various artists - es wird schon gehen... [kopfmusik records]
Ich habe eine Weile gebraucht. Irgendwas war immer zu machen. Raus in den Sonnenschein da draussen. Freunde treffen. Oder etwas völlig anderes gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass es einfach nur eines anstrengenden Tages bedarf, um mich von einem Sampler beim ersten Komplett-Durchgang mitnehmen zu lassen. Nicht in einer Art Euphorie. Nicht auf der Couch springend. Schuld war einfach die Müdigkeit."Es wird gehen..." denkt man sich manchmal nach einem langen Tag. "Morgen wird besser! Morgen wird anders!"
Kopfmusik Records liefern den Soundtrack zur Selbstfindung. Naja, das muss man relativieren: Für die Selbstfindung muss man schon selbst etwas tun. daher der Begriff. Aber hilfreich ist der Sampler "Es wird gehen...", denn er lässt die nötige Ruhe, um den Kopf zum denken zu bringen. Fordert ihn da, wo es nötig ist. und strengt ihn zuweilen auch mal an. Das erhöht die Denkfähigkeit. Und die Offenheit Neuem gegenüber. Emotionalität kann man allen vertretenen Bands als Basis für ihre Musik attestieren. Viel zu sehr hat man sich in letzter Zeit an krachige Gitarrenwände gewöhnt. Nein, nicht falsch verstehen: KEIN EMO! Anders emotional. Wie gut doch mal wieder Instrumentalmusik tun kann. "5 Minuten Augen zu". Sich von Gitarre, Schlagzeug, Streicherarrangements, und einem elektronischen Klangbett mitnehmen lassen. "Wie, 9 Minuten? Ich dachte 5!" - "Ach, ist doch egal!"
'Patentblau 5'! Das ist ein Name, den muss man an sich schon lieben! "#23". Da war doch auch mal so ein Film. Und ganze Mythen, die sich um die 23 ranken. "Deine Zeit fliesst ins Licht!" Müssen wir sterben? Ja! Ganz einfach, eigentlich. Die Frage ist: Wann? Das Tempo geben meistens wir an. Wenn man sich da nach 'Patentblau 5' und deren flotten Mix aus deutschsprachigen Trip Hop und leichten Break-Beat-Einflüssen richten würde, dann sind wir alle bald weg von hier.
Auch an anderer Stelle wird das Instrumentale durch leises Songwriting durchbrochen. Hier fühle ich mich aufgehoben. 'Spruce' treffen da mit "So cold" den richtigen Nerv. Erinnert ein bisschen an 'The Postal Service', was Klavier und Synthies angeht. Wenn dann der Gesang einsetzt und man die Phantasie spielen lässt, dann klingt das auch nach Coldplay.
Wo findet sich sonst der gemeinsame Nenner in der stilistisch doch unterschiedlichen Produktion? Das Neue. Das Experimentelle. Die weiten Wiesen der Popmusik sind schon abgegrast genug. Da ist es doch manchmal ganz erfrischend, in einem Stück dekonstruierten Jazz und Synthesizer-Klänge zu finden. 'MIR' machen mit "Schroiber oder Ströder?" politische Statements ohne sich zu weit aus dem fenster herauszulehnen. Der Titel steht da für sich selbst. Gepaart mit der fragilen Musik birgt der Song die ganze Wahrheit des politischen Karussels. Alles ist austauschbar. Irgendwie.Huch! 'Blender' machen gegen Ende des Samplers nochmal ein neues Fass auf. Indie meets Funk meets Blues.
Ist man in einem Tief hat man zwei Möglichkeiten: Resignation oder Motivation. Erstaunlich wach ist man am Ende der dreizehn Songs. Das liegt bestimmt auch an dem groovenden Rausschmeisser 'Peter Pirate'. Der "Lonely Texas Blues Express" steht abfahrbereit vor der Tür. Einsteigen, bitte! Nächster Halt: Leben. Es wird schon gehen. Vielleicht schief. Vielleicht auch gut.
tracklisting:
01. Your Ten Mofo - Heterophonic
02. The Sounds Inside - Johnny [
03. Fonoda - Fünf Minuten Augen Zu
04. Varjidswara - Raga Mischmasch
05. Patentblau 5 - # 23
06. Blotch - Debink
07. Lude - Satchidananda
08. Spruce - So Cold
09. MIR - Schroiber oder Ströder?
10. KES - Freaks And Fairies [
11. blender. - Sternenglanz
12. Max Würden - MW Crossing
13. Peter Pirate - Lonely Texas Blues Express
mehr infos:
kopfmusik records
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waldar - 2. Jun, 23:02
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