich auch irgendwie raus. nach ca. 20 minuten ist alles im kasten. wir reden noch übers radio, über wdr, swr und die strukturen im allegemeinen. medien und ~kritik, podcasts und filesharing, weblogs und jornalismus, ausbildung und studienabbruch und einige andere baustellen. alles frei und unverklemmt. finde ich gut so!

am samstag soll der beitrag laufen. ein vier-minüter. antworten runterkürzen. man kennt das selbst. ich bin gespannt.

samstag / 26.11.2005 / neonlicht / deutschlandradio kultur
16:05 uhr / moderation: susanne burg / livestream


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

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waldar - 19. Mai, 23:00
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ich wusste jetzt nicht, wo ich reinschreiben sollte.....
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monologe - 26. Feb, 17:59
na
wegen zeitmangel musste ich mich kurzfassen ;)
ZuN - 9. Feb, 14:32


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