mediengruppe telekommander - die ganze kraft einer kultur [mute/enduro]
Vorsicht! Das ist ein Grenzgang. Das ist ein Statement. Und das Album einer Live-Band. Zum Bierflasche heben und feiern!"Vorsicht!, ein Trend geht um / Du brauchst Veränderung"
Die ersten Zeilen aus "Trend", der ersten Single zu "Die ganze Kraft einer Kultur", dem Longplayer der 'Mediengruppe Telekommander'. Ob Anti-/Pro-Kriegs-Rhetorik, Klingelton-Terror, Schönheitswahn, Konsum, Punk-Rock. Alles ist zu hinterfragen. Nicht, weil die beiden den moralischen Zeigefinger heben, sondern um sich selbst und dem Zuhörer einen Spiegel vorzuhalten.
"Denn Du hast Kauf Du hast die Kraft / Du hast sie verkonsumierbar gemacht / Du bist das Potential / Bist so rebellisch ideal / Ein Code, der das Publkum bewegt. / Denn Du bist Markt, Du bist was wert / Und hast das jeden Tag verstärkt."
Die Kampfansage in "Steht auf", begleitet von einem kreischenden Gitarrenriff und einem Anflug von Garage-House-Beat, bezeichnet äußerst treffend den Trend zur Angleichung in der Musikwelt. Nicht nur im Mainstream-Pop, sondern auch in allen anderen (alternativen) Musik-Stilen wird mit Codes gelockt, uniformieren sich Stile selbst.
"Pop, Pop, bis zum Erbrechen schrein" rufen Gerald und Florian im Anschluss daran. Eine witzige Charikatur, bedenkt man, dass die Mediengruppe genau so im Pop-Kontext steht wie auch alle anderen Bands und Musiker. Auch wenn viele Bands gerne das Gegenteil und ihren Independent-Charakter betonen. "Ihr wollt Konsumkritik, doch die kriegt Ihr nicht!" So einfach machen es die 'Mediengruppe Telekommander' dem Zuhörer nicht. Selber Denken und Kritik entwickeln bringt persönliche Erkenntnis, das Übernehmen von Meinungen genau das Gegenteil.
"Die ganze Kraft einer Kultur" ist in der Produktion nicht mehr so ruppig, wie man das von den beiden EPs gewohnt war, Christian Harder hat da einiges an Arbeit geleistet. Von einem glatten Album ist man denoch weit entfernt. Florian Zwietnig und Gerald Mandl haben mit ihrer Mischung aus Sprechgesang, Indie und Elektronik ein neues Fass aufgemacht und bewegen sich abseits ausgetretener Pfade. Auf der Bühne wird das ganze mit dem Einsatz von Verfolgungskameras, Projektionen, und Megaphonen auf die Spitze getrieben und Party-tauglich gemacht.Die in den Texten enthaltenen Ansagen sind nicht der Mittelpunkt des Albums. Sie mögen es in den eigenen vier Wänden sein. Live sieht das anders aus. Tanzen, Schreien, Fäuste heben, Mitshouten, Kopfnicken, Feiern. Alles drin! "Das Ziel war, eine Kritik zu üben, die nicht in-your-face, sondern annehmbar und feierbar ist.", sagen die Telekommander über ihre Musik.
Feierbar ist die auf jeden Fall. Annehmbar liegt ganz in der Hand des Zuhörers. "Diskurs-Disko" nennt das die Plattenfirma. Könnte fast stimmen.
tracklisting:
0.1 Trend
0.2 Fanatisch Automatisch
0.3 Steht auf
0.4 Bis zum Erbrechen schreien
0.5 Panzer
0.6 Für schwer Erziehbare Konsumentinnen
0.7 Was Sie shon immer über die mediengruppe wissen wollten
0.8 Kommanda
0.9 Technik und Machines
1.0 Was ganz feines
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lies den gesammelten wahnsinn auf smash-mag.com
waldar - 19. Apr, 17:06
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