
Ich kann mich noch recht gut an einen Tag vor einigen Wochen erinnern, als
bei uns seit längerem mal wieder ein Streitgespräch über Musik und so stattfand. Ein förderliches Gespräch. Jedenfalls fiel im Laufe des Gesprächs die Formulierung "Cordjacken-Träger-Musik", die für mich so schön ins Klischee der Musik-Nerds passte. Nun trage ich weder schwarz-berandete Brille noch be-badgete (Mind the denglish) Cordjacke, aber
Wolf Parade ist genau die Musik, zu der ich mich in die Nerd-Uniform werfen würde.
"We are called Wolf Parade and we sing pretty songs", schreiben Wolf Parade in den Untertitel ihrer schlichten, dafür aber umso greller gestalteten Homepage. Ja, das tun sie! Und wenn sich wieder mehr Leute mit schöner Musik beschäftigen würden, statt sich vorher Gedanken über den passenden Anzug zum Image zu machen, dann würde Musik mir auch wieder mehr Spaß machen. Warum ich das alles schreibe? Weil Wolf Parade Indie wieder auf den richtigen Weg bringen. Zu viel Zeit ist mittlerweile seit "Good News For People That Love Bad News" vergangen. Naja, eigentlich nur ein Jahr. Aber was ist in der Zwischenzeit passiert? Franz Ferdinand, The Killers, Bloc Party, LCD Soundsystem: Ihr kennt die Namen und die Liste ist noch länger. Zeit für Indie Rock, dieses Jahr für sich zu beanspruchen? In diesem Falle: JA!

Die Erinnerung an eines der schicksalhaftesten Alben dieses Jahres - das Debut
"Funeral" von
The Arcade Fire veranlasste Christian Lehner dazu, die
"Canadian Invasion" auszurufen - ist noch frisch. Was Musik angeht bleibt man in den seltensten Fällen stehen. Warum auch? Vereinen Wolf Parade doch alles, was man sich zwischen The Arcade Fire,
Modest Mouse,
The Unicorns,
Marquis de Sade und
The Postal Service. Schwankende Beständigkeit zwischen ruhigerem Indie-Rock, begleitet von programmierten Elektro-Bleeps und von mit Effekten verfremdeter Orgel untermalt. Stimmungsvolles Wandeln durch dunkle Klanhgallen, Melodie-geschwängerte Arrangements und eine Stimme, die Isaac Brock problemlos Konkurrenz machen kann, ohne als Platte Kopie zu enden.

Die vier Musiker aus Montreal bilden tatsächlich die neue Betrübtheit des Seins Kanadas ab: Neben Arcade Fire,
The Dears und
Broken Social Scene ist noch Platz, noch Öffentlichkeitsinteresse. Vor allem wenn dieses wie im Falle von Dan Boeckner (Bass), Arlen Thompson (Drums), Hadje Bakara (Programming) und Spencer Krug (Gitarre) auf so zurückhaltende und zugleich stürmische Weise geschieht.
Ganz fremd ist ihnen Musik beileibe nicht: Boechner war der Kopf von
Atlas Strategic, Krug gehörte zu Blue Pine und
Frog Eyes. Und so klingt ihre zweite selbst-betitelte EP auch: Erfahren, gewachsen, über alle Zweifel und Kritik erhaben. Schon die Eröffnung der Platte mit "Dear Sons and Daughters of Hungry Ghosts" und seinem euphorisch-betrübten "Lalala"-Refrain macht mir als Hörer klar, dass von hier an eine Liebe wächst.

2005 wird Indie-Jahr! Versprochen! The Arcade Fire haben ihr Debut bereits veröffentlicht, der Nachfolger von "You Forgot It In People" der Broken Social Scene
ist in der Warteschleife und die Godfathers des Indie -
Sub Pop Records - planen in diesem Jahr den
Release des ersten Wolf Parade-Albums. Was da kommt, wird großes mit sich bringen!
tracklisting

01
Dear Sons and Daughters of Hungry Ghosts [

/5,5 mb]
02 We Built Another World
03 Grounds for Divorce [

/6,1 mb]
04 It's a Curse
05 The National People's Scare
06 Killing Armies
mehr infos:
>> wolf parade
>> sub pop records
>> my life as a reptile: a wolf parade interview
>> wolf parade - various songs [

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>> wolf parade live @ the cbc radio 3 session [

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