man könnte dieses
eine morrissey-zitat manchmal auch anders verwenden, sagen wir mal so: some days are bigger than others. manche tage sind aber auch schlimmer than others, beispielsweise, wenn man gegen 13:30 uhr aus dem post-arbeits-schlaf aufwacht, mit verklebten augen richtung uhr blinzelt und plötzlich hellwach ist. es sind diese tage mit vollgestopftem programm und eigentlich zu wenig zeit, die man verflucht und sich selbst am besten gleich mit.
nach diesen momenten - so geht es zumindest mir - ist man dann plötzlich überkoordiniert. alles geht gleichzeitig, weil alles gleichzeitig gehen muss. plötzlich fließt strom, wenn auch schwacher durch die immer noch müden knochen. der nachteil des ganzen: soll man gedanken ordnen, sozusagen gedanken anderer nachvollziehen, dann sind diese momente grundauf die falschen zur falschen zeit. kann man noch folgen?
für 19 uhr war das interview mit
final fantasy angesetzt, eine stunde früher setzt sich ein unrasiertes, schlecht frisiertes und nicht sonderlich in hochform befindliches etwas in bewegung, richtung straßenbahn, richtung
deutz-mühlheim. unterwegs tausend gedanken, die es immer noch zu ordnen gilt. notiz für später: gedanken ordnet man nicht, indem man
laute musik hört, wenn der abend doch
explizit in eine andere richtung gehen soll!

am gebäude 9 wartet
jan, die
fotografin kommt auch kurze zeit später und so sitzen drei menschen in einer großen halle, hören einem
acht-köpfigen freundeskreis beim soundcheck zu, der scheinbar großen spaß an dem ersten deutschland-auftritt zu haben scheint. links neben uns bemühen sich zwei menschen, ein
präsentations-banner in position zu rücken. merkwürdig: will man da etwa nicht den zug verpassen?


im anschluss daran steht
owen pallett auf der bühne, nur bewaffnet mit violine, effektgerät und seiner stimme. kurzer soundcheck, dann werden fotos gemacht. in filmen sehen fotosessions immer ultra-professionell aus, hier nicht. sandra bittet owen lediglich in eine ecke der halle, leuchtet ihn ein wenig mit dem reflektor aus, belichtung an, zack im kasten. er will vorher noch schnell eine zigarette, krawatte und bier. verbraucht will er aussehen, so von wegen rocknroll und so. dann noch nach draußen,
once around the block, um dort auch noch ein paar fotos zu machen. spontaner klamottentausch zwischen owen und jan, posen vor dem so-called-schachbrett, lächeln, portraits und dann ab.
owen ist lustig, hat spaß, scherzt rum und macht sein zweites "shooting ever" mit.



beim interview ist er noch einmal anders. zwischen dem verschmitzten lächeln blitzt immer wieder ernst auf, ehrlichkeit und indie-charme. er erzählt von seiner heimat kanada und der dortigen musikszene, von seinem album und wieviel spaß es gemacht hat, die platte innerhalb von sieben tagen zusammen mit einem freund in einem hinterzimmer einzuspielen. davon, dass es ganz einfach war, seine partituren in den 4 touren während der vergangenen 8 monaten zu schreiben (aufzuschreiben!). und wie hoch seine ansprüche sind, wenn er als violinist für andere bands wie
the arcade fire,
do may say think und
the hidden cameras arbeitet. er erzählt von der gay community in kanada und den staaten, von seinem freund und den mit ihm verbundenen beziehungsproblemen und wie weit diese den weg auf owen's debut als final fantasy - "has a good home" - gefunden haben.

das konzert ist ausverkauft, schon seit tagen. einige stehen dennoch vor der tür, fragen immer wieder nach karten. das gebäude 9 ist zum bersten voll, owen steht punkt 21:15 uhr auf der bühne und scheint die leute spätestens nach dem ersten song hinter sich zu haben. der junge mit der violine, das scheint für manche auf den ersten blick ungewohnt sein. unglaublich aber, was er so alles aus seinem instrument herausholt. immer wieder spielt er kurze samples, loopt diese durch seine effektgeräte bis man den eindruck hat, hinter der bühne würde ein kompletter streichersatz zur unterstützung spielen. dazu seine private, ruhige stimme. immer wieder gebrochen durch emotionale ausbrüche, kehliges schreien oder lustige ansagen:
this next song is called "the cn tower belongs to the dead" and it is about the cn-tower in toronto, canada where i am from. people that wanna die go there and watch down on the city from the top platform, thinking about their life for a last time. and that's what the song is about... actually it's also about star wars... or... pig-farming...das
joanna newsom-cover verpasse ich leider, und das obwohl owen kurz zuvor noch zu cover-wünschen aufgerufen hat:
i can play covers if you like. i can cover janis joplin, for example... no, i think i don't do any cover songs. or do you have some in mind?nach einer guten halben stunde ist umbaupause.

im konzertraum wird es aber nicht leerer, ganz im gegenteil. teilweise stoisch werden hier stehplätze verteidigt, ellbogengesellschaft. so stehe ich dann wohl so ziemlich letzte reihe, sehe acht menschen die bühne betreten, die diesen club innerhalb kürzester zeit für sich gewinnen. überschwänglicher applaus bei "laika", anschließend "no cars go" von der frisch nachgepressten
demo-ep. später ein neuer song, "cold wind". nach aussage von win butler gerade mal 4-mal gespielt. schön! danach "old flame", ebenfalls von der ep. "crown of love", "neighborhood #1 (tunnels)" und "une année sans lumiere" bauen dann die stimmung auf, für das bombastische finale, das langsam in greifbare nähe rückt. "neighborhood #3 (power out)" und "rebellion (lies)" gehen langsam ineinander über. überschwengliche show, herumschleudern von hihat-elementen, schweißtreibendes pathos.gottogott, nur die zwischenansagen kommen heute nicht wirklich - und das bei acht leuten!

die erste zugabe mit großem shalala und gruppen-chor, "wake up". dann noch einmal von der bühne, gewaltigen applaus abwarten und wieder rauf: "in the backseat", danach konnte dann wohl auch nichts mehr kommen. morrissey hatte irgendwo recht. some bands are bigger than others!
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