
Man lasse folgende Situation vor dem geistigen Auge Revue passieren: Unter gleißendem Licht wälzt sich eine Frau immer und immer wieder in ihrem Bett auf und ab, durchzuckt von Schmerzen. Schmerzen, die einem als Mann wohl mehr als fremd sind. Als Ergebnis der mitunter stundenlangen Tortur (wenn man es so nennen darf) erblickt neues Leben das Licht der Welt.
Nackt. Blutig. Schreiend. Präsent. Geliebt.
So weit, so verkürzt, so romatisierend. Eine Geburt von dieser Seite des Monitors zu beschreiben, ohne selbst über den entsprechenden Erfahrungshintergrund zu verfügen ist natürlich naiv. Aber mitunter einfacher, als mit diesem Text noch neun Monate zu warten. Der dreht sich nämlich vor allem um: Dringlichkeit.

Wenn
"In Utero" Cobain's Antwort auf den Erfolg von
"Nevermind" war und der neue (alte) lärmige Curt Fans und Kritikern reihenweise vor den Kopf stieß, dann wäre "You're a Woman, I'm a Machine" die adäquate Steigerung von Indie-Rock zum zügellosen Monstrum. Dem Klischee entsprechend ein Break-Up-Album über Frauen. Wie es sich für Jungs gehört. Allerdings gänzlich anders, als man es vom zehnten schwedischen Klon, der von zerbrochenen Herzen singt, gewohnt wäre: Hier ist alles roh und laut, wütend und druckvoll, direkt, angewiedert und mit einem leicht verrückten Glänzen im Auge. Ungefilterte Leidenschaft, durchzuckender Schmerz und zügelloses Aufheulen des Herzens. Boom. Zorn! Party! Yeah!
Erschreckender ist dabei, dass Jesse F. Keeler und Sebastien Grainger die Demontage von
The Red Light Sting,
The Blood Brothers und
Lightning Bolt im Alleingang begehen. Bewaffnet lediglich mit einem mit verschiedenenen Effektgeräten verlöteten bassigen Etwas, das
Jon Chapple neidisch machen und
Jack White um den Verstand bringen würde. Grainger kämpft sich derweil mit Schlagzeug und krächzigen Vocals durch dieses Monstrum von Album, als sei jemand (oder etwas?) hinter seinem Leben her. Wie viel schöner/hässlicher kann man denn bitte seine Unschuld verlieren? Elf Unterleibsgesteuerte Attacken auf das zentrale Rhythmuszentrum, dort wo ansonsten die Indie-Synapsen zusammen mit den Dance-Faktoren der vergangenen Jahre feiern. Werden alle vernichtet. Übrig bleibt ein Brei von wirren Gedanken, das Gehirn geht auf Durchzug und "You're A Woman, I'm A Machine" beißt sich mit seiner ganzen Kraft fest. Ein rosa Elefant poltert danach durch den Gehörgang. Aua, Schmerz...

Eigentlich sollte
Death From Above 1979 mehr als eine Zwei-Mann-Band sein: verschiedene Konzepte wurden ausprobiert, im Endeffekt hörten sich diese jedoch alle gleich (langweilig) an. Die Wahl des Duos lag dann irgendwie näher. Detail am Rande: Keine Gitarre auf diesem Album, auch wenn die Ohren etwas anderes suggerieren wollen.
Zur Zeit der Bandgründung waren die beiden noch rein als "Death From Above" unterwegs, der Umstand "1979" wurde mit dem Album-Release geboren. Zitat:
"FUCK DFA RECORDS. FUCK JAMES MURPHY. WE DECLARE JIHAD ON THEM. HOLY WAR ENDING IN THEIR DEATH AND DISMEMBERMENT... james murphy is a selfish piece of fuck that will burn in the flames of a specially dedicated rock and roll jihad. if i had the resources i would fly a plane into his skull."Urheberrechtsverletzungen, die man auch friedlich hätte aus der Welt schaffen können. Könnte man meinen. Aber was will man schon von zwei durchgeknallten Typen erwarten, die in einem ehemaligen Bestattungsunternehmen wohnen. Und das soll noch nicht einmal abwertend klingen. Ganz im Gegenteil. Band mit Meinung! Aus Toronto. Mittlerweile weltweit unterwegs. Bereits die vierte England-Tour. Japan. USA. Crazyness.
Max Weinberg, der Drummer der
Conan O'Brien-Hausband und Ex-
E-Street-Band-Mitglied stieg beim
Auftritt der Band in der Show persönlich hinter das Schalgzeug. Verbiegen einem die Synapsen, diese beiden.
Mir geht es sehr gut. Wie geht es Ihnen?
tracklisting:
01. Turn It Out
02.
Romantic Rights [

]
03. Going Steady

04. Go Home, Get Down
05.
Blood on Our Hands [

]
06. Black History Month
07.
Little Girl [wma]
08. Cold War
09. You're a Woman, I'm a Machine
10. Pull Out Listen
11. Sexy Results
mehr infos:
>> death from above 1979
>> vice records
>> ache records
>> dfa1979 - you're a woman, i'm a machine [flash/albumstream]
>> dfa1979 - romantic rights [

/wmv/

/stream]
>> dfa1979 - blood on our hands [wmv/

/stream]
>> dfa1979 - live @ conan o'brien, 11.03.05 [wmv/video/7,1 mb]