die zeiten sind widrige, genau wie die sonstigen umstände. beim täglichen, kurzen blick bestätigen sich sowohl klischees gegenüber dem politischen alltag als auch langeweile und irgendwie bedingen sich die beiden sowieso ständig, oder sehe nur ich das so?
ich brauche konstanten, das ist mir selbst schon länger klar. das larifari-self-filling-timetable-living-life ist keines mehr für mich. so fühlt es sich jedenfalls an. vielleicht bin ich auch nur dumm. nein, eher naiv oder sonstirgendwas einfältiges.
was hat ein verlierer wenn er nicht mal mehr verliert? poltert gerade aus meinen boxen. und dann ist sie wieder da, diese konstante. diese ist in den letzten paar monaten zu einer immer wichtigeren geworden. wichtiger als zuvor, weil kraft gebend. okay, das hört sich jetzt wirklich naiv an. aber dieser gedanke ist drei zeilen später eh wieder vergessen.

apropos vergessen: sie weigern sich wegzugehen, die erinnerungen an die
kaizers, die mir immer noch nachhängen. wenn man im nachhinein revue passieren lässt, dann bleiben in der regel entweder fetzen und kleinigkeiten oder aber das große ganze hängen. selten - zumindest wenn man oft zu konzerten rennt, und das rennen darf in dem zusammenhang ruhig benutzt werden! - jedenfalls selten bleibt richtig viel kleben. und genau diese tage sind dann die, von denen man noch längere zeit schwärmen wird. jetzt verstehe ich also endlich auch die exstatischen berichte, die funkelnden augen und die euphorische gestik von kaizers-konzertgängern. label me ignorant, aber ich hatte das bisher alles als übertriebenes getue abgetan. und dann, nach knapp 80 minuten konzert steht man in der ecke, strahlt wie das totzitierte honigkuchenpferd und sehnt innerlich nach dem finale, weil ab hier kann es konditions- und damit auch stimmungsmäßig nur noch schlechter werden.
rückblende.
schon gegen mittag war der stress perfekt: man wacht um 13 uhr auf, torkelt richtung computer, realisiert die vorverlegung des interview-termins um zwei stunden und kommt direkt mit der hektik ins gehege. mikrofon. zeitplan. organisation. adieu.
dann greift man zum telefon und beginnt zu wählen, zu fragen, einen neuen zeitplan zu erstellen. am ende sollte es plan g werden. na prima!
janove entpuppt sich als nur-teils-zu-begeisternder gesprächspartner, der etwas kurzatmig antwortet und sowieso müde scheint. nett, freundlich, aber professionell. ich hatte ihn mir etwas weniger abgeklärt vorgestellt, aber vielleicht ist das ein teil der über jahre aufgebauten bühnen-arroganz, die in das "normale leben" überschwappt. anyway, man lernt nach zwei jahren auch mit solchen interviews umzugehen, obwohl es ja etwas besonderes und außerordentlich gigantisch großes werden sollte.
der rest ist pendeln. von der rechten auf die linke rheinseite, wochenend-einkäufe in den kühlschrank einladen und für fritz - der kaizers-busfahrer - eine packung schmerzmittel eines ingelheimers arzneimittelunternehmens organisieren. der rest ist pendeln. von der linken auf die rechte rheinseite. on the point sozusagen, wenn man sich daran gewöhnt hat, den vorgruppen nicht mehr all zu sehr nachzuweinen. im falle von
geoff berner war das dann doch wieder ein fehler, wenn ich da auf das support-loblied meines kollegens pascal bauen darf. solider quetschkommodenfolk mit spaßigen zwischenmoderationen, der einige sogar zum tanzen bringt (brachte, gebracht hat). wie das eben so ist...

da pünktlichkeit aber dennoch oberstes gebot ist stehen wir dann eben auch pünktlich zu
konzertbeginn schön mittig neben dem notausgang. die tür schließt nicht richtig und deswegen kann man hier eigentlich immer am besten atmen. der schweißgeruch ist auch jetzt schon unerträglich und als dann die
kaizers die bühne betreten, ergießt sich ein wahres meer aus schweiß(-geruch) aus den umstehenden achseln. hieße ich grenouille, ich könnte kotzen. was aber ab da passiert, das hätte ich mir nicht vorgestellt. ein wahnwitziges knäuel aus menschen unterschiedlichster sozialer, popkultureller als auch altersklassen bildet sich, liest von lippen und singt so gut es eben geht auf fantasie-norwegisch mit. dazwischen immer wieder nette kleine erkundigungen von janove, ob es dem publikum denn gut ginge denn einem selbst ginge es unglaublich, ob man vielleicht die hände mal so bzw. so halten könne, ob man ihn vielleicht kurz auf eben diesen durch den raum tragen wolle und wie es schön es doch sei wieder hier in den niederlanden zu....... buuuh. da reissen gerade die alten fussball- und autobahn-traumata wieder auf und die deutsch-holländische freundschaft scheint weiter entfernt als je zuvor (an diesem abend). solche situationen lassen sich dann schnell durch den tourstress auflockern, aber der fettnapf wurde jetzt natürlich gefunden.

es ist schwer zu beschreiben, wie fesselnd diese sechs herren auf der bühne sind. es gibt da diese besondere spannung, dieser berühmte funke der überspringt und ein feuer in den leuten entzündet. es ist nicht so ganz klar, wer hier wen aufpeitscht: kaizers die menge oder doch eher umgekehrt. eine gute band fällt und steht mit dem publikum und wenn am samstag jemand gefallen ist, dann höchstens in ohnmacht und wegen der brütendenen hitze im gebäude 9. im nachhinein kann ich mir auch erklären, warum organist
helge ein konzert dieses kaliber mit gasmaske übesteht. erstens ist sie zu 90 prozent der zeit gar nicht auf seinem kopf, zweitens ist er ein verdammt eiskalter typ. ich weiß nicht, wie man es schafft in einer band eine solche fassade aus abgebrühtheit und coolness aufrecht zu halten, aber über die 80 minuten ging das hervorragend.

habe ich schon von wasserflaschen im publikum erzählt? oder von dem handtuch-luft-fächern? vielleicht was von dem ca. 5-minütigen chor aus dem publikum, der mich wie nichts anderes an ein
turbonegro-konzert erinnert hat. okay, keine geschmickten turbojünger an diesem abend, aber die leidenschaft ist die gleiche.
und leidenschaft, das ist meine konstante.