
An diesem Album werden sich die Geister scheiden. Das ist schon einmal sicher.
Beep Beep, der neue Name für Non-Konformität und Stilmix. Sperrige Gitarren treffen da auf
Gang of Four-Tanzbarkeit, verschrobene Schrammelakkorde, die die eigene Punkband auch spielte. Eine Stimme die
McLusky Andy Falcous in nichts nachsteht, zusätzlich aber noch etwas leicht schizophrenes hat.
Beep Beep - Get out of my way!

"Business Casual". Zufälliges Geschäft. Zufällig entstanden. Glück gehabt. Wir haben es nie drauf angelegt.
So ungefähr könnten die Antworten auf die Frage sein, wie man zum Album-Release bei
Saddle Creek Records kam. Gegründet wurde Beep Beep 2001 von
Eric Bemberger und Chris Hughes. Anfängliche musikalische Spielereien mit einer
16bit Drum Machine. Als man merkte, da geht was, hörte man sich nach weiteren Musikern aus Omaha um. Getroffen hat man schließlich Drummer Mike Sweeney sowie Katie Muth am Bass.
Mit dem angedachten Ausstieg Katie Muth's kam dann die Erkenntnis, dass eine neue Bassbesetzung her musste. Mittlerweile war es 2003, Mike Mogis - Mastermind hinter Saddle Creek Rec. - war bereits auf das Quartett aufmerksam geworden. Und schließlich fand sich auch der neue Bassist: Joel Peterson, besser bekannt auch von seinen anderen Bands
Broken Spindles und
The Faint. So viel zur Geschichte.
"Business Casual", das ist wie ein Schlag auf die Nase. Schon der Opener "I am the secretary" macht klar, was auf einen zukommt: Ein kleines Snare/Bass-Intro, eine einsetzende Stromgitarre und dann kommt der Gesang. Schrullig, asynchron im ersten Durchgang, ächzend, drückend. Und das ist prinzipiell erst das Intro des Albums. Der Song, der auf "Oh No!" hinleitet. Hier bricht der Wagen endgültig aus. Zunächst noch melodisch - soweit man das von Bemberger's Stimme behaupten kann - dann geht es mit einem kurzen Gitarrensolo über die Leitplanken mit lautem Geschrei die Klippe runter.

"Business Casual" ist nicht nur ein Aufeinandertreffen von Musikstilen wie Indie, Lo-Fi, Elektro, Dance Art- und Post-Rock sondern auch ein Aufeinanderprallen von verschiedenen Klängen: Gitarre, Schlagzeug, Bass, Orgel, Kirchenglocken, Sequencer, Beeps und Bleeps.
Das wird nirgends so deutlich wie in "Giggle Giggle". Da wird ein kleines Synthie-Intro vorgeschickt, um Platz für das Gitarren/Schlagzeug/Gesang-Bett zu machen. Gegen Ende des Songs verfällt der Sound in Trance, da werden die Instrumente scheinbar nur noch willkürlich malträtiert. Dass jetzt aber nicht der Eindruck von A-Melodik aufkommt.
Das wird nämlich bereits in "Electronic Wolves" widerlegt. Ein absolut tanzbarer Song, der auch aus New York kommen könnte und förmlich auf die Tanzfläche zerrt.
Und so geht das weiter. Asynchron- bzw. Non-Konformität und Rhythmus- bzw. Hithörigkeit wechseln sich beständig ab. Beim Hören der gesamten Platte entsteht der Eindruck, die Vier hätten kräftig in Europa abgeguckt (Stichwort: McLusky und
Marr). Dafür ist der Klang jedoch zu selbständig. Zu groß die Einflüsse, die Joel Peterson seines musikalischen Hintergrundes wegen in die Art-Rock-Combo eingebracht hat. Und der Zitate in die Vergangenheit wegen (Stichwort:
XTC und
Kate Bush). Zu groß die Kraft der Musik. Zu sehr Omaha.
Die Feststellung vieler Schreiber, dass da wilde Tiere am Werk seien und das ganze nach Dschungel klinge (gut abgelesen!) mag ich übrigens überhaupt nicht stützen. "Business Casual" ist ein Album, das sperrig und gewöhnungsbedürftig ist. Beep Beep sind eine Band, die sich dessen bewusst ist. Und der geneigte Leser sollte Ihnen auf jeden Fall eine Chance geben. Wenn Live auch nur 10 Prozent der Energie dieser Platte rüberkommen, dann wird das ein wahnsinnig gutes Konzert!
tracklisting:
01.
I Am the Secratary [

/4,34 mb]
02. Oh No!
03.
Misuse Their Bodies [

/5,16 mb]
04. Giggle Giggle
05. Electronic Wolves
06. Chewy Poison
07. Executive Foliage
08. The Fluorescent Lights
09. Vertical Cougar
10. The Threat of Nature
mehr infos:
Beep Beep - Business Casual VÖ: 24.08.3004
>> beep beep
>> saddle creek records
>> interview: beep beep
>> review: beep beep live @ blue shell / köln, 16.08.04
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