
Manchmal liegen zwei Dinge nahe bei einander: Ehrlichkeit und Attitüde. Wie nah diese beiden im Falle von
Louis XIV zu einander stehen sei dahingestellt. Eins sei aber ab dieser Zeile gesagt: Rock'n'Roll muss nicht aus Skandinavien kommen, um makellos zu klingen. Und dabei gänzlich andere Wege zu gehen als man es von den erfolgreichen Würfen der jüngsten Vergangenheit gewohnt war.

Die Geschichte geht so: Anfang 2003 gab es drei Männer, die ansonsten mit
Convoy und davor noch mit Emery Bird beschäftigt waren: Jason Hill, Brian Karscig und Mark Maigaard. Vielleicht nicht beschäftigt genug, denn die Geschichte geht weiter. Ein Bauch-Gefühl verschlug die drei in ein Pariser Appartment von Freunden. Dort stand der identische 16-Spur Tape-Recorder, den man auch selbst zuhause in San Diego hatte. Auf diesem wurden in einem schnellen und rauhen Aufnahmeprozess Songs geschrieben und aufgenommen. Nach zwei Wochen und der Rückkehr in die Staaten hieß man nicht nur Louis XIV, sondern hatte auch ein gleichbetiteltes Debut in der Tasche. Und von da an ging alles sehr schnell.
Selbstproduzierte CDs auf dem eigenen Label - der
Pineapple Recording Group - Airplay in Frankreich, England sowie den Staaten und dann kam noch Bassist Jimmy Armbrust hinzu. Alle Zeichen stehen auf Hype. Und der rollt mit zwei weiteren EPs langsam an um während bzw. nach der gemeinsamen Tour mit
The Killers seinen vorläufigen Höhepunkt zu erreichen. Dann der Plattenvertrag im August 2004 bei
Atlantic Records und jetzt nähern wir uns so langsam dem, worauf der Text hinauslaufen wollte: "The Best Little Secrets Are Kept"

Man darf sich ruhig fragen, wie weit Rock'n'Roll mit Sex spielen darf. Louis XIV betreiben dieses Spiel ausführlich und scheinbar gerne, wer also nur nach Political-Correctness-Stempeln einkaufen geht, der sollte ab hier ruhig weg- oder sich die
wirklich gute Rezension bei Pitchforkmdia.com durchlesen.
Wie weit arbeiten Louis XIV die Gender-Fragen der vergangenen Jahre auf? Ist "The Best Little Secrets Are Kept" vielleicht aber auch nur ein neu formulierter Mythos aus den Tagen, als "alles ging"? Ist die Platte eine Inszenierung, die mit Klischees spielt und provozieren möchte? Sind die Jungs wirklich so schwanzgesteuert? Oder ist ihnen das alles egal? Darauf habe ich leider keine Antworten. Ich kann da nur eine geben: Louis XIV rocken!
Hochmut kommt vor dem Fall! Das musste auch der historische
Louis XIV schnell lernen. Arroganz und Selbstherrlichkeit, Größenwahn und Absolutismus waren sein Weg bis zu seinem Tod. Und ganz ähnlich präsentieren sich Louis XIV schon im ersten Song von "The Best Little Secrets Are Kept": Dezent arrangiert aber oppulent wirkender Streicherarrangements leiten - wie sollte er denn sonst lauten - "Louis XIV" ein, so lange bis Jason Hill krächzig-schnoddrig erklärt:
"Well I'm a weapon of mass destruction / Got no apologies for a hyper concussion [..] Me me me me, is all you say that i care about / Me me me me, is all i ever wanna talk about / Me me me me, is what you think that i care about / Me me me me, is all i really wanna talk about [...]"Begleitet wird er dabei von klassisch knarzigen E-Gitarren, Handclaps, Gitarrensolo-Outro, "
Who's your daddy?"-Ansage und viel R-h-y-t-h-m-u-s. Und damit hebeln sich Louis XIV auch durch die folgenden Songs: "Finding out true love is blind" etwa, mit dem sie zuhause in California den Durchbruch im Radio schafften. Oder "Paper Doll", die
Single mit Musikvideo, das von sagen-wir-mal
Art-Porn-Regisseur Eon McKai produziert wurde und die trotz Bett-Geschichten nicht richtig aus dem Quark kommt. Dabei aber leider keine Sekunde langweilig wird. "A letter to Dominique" könnte man fast als R'n'R-Ballade bezeichnen, wird Hill doch tatkräftig durch jede Menge 60s-Pop-Anleihen, Chor-Gesang, Violinen-Präsenz und die Zucker-Stimme von Lindsey Troy unterstützt.

Abgesehen vom ruhig-melancholischen "All The Little Pieces" und dem violinen-durchzogenen episch langen "Ball Of Twine" bringt "The Best Little Secrets Are Kept" gut auf den Punkt, was die frühen
Stones,
T-Rex und sowieso alle bedeutenden Gitarren-Bands von der Insel in den vergangenen 40 Jahren vorgelegt haben. Wilde Klauereien, die Dank guter Verpackung aber denoch frisch klingen. Das unterstreicht auch ein nettes Zitat, welches ein anderer französischer Staatsmann einige Jahre nach Louis XIV so formulierte:
"Wenn man Dummheiten macht, sollten sie wenigstens gelingen!"
(Napoléon Bonaparte)It's the rock'n'roll-something, stupid! Gute Dummheiten. Gelungen. Punkt.
tracklisting
01.
Louis XIV [

/3,8 mb]
02.
Finding Out True Love Is Blind [

/video/stream]
03.
Paper Doll [

/video/20,9 mb]

04.
God Killed the Queen [

/2,7 mb]
05. Letter to Dominique
06. Illegal Tender
07. Pledge of Allegiance
08. Hey Teacher
09. All the Little Pieces
10. Ball of Twine
mehr infos:

louis xiv - the best little secrets are kept VÖ: 15.03.2005
>> louis xiv
>> pineapple recording group
>> atlantic records
>> louis xiv - the best little secrets are kept - albumstream [flash/stream]
>> louis xiv - tblsak e-card [flash]
>> louis xiv - paper doll [

/video/stream]
>> louis xiv - videos [

/

/wmv/video/stream]