
Dreckig. Ist es nicht toll, wenn Worte in ihrer Betonung schon klar machen, in welche Richtung die Reise geht! Schmutzig. Klingt schon sauberer, oder? Aber hier: Rumpelnd. Da rrrrollt und holperrrt das "r" nur so vor Begeisterung. Lautmalerei galore, aber was hat das mit Whitey zu tun?
Nathan J. Whitey impliziert erst einmal England. So what? Arbeiterherkunft? Oder Jugend in der wohlbehüteten Mittelstands-Familie? So genau wird man das nicht festmachen können, es wäre auch egal: Nathan ist/war ein Adoptivkind. Der Schritt von Nathan J. Whitey zu Weißbrötchen ist dennoch ein kleiner und so sieht er dann auch aus. Ein harmloser junger Mann, der Musik macht. Klischeedenken galore, aber was hat das mit Whitey zu tun?

Whitey ist beides. Die Thesen:
Der dreckig-rock'n'rollende Disko-Punk aus gut-bürgerlichem Umfeld. Der Multi-Instrumentalist, der vermutlich früher Klavier-Unterricht hatte. Und wenn nicht das, dann drückte er sich in mehreren dutzend Probekellern rum, spielte hier und da Gitarre und rauchte Zigaretten. Die Rampensau beim abendlichen Gig. Der zurückgezogene, nachdenkliche Mann, der eine ganze Schrankwand mit dicken Büchern sein Eigen nennt. Und die hat er dann auch noch alle gelesen. Fassade mit Rissen, die das Ganze erst so richtig interessant machen. Denn das Dahinter, das will man dann eben doch noch nicht sehen.
Wie oft wurde eigentlich schon über "Das Licht am Ende des Tunnels" spekuliert? Jede zweit- (oder bestenfalls sogar erst-)klassige Krankenhausserie hat sich diesem Thema gewidmet. Wenn alles dunkel ist, dann muss es trotzdem Hoffnung geben blabla...
Whitey skizziert das Bild schlicht und pragmatisch: "The Light At The End Of The Tunnel Is A Train". Peng. Aus. Tod kann so schön sein. Wieso ist bis jetzt noch niemand auf diese Idee gekommen? Okay.
The Damned gingen 1987 vielleicht in die
ungefähre Richtung. Aber diese Assoziation lag doch so nah! Typisch schwarzer Humor von der Insel.
Die vergangenen 10 Jahren verbrachte Whitey in Clubs und Studios: Als Produzent verschiedenster Dance-Platten unter verschiedensten Pseudonymen. Vor zwei Jahren begann Nathan mit den ersten Aufnahmen unter dem Namen Whitey. Zwei Jahre sind eine lange Zeit für 10 Songs, die sein Debut nun zu schultern hat. "Leave Them All Behind" war der erste Song der Schockwellen aufs Parkett brachte. Nach dieser Single ging Whitey steil, nicht nur in England, sondern auch in den Staaten. Was auch den Umstand erklären dürfte, dass Whitey sich mittlerweile den Manager mit den
Yeah Yeah Yeahs und den
Liars teilen darf. Dabei lebt Nathan gar nicht so von dem ganzen Rummel um ihn. Er weiß gut genug, was plötzliches Superstardom für eine Band bedeuten kann: Er hat schließlich nicht nur als Remixer für
Kylie Minogues'
"Red Blooded Woman", sondern auch für
Soulwax und
Chromeo Remixes geschraubt. Und auch lange genug seine Brötchen als "Musikjournalist" "verdient".

Dabei könnte es "The light at the end of the tunnel..." relativ leicht haben: Die britische Presse läuft Amok, die Dance-Szene steht Kopf und die Indies kramen verzweifelt in ihren Platten-Schubern um ihre
My Bloody Valentine-Platten hervorzuholen. Ein
T.Raumschmiere mit 3-Tage-Bart. Die Synthies sind gezügelt, die Gitarre allerdings rotziger, das Schlagzeug krachiger, aber das Gesamtwerk verträglicher für den Magen. Whitey klingt gar nicht so "Anti", wie es T.Raumschmiere auf der Straße plakatiert. Und
James Murphy alias
LCD Soundsytem - den anderen "Entdecker" der Vorzüge der Dance/Punk-Fusion - muss man glücklicherweise nicht als direkte Referenz heranziehen. Whitey's 10-Zeilen-Texte klingen zwar auch nöhlig, aber glücklicherweise nicht nach der einszueins-Kopie britischer Vorbilder. Und Dance Music findet bei ihm eigentlich gar nicht merh statt. Verständlich, nach der langen Produzenten-Zeit. Statt dessen rotieren
Cash,
Smith und andere ruhige, klassische Songwriter. Dem gegenüber steht der rauhe Klang von "The light at the end of the tunnel...". Ganz alleine von ihm eingespielt. Multi-instrumentalist. War ja klar. Live wohl eine Wucht: Gänzlich andere Arrangements, ein Schlagzeug, zwei Gitarren, veränderter Gesang. Muss man erleben. Sagt man. Girls: Clean your dancing shoes. Boys: Put your Motörhead-Badges on. Whitey is the new old Punkno! Sage ich!
tracklisting:
01. Intro/Into The Limelight
02. Leave Them All Behind
03. Y.U.H.2.B.M.2

04. A Walk In The Dark
05. Can’t Go Out, Can’t Stay In
06. Tantrum
07. HaHaHa
08. Halfway Gone
09. Nonstop
10. The Light At The End Of The Tunnel Is A Train
mehr infos:

whitey - non stop / a walk in the dark (single) VÖ: 11.03.2005
>> 1-2-3-4 records
>> pias recordings
>> chromeo - me & my man (whitey mix) [

]