hornby sieht man ja auch nicht gerade alle tage. ich zumindest nicht. ich habe mich gefreut. auch auf
the marah (the ma
rah), zumindest was ihre songs angeht. für mich irgendwo zwischen bruce springsteen und the shins. hört sich nach kruder mischung an, stimmt aber (abgesehen von der stimme). naja, zurück zum roten faden. hornby hat neue texte mitgebracht. texte über musik, er sagt etwas von weltpremiere und köln als besonderer ort, auch für seine guten freunde the marah. er erzählt von rod steward, the clash, springsteen, konzerten, dem altern, inszenierung auf der bühne und mythen im pop-geschäft im einzelnen beziehungsweise der kultur im ganzen.

kleine intime anekdoten (etwa die, dass er zum ersten mal wirklich mit punk konfrontiert wurde, als seine schwester den stranglers-bassisten im zug abgeschleppt und mit nach hause gebracht hat.), liebevoll geschriebene texte über musik, bei denen ich leicht befangen richtung boden blicke und mich komischerweise an die proll-hip-hop-kapelle sav/stf und ihren hook "du musst noch üben" erinnert fühle. aber ich bin ja auch kein millionenschwerer autor. hornby spricht von dem job, autor sein ist nichts anderes als ein elektriker zu sein: große werke entstanden schon oft genug unter dem zwang, seine brötchen verdienen zu müssen. und das ein guter freund von ihm gerne von "something happened on stage" spricht, obwohl da nur jemand seinem gut inszenierten job nachginge.
was inszenierung angeht können the marah gut mithalten. ich hatte sie mir anders vorgestellt. nicht diesen britischen schnodder-look, aber genau darauf steht hornby auch. er sprach früher von inszenierung, und genau so wirken the marah bei ihrer begrüssung, eine kleine geschichte aus barcelona, verpasste flüge, tacos, kommunikationsprobleme aber musik als gemeinsamen nenner zwischen den kulturen. aber sie wirken routiniert, irgendwie auch affektiert und unecht. die witze rollen wie vom band und scheinen genau geplant: das kommt an, die leute lachen herzlich über die zwei brüder, die gerade die vergangenen tage revue passieren lassen. aber dann kommt wieder der gedanke an hornby's worte von der großen selbstinszenierung, und als gefällige und spassige indie-band kann man mehr brötchen kaufen als die arrogante bzw. schüchterne band. ich kenne die band nicht lange genug um mir irgendein ausreichendes bild von ihr zu machen, zumindest ein bei weitem nicht so gutes wie nick.

während seiner lesung streuen the marah immer wieder cover-songs von den in den texten genannten bands ein (hornby erwähnte eingangs, er bevorzuge cover-versionen ihrer neuinterpretation wegen). der text zu the clash gefällt mir am besten. hornby beschreibt seine sozialisation richtung 77-punk im spießigen cambridge, wobei er allerdings als literatur-student kein gutes bild abgab. und wie the clash später nicht mehr aus der charikatur des punks herauskamen, die sie selbst mit gezeichnet haben.
the marah beenden den text mit "lost in the supermarket", wieso hier allerdings nicht "spanish bombs" fielen leuchtet mir nicht ein.
zäsur.

the marah rocken, das merkt man. sie haben spass und stolzieren über die bühne wie ihre großen vorbilder, denn bei denen bedienen sie sich ausgiebig. das im alterschnitt 35-jährige publikum mag das, auch das alte anklatsch-spiel funktioniert hier besser und schneller als mit 18-jährigen teens. hier sind viele lederjacken und geheimratsecken (ab und an auch kapitale glatzen) unterwegs, alle auf der suche nach der vergangenheit in der gegenwart (genauso wie ich) hornby erwähnte relativ früh, dass die vergangenheit immer gewinnen würde: einfach, weil es immer mehr vergangenheit als gegenwart gäbe. er hat recht, denoch ziehe ich es vor im jetzt zu leben, als ständig der vergangenheit hinterher zu laufen...
the marah spielen, die menschen klatschen und tanzen zaghaft, man ist immerhin auf einer lesung. es wirkt zeitweise wie eine persiflage auf die frühen stones plus ein klecks the who, dazwischen der bereits erwähnte springsteen. jede geste sitzt und entweder wurde gut geübt oder sie sind tatsächlich solche energiebündel. ich bin mir unsicher und entscheide mich lieber für variante a.
nach einer halben stunde ist meine aufnahmebereitschaft für die band aus philly aber erschöpft.
später teenie-haftes warten im café, ich will ein f*cking autogramm! das letzte autogramm ist schon eine ganze weile her und ich gebe vor, rein monetäre ideen mit dieser aktion zu verfolgen. mein mp3-player würde doch sicherlich bei einem irgendwann mal anstehenden verkauf bei ebay einen netten mehrwert aufweisen, auch dank des darauf gespeicherten 9-minuten-mitschnitts. und so stehe ich dann in der schlange, ich bin dran,
da sitzt hornby, du sollst nicht zittern! ich zittere doch, nicht viel, aber immerhin genug um es selbst zu bemerken. er lächelt kurz nach oben und erinnert mich daraufhin an
einen guten bekannten von der insel, der ihm ganz ähnlich sieht (mal von den spitzen ohren hornby's abgesehen). er fragt nach meinem gusto, irgendwie kommt aber doch nur ein "
oh, i'm totally fine,
thanks." statt dem angemesseneren "
you made me think in a different way about music. thanks for your work!" in den kopf (wobei ich im nachhinein froh bin, die schleimspur eingepackt gelassen zu haben). er fragt mich noch kurz, auf was er da eigentlich signiert habe und ich werfe ihm ein kurzes "
a digital meets analog-music-device" entgegen während ich mich schon in der drehung befinde. von hinten wird geschoben, andere wollen auch und so wäre die zeit zum small-talk sowieso nicht da (obwohl mich sein verhältnis zu john peel interessiert hätte).
ich muss mir eingestehen, dass ich mir gerade ein autogramm habe geben lassen. dass ich hier oben doch noch kind bin. dass ich mich immer noch für manches begeistern lassen kann.
dass ich immer noch fan sein kann!
>> the clash - straight to hell [

]
edit.1
Vielleicht liegt es ja nur an meinem Alter, daß ich hier ein Loblied auf eine Band singe, die sich durch zweistündige Live-Konzerte schwitzt, The Jam covert, Songs mit Versen und Refrains singt und, okay, ich gebe es zu, manchmal Banjo spielt. Der Popkritiker des "Guardian" besprach vor kurzem eine englische Band namens Selfish C***, eine Band, die ihn - angenehm, wie ich dazusagen muß - an "den hämmernden Drum-Computer des kontroversen 80er-Jahre-Trios Big Black und den düsteren Lärm der frühen Throbbing Gristle" erinnerte.
nick hornby auf spiegel online über the marah und warum er sie so liebt...
edit.2
Nick Hornby, Autor des Romans High Fidelity, empfiehlt die Rock'n'Roll-Band Marah, die garantiert keiner kennt, als beste Band der Welt und fragt bei der Gelegenheit: Bin ich zu alt für diese Musik?
auch das zeit-blog "musik und so" setzt sich mit the marah & hornby's-kolumne (die auch in der f.a.z. abgedruckt wurde, zu finden im
kostenpflichtigen archiv) auseinander. zum stichwort "
die garantiert niemand kennt" muss man allerdings sagen, dass mich kollege timo gestern darauf hinwies, dass the marah bereits vor einem jahr auf einem sony-sampler vertreten waren und somit durchaus mehr menschen als nur ihm bekannt sein dürften.
mehr zu the marah und dem stichwort "hype" aus dem prominenten mund auch bei
demokratie und alltag
edit.3
der ard-
tagesthemen-beitrag von anne sieger, wdr am 08.11.04