Sonntag, 23. Januar 2005

bright eyes - digital ash in a digital urn / i'm wide awake, it's morning [saddle-creek rec./indigo]


photo: conor oberst                     (courtesy of saddle-creek rec./bright eyes) review Da liegen sie also, die beiden Bright Eyes-Alben. Blicken mich immer noch fragend an. Ich blicke zurück, blinzle, wende mich ab. Beim Schließen der Augen lasse ich mir von Conor noch einmal die wichtigsten Punkte aufzählen. Knapp 100 Minuten, verteilt auf 2 CDs lässt er mich teilhaben: An seinem Leben, Lieben, some suggestions: go ahead & support the artists by buying the album! Scheitern, Schaffen. Und dennoch habe ich das Gefühl, etwas anderes serviert zu bekommen, als noch bei "Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground" oder "Fevers and Mirrors". Die Akzente sitzen anders. Müssen sie vermutlich auch, denn ansonsten wäre das Konzept der Doppel-Veröffentlichung bereits ad absurdum geführt. Saddle-Creek bzw. die Menschen dahinter sind der Impulsgebende Faktor auf "Digital Ash In A Digital Urn" und "I'm Wide Awake, It's Morning". Haben in den vergangenen Jahren die meisten Saddle-Creek-Acts den Balance-Akt, die experimentelle Offenheit gewagt, so geht Conor andere Wege. Hätte er heute den Fokus auf nur ein Album gelegt, es wäre eine unschöne Melange herausgekommen. Stilistische Offenheit ist dem Künstler förderlich, wie man diese kanalisiert ist die wirkliche Herausforderung.

Nimmt man sich jedes Album einzeln vor, dann merkt man schnell, dass eine Vergötterung aller Stücke nicht möglich ist. Nicht sein muss. Es sei denn, man hat bereits jede Bright Eyes-Single im Regal stehen und kauft der Vollständigkeit halber. Um es vorweg zu nehmen: Aus beiden Alben liest man deutlich Conor's Handschrift, man nimmt den Songwriter im Vordergrund deutlich wahr. Aber es ist die stilistische Ausrichtung, die dem Grundkonzept der Alben zu Grunde liegt.

bright eyes - i'm wide awake, it's morning "At The Bottom Of EveryThing" eröffnet "I'm Wide Awake, It's Morning", das deutlich (Akustik-)Gitarren orientierte Album, dem klassischer amerikanischer Folk und auch Country als Leitfaden dient. Und nach einigen Zeilen Conor's und der einsetzenden Akustikgitarre wird der Ritt durch die zeitgenössische und traditionelle Geschichte des weiten Amerikas eröffnet.
Das Grundtempo ist betont ruhig, dennoch sticht die emotionale Unruhe Conor's immer wieder heraus. Gerade in Stücken wie der ersten Single "Lua", "First Day Of My Life" oder "Poison Oak" präsentiert sich Conor so, wie er von vielen gesehen wird: Als Solo-Musiker. Dieses Bild wird dann allerdings negiert, Stücke wie "Old Soul Song (For The New World Order)", "Another Travellin' Song" und "Road To Joy" machen keinen Hehl aus den Fähigkeiten des Projekts Bright Eyes. Oder das abschließende "Road To Joy", das sich nach zwei Minuten zu einem eklektischen Klang-Getüm steigert, angeführt von einem aufgewühlten Conor.

bright eyes - digital ash in a digital urn Auf "Digital Ash In A Digital Urn" nimmt sich Conor zurück. Hier stehen die digital bearbeiteten bzw. entstandenen Klangkonstrukte von Mike Mogis, Jimmy Tamborello (The Postal service), Andy LeMaster, Clark Baechle (The Faint) und vielen anderen im Vordergrund. Rhythmusorientierter ist es, verstörend ungewohnt für Bright Eyes-Fans, spannend für diejenigen, die bisher mit der Band aus Omaha nur das Klischee der Weinerlichkeit verbinden und mit Akustik-Gitarren weniger anfangen konnten. Die Betonung liegt bei diesem Album deutlich auf dem Schlagzeug, (analoge als auch digitale) Synthies doppeln Conor's Stimme und unterstreichen sie gleichzeitig. Vor allem aber wird der Musik hier deutlich mehr Platz eingeräumt. Modern klingt "Digital Ash...", ganz anders als das traditioneller gehaltene Pendant. "Gold Mine Gutted", "Take It Easy (Love Nothing)", "Devil in the Details" oder "Light Pollution" drängen sich ganz eindeutig in den Vordergrund. Mit eingängiger Melodie und Rhythmus wirken sie als Impulsgeber für zukünftige Bright Eyes-Songs, the shape of Conor to come... "Theme From Pinata" hingegen ist dem bisherigen Output bereits um einiges voraus, die Akustik-Gitarre glänzt hier zusammen mit Bossa-Nova-Anleihen.

"I'm Wide Awake, It's Morning" und "Digital Ash In A Digital Urn" haben das Zeug, zu einem Meilenstein in der sowieso schon langen, erfolgreichen Bright Eyes-Geschichte zu werden: Der Tag an dem sich das bisherige Bandkonzept auflöste und man sich in zwei voneinander Entgegengesetzte Richtungen entfernte, ist der 24. Januar 2005. Die Konstante für beide Reisen wird es dennoch geben: Conor Oberst.


tracklisting:

"I'm Wide Awake, It's Morning"
01. At The Bottom Of Everything [feat. Jim James]
02. We Are Nowhere And It's Now [feat. Emmylou Harris] | [mp3-file/1 mb]
03. Old Soul Song (For The New World Order) [feat. Emmylou Harris]
04. Lua [mp3-file/1,1 mb]
05. Train Under Water
06. First Day Of My Life
07. Another Travelin' Song
08. Landlocked Blues [feat. Emmylou Harris]
09. Poison Oak
10. Road To Joy

"Digital Ash In A Digital Urn"
01. Time Code
02. Gold Mine Gutted [mp3-file/0,9 mb]
03. Arc of Time (Time Code)
04. Down In A Rabbit Hole
05. Take It Easy (Love Nothing) [mp3-file/0,8 mb]
06. Hit The Switch
07. I Believe In Symmetry
08. Devil In The Details
09. Ship In A Bottle
10. Light Pollution
11. Theme From Pinata
12. Easy/Lucky/Free


Bright Eyes auf Tour:
22.02. Köln - Stollwerck
24.02. Hamburg - Fabrik
25.02. Bielefeld - Ringlokschuppen
02.03. Berlin - Postbahnhof
03.03. München - Kl. Elserhalle
04.03. Wien - Arena
05.03. Zürich - Rote Fabrik
(mit Rilo Kiley)


mehr infos:
Bright Eyes - I'm Wide Awake, It's Morning / Digital Ash In A Digital Urn VÖ: 24.01.2005
>> Bright Eyes
>> Saddle-Creek Records
>> Indigo
>> The Story Is In The Soil (Bright Eyes-Fanseite)


schnell rein hier, sonst bleibt das ein monolog...

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Eggi - 6. Apr, 11:53
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na
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